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Infos vom 6. Juli 2020:

Die Pandemie in Bolivien

- die beiden Partnerorganisationen

Die Corona-Pandemie kam bereits in einem frühen Stadium nach Bolivien, und schon ab Mitte März wurden z.T. drastische Maßnahmen von der Regierung erlassen: Schließung der Grenzen (auch zwischen den Departamenten), Einstellung des internationalen Flugverkehrs, Schließung von Schulen, Kitas und Landschulinternaten, Verhängung von landesweiten Ausgangsbeschränkungen.

Die Folgen dieser dringend notwendigen Maßnahmen bekommen vor allem diejenigen zu spüren, die bereits vorher von extremer Armut und Ausgrenzung betroffen waren, so auch Kinder und Jugendliche, Menschen mit Beeinträchtigungen und die Bevölkerung auf dem Land. Auch die Stiftung Solidarität und Freundschaft Chuquisaca-Trier in Sucre und die Jugend- und Berufungspastoral (PJV) Boliviens leiden unter den Auswirkungen der Pandemie. Sie haben erstaunlich schnell ein Krisenprogramm auf die Beine gestellt, und stehen damit auch in dieser schwierigen Zeit Kindern und Jugendlichen und benachteiligten Menschen zur Seite. Dabei sind es oft die jungen Leute selbst, die von zuhause aus aktiv werden und sich engagieren.

Stiftung "Solidarität und Freundschaft Chuquisaca-Trier"

Im ländlich geprägten Chuquisaca leben immer noch viele Familien und ältere Menschen in kleinen, weit entlegenen Dörfern oder Weilern - zum Teil mehrere Stunden von der nächsten Stadt entfernt. Die staatlichen Hilfen kommen hier nicht an. Als eine Maßnahme zur Eindämmung des Virus wurden in Bolivien schon sehr früh alle wichtigen Verbindungsstraßen gesperrt. Dadurch ist die Versorgungslage auf dem Land aber nun noch schwieriger. Hinzu kommt, dass Hunderte von Menschen aus den Großstädten wieder in ihre Dörfer zurückgekehrt sind, weil sie dort wenigstens ein Heim haben, um die Zeit der Quarantäne sicher zu überstehen.

Ein weiteres Problem ist, dass viele Menschen auf dem Land keinen Zugang zu digitalen Medien haben, und so keine Informationen darüber erhalten, wie sich das Corona-Virus verbreitet und wie man sich davor schützen kann. Es gibt also nicht nur ein Stadt-Land-Gefälle im Bereich der Versorgung, sondern auch in Bezug auf die staatliche Kommunikation und die so dringend notwendige Aufklärungsarbeit. Wie lange die Quarantäne noch anhalten wird, weiß niemand zu sagen. Seit Mai ist die Zahl der Infizierten in Bolivien rapide angestiegen, vor allem in den Departamenten Santa Cruz, Beni und La Paz. Doch die Ausgangssperre trifft auch die Menschen im Bereich der Stiftung in Chuquisaca nach wie vor hart. Die 23 Landschulinternate und Ausbildungszentren der Stiftung sind alle geschlossen, die Kinder und Jugendlichen befinden sich zu Hause in ihren Dörfern. An digitalen Unterricht, wie bei uns, ist nicht zu denken. Die Versorgungslage ist zum Teil katastrophal. In dieser Situation hat die Stiftung einen Krisenplan für bedürftige Menschen auf dem Land aufgestellt. Er besteht aus drei Komponenten:

1. Informationskampagne "Ich schütze meine Familie"

Junge Teilnehmende des Jugend-Projektes der Stiftung aus 12 ländlichen Gemeinden haben über die sozialen Netzwerke relevante Informationen über COVID-19 und entsprechende Schutzmaßnahmen an Menschen in ihrem Familien- und Freundeskreis verbreitet. Das Personal der Stiftung stellte ihnen dazu eigens produzierte Videos zur Verfügung, die anschaulich und in einfacher Sprache Verhaltensmaßnahmen erklären. Die Jugendlichen nahmen aber auch selbst Handynachrichten und Videoclips mit persönlichen Appellen oder Musikbeiträgen zuhause auf, teilweise sogar in ihren heimischen Sprachen wie Quetchua und Guaraní. Ziel war es, die Menschen dafür zu sensibilisieren, auf Hygiene zu achten und zuhause zu bleiben. Insgesamt wurden über 20 Videos produziert und in einer intensiven Kampagne über 45 Tage lang verbreitet. So konnten ca. 12.000 Personen in weit entlegenen Gebieten von Chuquisaca informiert werden. Die Aktion stand unter dem Motto: „Ich schütze meine Familie“ und zeigt: Jugendliche sind in der Krise wichtige Schlüsselpersonen für die Sensibilisierung der Bevölkerung auf dem Land. In einer zweiten Phase werden sie durch die Mitarbeiter*innen der Stiftung derzeit in der Nutzung von neuen Apps für Mobilgeräte geschult, um in Zukunft mit noch größerer Eigenständigkeit Videos produzieren und in den sozialen Medien verbreiten zu können. Erste Ergebnisse können schon im Netz bestaunt werden. So z.B. das Video eines Jugendlichen aus dem kleinen Dorf Ipaty, der seinen Tagesablauf in der Quarantänezeit aufgenommen hat. Für ihn ist klar: die jungen Leute müssen in dieser schwierigen Zeit noch mehr mit anpacken und ihre Eltern zuhause und bei Arbeiten draußen, z.B. auf dem Feld so gut wie möglich unterstützen. (https://www.facebook.com/fundacion.treveris)


2. Nothilfe für Menschen mit Beeinträchtigungen

Mehr als 50 Personen mit körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen und ihre Familien in fünf ländlichen Gemeinden Chuquisacas werden in der Zeit der Quarantäne mit Lebensmitteln und Hygieneprodukten wie Masken, Tüchern oder Desinfektionsspray versorgt. Dazu fahren zwei Mitarbeiter der Stiftung direkt zu den Häusern der betroffenen Menschen und geben ihnen die nötigen Anleitungen zum Umgang damit – natürlich unter strenger Beachtung der Schutzregeln.

3. Unterstützung von Bedürftigen über die Pfarreien

Die Stiftung stellt zudem Lebensmittelpakete und Hygienematerialien für über 300 besonders von Armut betroffene Familien auf dem Land zur Verfügung. Auch hier halfen junge Erwachsene mit, die Familien ausfindig zu machen. Die Verteilung wird über die Pfarrer vor Ort und in Kooperation mit den Gemeindevertreter*Innen der betroffenen Munizipien organisiert. So erhalten ca. 1.000 Menschen in entlegenen Teilen des Departaments dringend benötigte Hilfsmittel. Der Krisenplan der Stiftung sieht außerdem die Anschaffung von mobilen Wassertanks vor, die in den Dörfern aufgestellt werden, um den Bewohner*innen das regelmäßige Waschen der Hände zu erleichtern. Die Tanks umfassen je 200 Liter und sind mit einem Wasserhahn versehen. Bisher ist Chuquisaca noch eines der Departaments, das am wenigsten von dem Virus betroffen ist. Aus den ländlichen Bereichen wurden offiziell noch keine Fälle von COVID-19 gemeldet. Bleibt zu hoffen, dass es gelingen möge, dem Virus auf dem bolivianischen Campo weiterhin die Stirn zu bieten. Mit ihrem Engagement leistet die Stiftung in Sucre einen wichtigen Beitrag dazu.

Nationale Jugend- und Berufungspastoral (PJV) Boliviens

Auch innerhalb der Katholischen Kirche kommt es gerade jetzt auf die jungen Leute an. Ähnlich wie bei der Stiftung spielen die Jugendlichen der PJV hier in Bezug auf die Kommunikation- und Aufklärungsarbeit eine entscheidende Rolle - in dem Fall sogar landesweit. So tragen sie zum Beispiel maßgeblich die Kampagne "Bleib' zuhause!", die über die sozialen Medien läuft (#quédate en casa). Die Bolivianische Bischofskonferenz nutzt bewusst die Netzwerke der Jugendlichen zur Verbreitung von Online-Messen und Gebetsaufrufen.

Die PJV koordiniert dabei die Beiträge, die junge Christ*innen in Bolivien besonders interessieren, meistens mit spirituellen Inhalten. Wie z.B. die Botschaft des Papsts anlässlich des 35. Jahrestags des WJT am 05.04.2020. Das Motto lautete: "Junger Mensch, ich sage dir, steh auf!"/"A ti jóven te digo: levántate!" (vgl. Lk7,14). Hierzu gab es eine Vielzahl von kreativen Facebook-Posts von PJV-Gruppen oder einzelnen Personen. Manche nehmen auch Videos mit persönlichen Reflexionen zu Bibeltexten oder Gebeten auf. (https://www.facebook.com/pjvbol/)


Ein weiteres, oft verwendetes Motto in diesen Zeiten: "Christus liebt dich und er liebt dich lebendig"/"Cristo te quiere y te quiere vivo" (aus: Cristo Vivet). Damit stellen die Jugendlichen der PJV in der Krise den Schutz des Lebens in den Mittelpunkt und weisen auf die Notwendigkeit hin, gerade jetzt in Solidarität zusammen zu stehen und sich auf das Wesentliche im Leben zu konzentrieren. Und dazu gehört auch der Glaube.


BDKJ-Bolivienreferat – weitere Infos unter www.boliviensammlung.de