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Katholische Pfarrkirche Bad Hönningen

St. Peter und Paul

Lage:
Kirchstraße / Ecke Rheinallee
53557 Bad Hönningen

Geo-Lage: 50.514, 7.307 / 50° 30' 51" N, 7° 18' 25" O

Gottesdienst samstags 17:00 Uhr

Abweichungen entnehmen Sie bitte dem aktuellen Pfarrbrief.

Die Kirche ist in der Regel geöffnet.

Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln:

Mit Bus Linie 170 der RMV, Haltestelle Bad Hönningen Bahnhof

Mit Bus Linie 137 der RWN, Haltestelle Bad Hönningen Bahnhof

Mit dem Zug der Deutschen Bahn

Hier geht es zum Fahrplan

Die Pfarrei Hönningen und ihre Pfarrkirchen

Die eigentlichen Glaubensboten des Mittelrheingebietes waren die beiden Heiligen Lubentius und Castor im 4. Jahrhundert. Allerdings ist nicht bekannt, ob das Christentum hier bereits Eingang gefunden hatte. Die Missionierung des rechten Rheinufers wird erst für eine spätere Zeit faßbar. Iro-schottische und angelsächsische Missionare wirkten hier im 7. und 8. Jahrhundert. Unter ihnen St. Wilibrord (+ 739) und der Patron der Rheinbrohler Pfarrkirche St. Suitbert (+ 713). Vermutlich wirkte hier auch St. Goar. Zu dieser Zeit dürfte ein zusammenhängendes Kirchensystem in dieser Gegend bestanden haben, bei ihrem Einfall in fränkisches Gebiet 778 verheerten die Sachsen jedenfalls viele Kirchen zwischen Deutz und der Lahnmündung.

Aus vorfränksicher Zeit ist die Besiedlung von Hönningen durch Grabstellen mit Anzeichen christlicher Bestattungsformen nachgewiesen. In einem merowingischen Grab fand man eine Silberscheibe mit dem Symbol des Kreuzes.

Hönningen gehörte wohl ursprünglich zur Pfarrei Rheinbrohl. Dort hatte man im Gertudenhof des Stiftes Nivelles sehr früh eine geistliche und kirchliche Zentrale für unser Gebiet. Der Bestand eines fest eingerichteten Pfarrsystems in Hönningen ist für vor 1136 bezeugt. Dies geht aus einer Urkunde hervor, mit welcher ein Streit um das Zehntrecht im Ort geregelt wird. Nach den bestehenden Zehntregeln wurde der Zehnte immer nur an Pfarrkirchen geliefert. Gründer der Pfarrei bzw. deren Patrone waren die im Ort ansässigen St. Georgshof, benannt nach dem Hochstift St. Georg in Bamberg und der St. Simeonsstift, benannt nach dem gleichnamigen Stift in Trier. Um diese Zeit dürfte auch die erste Pfarrkirche erbaut worden sein. Der Standort der Pfarrkirche hat sich seit den Tagen der Pfarrgründung nicht geändert. Nach einer erhaltenen Grundrißzeichnung aus dem Jahr 1715 maß diese Kirche etwa 20 mal 12 Meter. Es war eine dreischiffige Halle, deren Mittelschiff durch je vier auf Pfeilern ruhenden Arkadenbögen von den Seitenschiffen geschieden war. Die beiden Seitenschiffe der in Ost-Westrichtung stehenden Kirche waren bis auf die Ostflucht des Turmes vorgezogen, so daß der Turm praktisch in der Kirche stand. Rund um die Kirche befand sich ein Friedhof, auf dem bis 1830 die Toten der Pfarrei bestattet wurden.

Zur ersten Kirche gehörten auch zwei Glocken. Eine kleinere – elf Zentner schwer und auf den Ton G gestimmt – war 1324 beschafft worden. Sie trägt die Inschrift: „O Rex gloriae, veni cum Pace A.D. MCCCXXIIII“ (O König der Herrlichkeit, komm mit Deinem Frieden A.D. 1324). Eine zweite, 15 Zentner schwere Glocke 1667 gegossen, ist auf den Ton F gestimmt. Sie ist den Kirchenpatronen Petrus und Paulus und dem heiligen Sebastian geweiht. Beide Glocken sind noch vorhanden. Wegen ihres hohen Alterswertes sind die in den beiden Weltkriegen von der allgemeinen Beschlagnahmung verschont geblieben.

Aus der ersten Kirche stammen noch zwei besonders wertvolle Stücke.

Dies sind ein Taufbecken aus Marmor aus dem 17. Jahrhundert  mit einem kuppelförmigen Aufsatz aus Messing, der die Jahreszahl 1727 trägt, und ein der Kölner Schule zugesprochenes spätgotisches Tafelgemälde aus der Zeit nach der Mitte des 15. Jahrhunderts, dessen Herkunft noch nicht genau geklärt werden konnte. Nach einer Notiz aus dem 18. Jahrhundert soll es aus dem Kloster Corvey an der Weser stammen.


 

 

Das Kreuz mit dem gekreuzigten Christus bildet die Mittelachse und teilt das Bildfeld klar in zwei Hälften; rechts und links von Christus findet man die beiden Schächer; Landschaft und Figuren stehen vor einem Goldgrund. Zur Rechten Christi sieht man den sich bekehrenden Schächer, der zum Himmel aufblickt und dessen dem Munde entweichende Seele von einem Engel aufgenommen wird. Zwischen Christus und dem guten Schächer befindet sich eine Menschengruppe, die durch große Goldnimben ausgezeichnet ist; Maria inmitten der frommen Frauen, der h. Johannes und Josef von Arimathäa.

Zur Linken Christi befindet sich der böse Schächer, der zum Boden blickt und dessen Seele von einem Teufel weggeführt wird. Der Hauptmann bezeugt seinen Glauben. Im Vordergrund beherrscht der Gewappnete auf dem Schimmel mit rotem Geschirr optisch das Blickfeld. Die sakramentale Bedeutung der Tafel als Altarbild wird durch die vier Engel unterstrichen, die das Blut Christi in Kelchen auffangen.

Bei der steigenden Seelenzahl erweis sich die alte Kirche mit der Zeit als zu klein. 1718 legte man die Kirche nieder, ließ den Turm aber stehen. In den Jahren 1719 bis 1722 baute man eine wesentlich größere, einschiffige Kirche. 1725 wurde sie vom damaligen Weihbischof Johann Matthias von Eyß zu Ehren der Apostel Petrus und Paulus geweiht. Erst im Jahre 1788 wurde der alte Turm, der auch größenmäßig nicht mehr zum neuen Kirchenschiff paßte, abgebrochen. Mit dem Bau des neuen Turmes wurde das Kirchenschiff  um ein Joch verlängert.  Der Grundstein des Kirchturmes hat eine Inschrift in der Form eines Chronogramms erhalten. Diese lautet: IesVs ChrIstVs DatVs est nobIs LapIs angVLarIs LaVs honor In aeternVM (Jesus Christus ist uns gegeben als Eckstein ihm sei Ehre und Herrlichkeit in Ewigkeit). Die vorkommenden römischen Zahlzeichen ergeben zusammengezählt die Jahreszahl der Erbauung, 1788.

Im Gegensatz dazu zeigen die großen Eisenanker die Jahreszahl 1789. Das Hauptportal der Kirche im Kirchturm trägt das von der Leyen´sche Wappen.

Nach Fertigstellung der Kirche wurde ein neuer Hochaltar aus Holz aufgestellt, der – von unwesentlichen Änderungen abgesehen – auch heute noch erhalten ist. Auf einem halbkreisförmigen Sockel stehen vier korinthische Säulen, die ein kräftiges Gebälk tragen. Zwischen den äußeren Säulen stehen lebensgroß die Kirchenpatrone Petrus und Paulus, zwischen den inneren Säulen und auf dem Gebälk die Figurengruppe der Dreifaltigkeit und anbetende Engel.

Gleichzeitig erhielt die Kirche zwei Seitenaltäre, den Marienaltar und den Josefsaltar. Alle drei Altäre wurden in Koblenz von Meister Anton Feistel, Hofbildhauer Wühe und dem Vergolder Emmeran gefertigt. Die Seitenaltäre sind verloren, die Statuen erhalten. Aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts stammen auch die lebensgroßen Statuen der Heiligen Sebastian und Rochus und die kleineren Figuren der Heiligen Apollonia und Antonius.

Die vor 1900 einsetzende Industrialisierung des Ortes hatte eine rasante Zunahme der Seelenzahl zur Folge. Die Kirche wurde erneut zu klein, eine Vergrößerung war erforderlich. Finanzierungsschwierigkeiten und der Erste Weltkrieg verzögerten jedoch den dringenden Ausbau. Erst 1919 war es soweit. Der Plan der Architekten Huch und Grefkes aus Koblenz fand Zustimmung und so wurde nach der Grundsteinlegung am 28. September 1919 bei Erhaltung des Mittelschiffs ein Querhaus mit Westchor angebaut. Die Längswände der alten Kirche wurden in Bögen aufgebrochen, und so wurden Mittelschiff und Seitenschiffe miteinander verbunden. Mit diesem Ausbau hatte die Kirche ihre auch jetzt noch erhaltene Gestalt bekommen. Die Hönninger Pfarrkirche St. Peter und Paul ist im Gegensatz zu fast allen christlichen Gotteshäusern nicht geostet, sondern gewestet. Dies hat einen ganz profanen Grund; nämlich das Hochwasser des Rheins. Während man bis zum Vorgängerbau der heutigen Kirche, das Gebäude von der Rheinallee her betrat, weil sich ja im Ostteil der Altarraum befand, verlegte man den Eingang mit Umbau und Erweiterung in den deutlich höher liegenden Ostteil der Kirche, damit man sie auch bei Überschwemmung der Rheinanlagen betreten kann.

Für die jüngere Vergangenheit ist die Anschaffung einer Orgel der Bonner Firma Klais im Jahre 1938 zu erwähnen.

Eine letzte Umgestaltung des Innenraumes machte als Folge der Liturgiereform durch das Zweite Vatikanische Konzil auch die Aufstellung eines neuen Altares erforderlich. Altar und ein Ambo aus rotem Marmor sind das Werk des Linzer Bildhauers Günther Oellers.

Text Dr. Franz Ronig und Jakob Weiler

Fotos: © Thomas Müller