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Impuls zum 3. Sonntag im Jahreskreis

"Die Denk-Einstellung

muss stets

neu adjustiert werden,

da das Leben

nicht fest-gestellt ist."

(Stefan Dehn)


(Bild: An der Ostsee /
Blick auf Neustadt in Holstein
© Christian Scheinost)

Im Kreuzworträtsel hat das Vertrauen in die Zukunft acht, manchmal zehn Buchstaben. Im realen Leben braucht es viel mehr Wörter und Sätze, um Hoffnung und Zuversicht zu beschreiben, zu denken, zu fühlen. Und zuweilen und immer öfter fehlen auch die Worte, um zuversichtlich und hoffend in die Welt von morgen zu blicken. Eine repräsentative und tiefenpsychologische Untersuchung des Kölner Rheingold-Instituts ergab im Oktober 2021, dass zwei Drittel der Deutschen schon damals ängstlich in die Zukunft blickten und das hat sich wohl durch den Krieg in der Ukraine und die Energiekrise noch verschärft. Christinnen und Christen, denen die Hoffnung sozusagen ins Stammbuch geschrieben ist, erleben im Blick auf die aktuellen Entwicklungen in der Kirche Frust und Hoffnungslosigkeit. Die Veröffentlichung immer neuer Missbrauchsgutachten stellen die Glaubwürdigkeit der Kirche in Frage. Rangkämpfe zwischen Konservativen und Liberalen scheinen die Kraft der Hoffnung und Zuversicht verblassen zu lassen. Die Kirche verliert - so meine Hypothese - im menschlich-privaten, gesellschaftlichen und staatlichen Kontext an Bedeutung. Die Gründe dahinter sind vielschichtig.

Wäre es aufgrund dieser Wahrnehmung nicht folgerichtig, das Leben neu zu denken, umzudenken, eine andere Richtung einzunehmen, die gewohnte Schablone, das Leben zu sehen und zu deuten, neu zu justieren? Solche Wege haben wir alle schon mal beschritten im Blick auf die Auswirkungen der Coronapandemie, des Klimawandels und des Ukrainekrieges. Doch scheint es so, sobald es uns wieder besser geht oder die Krise händelbar und zur Gewohnheit geworden ist, schnellt der Veränderungswille wie ein Gummiband zurück und die alte Gewohnheit ist wieder die Normalität. Und die Normalität ist der Ort, stets neu über Gott und die Welt, die Politik, die Kirche, den Mitmenschen zu jammern, weil die Lebenssituation nicht mehr so ist, wie ich sie gerne hätte. Mit dem heutigen Evangelientext ruft uns Matthäus auf, unsere Gewohnheiten im Licht, das Jesus von Nazareth heißt oder das von ihm angesagte Reich Gottes meint, neu anzuschauen. Jesus verändert sich örtlich und er ruft Menschen weg aus ihrem gewohnten Leben in seine Nachfolge. Dieser Text redet von einer neuen Bewegung, von Umkehr, eine neue Richtung einzunehmen – im Denken und Verhalten, im Reden und Umgang miteinander. Das kann heißen, die Menschen neben mir noch mal mit neuen Augen zu sehen, hinter meine Vorurteile zu blicken, etwas Neues an ihnen zu entdecken versuchen. Das kann auch heißen, das Leben etwas mehr aus der Tiefe und mit Tiefgang zu führen, nicht nur zu schauen, ob die Oberfläche stimmt. Und es könnte heißen, etwas loslassen zu können, Abschied zu nehmen, auch wenn das Neue noch nicht erkennbar ist. Das ist Hoffnung, Zuversicht. Manche könnten einwenden: Neues brauche ich nicht, das Alte ist gut genug und hat Gültigkeit. Verändern tut mir nicht gut. Menschlich verständlich und doch steckt darin die Gefahr, dem Leben, das sich weiterentwickelt, stets hinterher zu laufen, zu jammern und den Menschen in ihrer Einzigartigkeit nicht gerecht zu werden. Matthäus lädt die Christen seiner Gemeinde, die beginnt ihr Profil zu schärfen, Kirche Jesu Christi zu leben, das Leben mit den Augen Jesu zu sehen. Dazu sind auch wir heute eingeladen. Lassen wir uns darauf ein.

  • Lesen der Bibelstelle Mt 4,12-23

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    12 Als Jesus hörte, dass Johannes ausgeliefert worden war, kehrte er nach Galiläa zurück.

    13 Er verließ Nazaret,
    um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali.

    14 Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist:

    15 Das Land Sebulon und das Land Naftali, / die Straße am Meer,
    das Gebiet jenseits des Jordan, / das heidnische Galiläa:

    16 Das Volk, das im Dunkel saß, / hat ein helles Licht gesehen; /
    denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, / ist ein Licht erschienen.


    17 Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.

    18 Als Jesus am See von Galiläa entlangging,
    sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas;
    sie warfen gerade ihr Netz in den See, denn sie waren Fischer.

    19 Da sagte er zu ihnen:
    Kommt her, mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen.

    20 Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm nach.

    21 Als er weiterging, sah er zwei andere Brüder,
    Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes;
    sie waren mit ihrem Vater Zebedäus im Boot und richteten ihre Netze her.
    Er rief sie

    22 und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus nach.


    23 Er zog in ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen,
    verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden. 

Gebetsvorschlag

Gott, du der Mittelpunkt unseres Lebens,
deine unendlich große Liebe begleitet uns,
wenn wir versuchen, umzukehren
und in unserem Leben eine neue Richtung einzunehmen
   im Denken und Verhalten,
   im Reden und Umgang miteinander.
Du begleitest uns immer,
   wenn wir auch nicht wissen, wohin der Weg führt.
So schicke uns in unseren Alltag,
wo wir auch ungewohnte Wege ausprobieren,
Gesetzmäßigkeiten und Gewohnheiten durchbrechen wollen,
um Menschen dein Heil nahezubringen. 
Amen.

Meditation

Die Welt sehen

mit den Augen Jesu

kann bedeuten,

im Unfrieden Momente des Friedens erfahren,

im Leid sich getragen und gehalten fühlen,

im Tod die Morgenröte des ewigen Lebens zu erahnen

und in jedem Störenfried einen Freund zu finden.


Das Leben sehen

mit den Augen Jesu

kann bedeuten,

im Schwachen Stärke wahrzunehmen,

im Kleinen das Große zu erkennen,

im Getrennten neue Gemeinsamkeit zu sehen

und in jedem Menschen einen Mitmenschen zu finden.


Die Kirche,

den Glauben sehen

mit den Augen Jesu

kann bedeuten,

im Unglauben Glauben zu finden,

im Ausgetretenen ein Kind Gottes wahrzunehmen

und in jedem Sünder einen Bruder,

in jeder Sünderin eine Schwester zu finden.


Mit den Augen Jesu sehen

verwandelt die Welt, das Leben und die Kirche

in ein Stück Himmel auf Erden.
 

(3. Sonntag im Jahreskreis – Patronatsfest der Schützenbruderschaften – 19.01.2023 – © Christian Scheinost)