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Impuls zum ersten Ostersonntag

Im Licht

der Ostersonne

bekommen

die Geheimnisse

der Erde

ein anderes Licht!

(Friedrich von Bodelschwingh)


(Bild: Lübeck/Ostsee   
© Christian Scheinost)

"Ich bin zwar kein ganz fleißiger Kirchgänger, aber ich glaube schon, dass da eine Kraft ist, die größer ist als der einzelne Mensch. Und ich glaube, dass daraus auch viel Gutes entstehen kann." Diese Zeilen, dieses Glaubenszeugnis, so möchte ich es ausdrücken, stammt von unserem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. Der Glaube bewirkt Gutes, das wissen alle, die gläubig ihr Leben gestalten. Der Glaube bewirkt Heilung, wenn z. B. Ärzte davon erzählen, dass sie Patienten mit Placebos - also Medikamenten ohne Wirkstoff - behandelten und der Glaube daran den Menschen heilte.

Unser Glaube entspringt für mich aus unserem Herzen. Wenn wir an etwas glauben, dann fühlt sich dies in unserem Herzen gut an. Es ist nicht nur eine Sache unseres Denkens, sondern auch des Fühlens. Glaube ist für mich nicht allein erlernbar durch Wissen, es ist eine Erfahrung, erfüllt von einer Liebe, die hofft und trägt und allem standhält.

Wir leben heute in einer Welt, in einer menschlichen Gemeinschaft, für die das Wissen, das Beweisbare, das Handfeste, die knallharten Tatsachen im Mittelpunkt stehen, denn mit der Gefühlsduselei, dem Glauben allein können keine Löhne gezahlt, kein Haus gebaut, kein Urlaub finanziert werden. Auch die Kirche scheint ihren Glauben verloren zu haben, den Glauben an Gott, der dem Menschen auch in seiner Gebrochenheit vergibt und annimmt, der jedem Menschen Einzigartigkeit zugesteht und sein Mitsein schenkt, seinen Segen. Darüber hinaus scheint der gläubige Mensch heute irgendwie ein Gefangener seiner religiösen Vorstellungen und seines Glaubens-Wissens zu sein, um so Sicherheit zu haben, die ihn über die Klippen des Lebens hinwegrettet.

Die Gemeinde, an die Johannes sein Evangelium schreibt, war eine "vergeistigte Gemeinde". Mit dem Verstand wollten sie den Glauben ergründen, die Hoffnung und die Liebe. Mit dem Verstand wollten sie Ostern begreifen, um im Blick auf Jesus eine Kraft zu haben, die sie durch die negativen Erfahrungen des Lebens hindurch rettet.

Johannes lädt sie mit der Ostergeschichte (Joh 20, 1-18) zu einem Perspektivwechsel ein, vom Wissen hin zum Lieben. Petrus, der Fels der Kirche, kommt nicht auf die Idee, dass Jesus lebt. Das tut Johannes, der liebt und so von sich loslässt und Gott zulässt. In der Person von Maria Magdalena ist das noch deutlicher: Gefangen in ihrem Denken über Jesus, gefangen im Dunkeln und im Kummer kann sie überhaupt nicht begreifen, weder durch das leere Grab noch die Engelbotschaft, dass Jesus lebt. Erst als sie sich umwendet und Jesus sie liebevoll anspricht und sie sich darauf einlässt, sich ihm zuwendet, geschieht Auferstehung im Herzen.

Ostern braucht unser Herz. Ostern braucht einen Perspektivwechsel. Lasst uns mit der Brille des Glaubens, mit der Brille der Liebe Gottes, das Leben betrachten und aufhören, darüber zu jammern, wie schlecht die Welt ist und sich die gute alte Kirche verändert. Mit den Augen der Liebe das Leben zu betrachten, verändert mich, löst mich heraus aus all den Vorstellungen und Befindlichkeiten, die mich niederdrücken, mir das Leben schwer machen. In einer solchen Lebenshaltung beginnt der Himmel auf Erden. Dazu lädt uns der Auferstandene ein.

  • Lesen der Bibelstelle Joh 20,1-18

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    1 Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens,
    als es noch dunkel war, zum Grab
    und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war.

    2 Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus liebte,
    und sagte zu ihnen:
    Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen
    und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben.

    3 Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab;

    4 sie liefen beide zusammen,
    aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab.

    5 Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging jedoch nicht hinein.

    6 Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein.
    Er sah die Leinenbinden liegen

    7 und das Schweißtuch, das auf dem Haupt Jesu gelegen hatte;
    es lag aber nicht bei den Leinenbinden,
    sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle.

    8 Da ging auch der andere Jünger, der als Erster an das Grab gekommen war, hinein;
    er sah und glaubte.

    9 Denn sie hatten noch nicht die Schrift verstanden,
    dass er von den Toten auferstehen müsse.

    10 Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück.


    11 Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte.
    Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein.

    12 Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen,
    den einen dort, wo der Kopf,
    den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten.

    13 Diese sagten zu ihr: Frau, warum weinst du?
    Sie antwortete ihnen:
    Sie haben meinen Herrn weggenommen
    und ich weiß nicht, wohin sie ihn gelegt haben.

    14 Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen,
    wusste aber nicht, dass es Jesus war.

    15 Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du?
    Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm:
    Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast!
    Dann will ich ihn holen.

    16 Jesus sagte zu ihr: Maria!
    Da wandte sie sich um und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister.

    17 Jesus sagte zu ihr:
    Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen.
    Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen:
    Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.

    18 Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen:
    Ich habe den Herrn gesehen. Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte.

Gebetsvorschlag

Auferstandener und lebendiger Herr Jesus Christus,
du hast die Sichtweise von Maria von Magdala,
   von Petrus und Johannes verändert.
Du hast ihnen eine neue Art der Begegnung gezeigt:
Die Berührung nicht mehr mit den Händen,
   sondern im Glauben.
So wollen auch wir uns an diesem Osterfest aufmachen
   in eine Zeit des eigentlichen Berührens,
   in eine Zeit des Berührens im Glauben,
   in eine Zeit des Glaubens als Berührung,
   in eine neue Zeit des Glaubens, in unsere Zeit,
Dann wird die Welt erfahren, dass der Glaube den Tod besiegt
und dass du lebst von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Meditation

OSTERN

lädt dich ein,

mit den Augen des Glaubens

dein Lebens zu betrachten,

überrascht zu werden,

im Kleinen, im Gewöhnlichen

das Ungewöhnliche zu entdecken:

IHN, Deinen Gott,

der mein Leben glücken lässt,

hoffnungsvoll,

zuversichtlich,

lebendig macht.


OSTERN

lädt ein,

wie Johannes und Maria Magdalena,

auf Jesus zu sehen,

sich IHM zu öffnen,

mein Herz IHM hinzuhalten.


OSTERN

ist, an einen Neuanfang zu glauben,

im Diesseits das Jenseits zu erfahren.


OSTERN

verändert:

Die Weite wird nah,

die Nähe weit,

das Fremde wird bekannt,

das Bekannte fremd,

das Leben wird erfüllt

und die Erfüllung lebendig.

Denn:

Christus lebt

und ich mit und in ihm!


(1. Ostersonntag Lsj B – 01.04.2021 © Christian Scheinost)