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Impuls

11. Sonntag im Jahreskreis

"Geh nur mutig vorwärts,

Gott wird

für die Zukunft sorgen!"

(Sel. Adolph Kolping)


(Ostseestrand Scharbeutz
© Christian Scheinost)

"Jeder hatte irgendwann schon mal das Gefühl, dass das Leben auf Schienen entlangläuft und man nichts daran ändern kann." (US-Schauspielerin Dove Cameron)

Leben ist in diesem Sinne eine Zeitspanne des Gestaltens und des Zulassens, aktiv zu sein und es auch passiv zu erleben. Alles im Leben durchläuft unterschiedliche Phasen. Ob es die Jahreszeiten sind oder die Phasen, eine Partnerschaft aufzubauen. Ebenso erfahren wir es in der Geschichte der Menschheit, der Gesellschaft, der Kirche. Das Leben selbst durchläuft verschiedene Phasen: Angefangen bei der Geburt, der Kindheit, dem Erwachsensein bis hin zum hohen Alter und schließlich dem Tod.

Und dieses so erfahrene Leben unterliegt Schwankungen, Veränderungen. Überall gibt es Umbrüche und Übergänge. Der Wandel ist allgegenwärtig.

Meine Wahrnehmung ist es, dass viele Menschen so handeln, als ob es keinen Wandel gäbe. Ich vermute, sie wollen von dieser grundlegenden Eigenschaft des Lebens nichts wissen, denn Wandel ist ungewohntes, unsicheres Leben, fordert immer neu anzufangen, von vorne zu beginnen und konfrontiert mit Abschied, etwas oder jemanden hinter sich zu lassen. So takten Menschen ihr eigenes und das Leben ihrer Partnerschaft und Familie durch und wissen schon Wochen vorher, wie, was, wann vonstattengehen soll.

Unter dem Blickwinkel der Psychologie gesehen ist dieses Planen, das den Wandel ignoriert, letztlich ein Suchen nach Sicherheit. Und wenn wir sie in uns selbst noch nicht gefunden haben, versuchen wir sie im Außen zu erzeugen. Das ist vollkommen normal – wenn auch vollkommen sinnlos.

Markus erlebt in der noch sehr jungen Kirche ein Streben nach Sicherheit, nach Konsolidierung für die Zukunft. Es steht die Fragestellung im Raum: Was müssen wir tun, um die Kirche zukunftsfähig zu machen, ihr auf Dauer einen sicheren Stand zu verleihen. Wie bringen wir den Glauben der jüngeren Generation nahe? Für die Beantwortung und als Leitlinie für die Zukunft nimmt Markus die Gleichnisse von der "selbst wachsenden Saat" und dem "Senfkorn" in sein Evangelium auf. Im Hintergrund dieser Gleichnisse ist eine erste Krise im öffentlichen Wirken Jesu beschrieben. Nach anfänglichen Erfolgen sind seine Jünger ernüchtert, weil die Zahl der Anhänger klein geblieben ist. Markus will der jungen Kirche mit Jesu Aussagen Mut machen, auf Wachstum durch Gottes Wirken zu vertrauen. Es wird eine Lebensweise, eine Lebenseinstellung beschrieben, die zulassen kann, in der sich der Mensch zurücknimmt, um Gott wirken zu lassen. Auch für uns als Kirche heute wie damals ein schwieriger Weg, denn gelungenes kirchliches Leben wurde und wird stets danach beurteilt wieviel Lebendigkeit, Aktionen, wieviel "gemacht" wird. Wir leben heute scheinbar in einer Machermentalität: Wir meinen, dass nur durch unser Wirken, unsere Glaubensweitergabe in immer neuen Formen, Kinder und Jugendliche, Erwachsene zum Glauben finden können, und wir sehen uns da auch stets neu in der Verantwortung, immer wieder nachzuhelfen.

Jedoch – lassen wir uns von Jesus leiten – baut sich das Reich Gottes anders auf. Thomas Ruster, Professor für Theologie an der Uni Dortmund schreibt: "Das Leben dieses Reiches ist das Fortleben Christi in den Seinen; in dem Herzen, das nicht mehr gespeist wird von der Lebenskraft Christi, endet das Reich; in dem Herzen, das von der Lebenskraft Christi berührt und verwandelt wird, beginnt es."

Wir sind alle eingeladen in diesem Bewusstsein zu leben und das Reich Gottes, den Himmel auf Erden, anfanghaft erfahrbar werden zu lassen.

  • Lesen der Bibelstelle Mk 4,26-34

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    26 Er sagte: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät;

    27 dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag,
    der Samen keimt und wächst und der Mann weiß nicht, wie.

    28 Die Erde bringt von selbst ihre Frucht,
    zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre.

    29 Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da.


    30 Er sagte:
    Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen,
    mit welchem Gleichnis sollen wir es beschreiben?

    31 Es gleicht einem Senfkorn.
    Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern, die man in die Erde sät.

    32 Ist es aber gesät, dann geht es auf und wird größer als alle anderen Gewächse
    und treibt große Zweige, sodass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können.


    33 Durch viele solche Gleichnisse verkündete er ihnen das Wort,
    so wie sie es aufnehmen konnten.

    34 Er redete nur in Gleichnissen zu ihnen;
    seinen Jüngern aber erklärte er alles, wenn er mit ihnen allein war.

Du Gott des Lebens,
manchmal glauben wir, alles zu können,
den richtigen Weg für die Familie, in der Politik und für uns selbst zu haben.
Manchmal glauben wir,
nur durch unsere Taten und Werke kann die Kirche weiterbestehen,
denn durch die Taufe und Firmung hast du uns doch
zu fachkundigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern berufen,
die am Aufbau Deines Reiches mitwirken sollen.
Jetzt sprichst Du zu mir:
Du muss nicht alles schaffen,
sondern nur das, was du mit deinen Fähigkeiten tun kannst.
Vertraue und überlass alles andere mir.
Öffne unseren Geist, unsere Sinne für Dein Wirken,
und schenke uns die Kraft zum Vertrauen.
Amen.

Vertrauen,

Gottvertrauen

verändert die Welt,

die kleine und die große Welt;

macht sie zu einem Raum

frohmachenden Lebens.


Vertrauen,

Gottvertrauen

ist, in der Gewissheit zu leben:

Er wird alles zum Guten führen.

Selbst in der scheinbaren Armseligkeit,

im Kleinen, im Schwachen, im Unbedeutenden

steckt Größe und Kraft,

steckt der göttliche Funke.


Vertrauen,

Gottvertrauen in Menschenkleid

ist das kleine Senfkorn,

das große Wirkung hat

im Gestalten und Zulassen.


Vertrauen,

Gottvertrauen

lässt dankbar sein,

denn ER, unser Gott,

war da, ist da und wird da sein

und lässt wachsen, gedeihen, sich entwickeln, …


Vertrauen,

Gottvertrauen,

das ist der Stoff, aus dem das Reich Gottes gemacht ist,

da beginnt der Himmel auf Erden.


(11. Sonntag im Jahreskreis Lsj B – 08.06.2021 - © Christian Scheinost)