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Impuls

12. Sonntag im Jahreskreis

"Manche Wunder

brauchen Zeit

und wir

brauchen das Vertrauen,

dass Gott

nie zu spät kommt."

(C. Montaigne)


(Der Chiemsee
© Christian Scheinost)

"Es (ist) wird klar, dass es nur zwei Arten von Feiglingen gibt: diejenigen, die rückwärts fliehen, und diejenigen, die vorwärts fliehen." (Ernesto Mallo, argentinischer Schriftsteller und Journalist)

Kennen Sie das von sich selbst, ein bisschen oder ein bisschen mehr feige zu sein, unangenehmen Situationen, Menschen, Gegebenheiten, die mir Angst machen, aus dem Weg zu gehen. Vielleicht schwirrt da eine Idee oder sogar eine Erinnerung durch unseren Kopf, die uns stört oder erschreckt, und anstatt uns die Zeit zu nehmen, sich ihr zu stellen, sie zu verarbeiten, versuchen wir, an ihr vorbeizulaufen. In einer Haltung der Feigheit suchen Menschen zudem auch gerne andere Schuldige, um sich nicht selbst mit ihrem je eigenen unliebsamen Thema auseinandersetzen zu müssen.

In der Psyche wird von Feigheit grundsätzlich gesprochen, wenn ein Mensch sich in seinem Verhalten fast ausschließlich von Angst leiten lässt. Angst haben alle Menschen. Doch in der Angst kann ich aktiv sein. Ich kann sie überwinden, in der Feigheit dagegen gebe ich mich allein der Angst hin. Ich ziehe mich zurück in mein Schneckenhaus, entziehe mich meiner Verantwortung, bin passiv, ohnmächtig, hilflos. Wenn der Mensch dann tätig wird, meist nur zum Erhalt des "Status quo". Jean Paul Sartre sagt: "Feiglinge sind diejenigen, die Zuflucht unter den Regeln suchen."

Feiges Verhalten können wir erleben in Staat, Gesellschaft und Kirche. Ob im Handeln und Leitspruch eines Donald Trump "Amerika first", oder im Handeln eines Boris Johnson mit dem Brexit, ebenso im Blick auf die terroristischen Gewaltakte, in denen Menschen nur ihre Ziele verwirklichen ohne Rücksicht auf andere. Feiges Verhalten erkenne ich in den Gaffern bei Unfällen auf den Autobahnen oder in einem gleichgültigen Verhalten gegenüber Menschen, die auch in unserem Land an den Rand gedrückt werden, angegriffen, nur weil sie anders sind.

Feigheit in der Kirche ist – so meine Sichtweise – überall dort gegeben, wo es keine Weiterentwicklung in die Zukunft gibt, keine Vielfalt in der Einheit. Dort wo Visionen fehlen und nur noch Jubiläen gefeiert werden, die sich an die guten Tage vergangener Zeiten erinnern und sie festhalten.

Von Feigheit spricht auch der Evangelist Markus im Evangelium dieses Sonntages. Der griechische Urtext ist im Gegensatz zur Einheitsübersetzung viel zupackender. Da steht: "Was seid ihr so feige? Habt ihr noch keinen Glauben?"
Sie sind hilflos, ohnmächtig, suchen einen Schuldigen für ihre Misere und halten Jesus vor, dass er gleichgültig ihnen gegenüber steht. Dahinter stehen Erfahrungen der jungen Kirche in ihrer Anfangszeit, im "Kirche werden". Sie sind verfolgt, hinterfragt, schrumpfend. Und die Kirche zieht sich zurück. Und heute habe ich auch den Eindruck, dass wir uns als Kirche zurückziehen aus Kindergärten und Sozialeinrichtungen, von all den Menschen, die nicht regelmäßig den Gottesdienst besuchen, die Sakramente empfangen, den Glauben in der Gemeinde praktizieren. Markus will den Christinnen und Christen zu allen Zeiten Mut machen mit einer Erfahrung, die Menschen mit Jesus gemacht haben und immer wieder machen können: Ein Gott, der den Menschen in Jesus seine rettende Nähe schenkt.

Gott weiß um die Feigheit der Menschen und er hilft trotz unserer Schwachheit. Er lädt uns immer neu ein, ihm zu vertrauen und im Glauben zu wachsen, Feigheit hinter uns zu lassen und so gelungenes bewusst geglücktes Leben zu erfahren.

  • Lesen der Bibelstelle Mk 4,35-41

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    35 Am Abend dieses Tages sagte er zu ihnen: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren.

    36 Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg;
    und andere Boote begleiteten ihn.

    37 Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm und die Wellen schlugen in das Boot,
    sodass es sich mit Wasser zu füllen begann.

    38 Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief.
    Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?

    39 Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still!
    Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein.

    40 Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?

    41 Da ergriff sie große Furcht und sie sagten zueinander:
    Wer ist denn dieser, dass ihm sogar der Wind und das Meer gehorchen?

Gebetsvorschlag

Uns liebender Gott,
rückhaltlos will ich mich ganz in Deine Hände geben.
Wohlstand oder Not, Freude oder Kummer,
Deine Gegenwart oder Dein Verhülltsein,
alles ist gut, wenn es von Dir kommt.
Du gehst mit uns auch auf krummen Wegen und in stürmischen Zeiten.
Lass uns Feigheit und Angst überwinden,
Stärke du unser Vertrauen und unseren Glauben,
dass wir bei Dir Halt finden können.
Denn dieser Glaube ist wie ein Schiff,
das nicht untergeht - heute nicht, morgen nicht
und nicht an allen Tagen unseres Lebens bis in Ewigkeit.
Amen.

Meditation

Mein Leben

ist eine Bootsfahrt

von hier nach dort,

vom Diesseits ins Jenseits.


Mein Leben

ist eine Bootsfahrt,

allein und in Gemeinschaft,

mit mir und dir

und mit Gott, der mich begleitet,

wachend und schlafend.


Mein Leben

ist eine Bootsfahrt

auf ruhiger See

und in den Stürmen,

in denen ich Angst habe

und mich feige unter Deck verkrieche.


Auf meiner Lebensbootsfahrt

vertraue ich auf Gott,

und im Glauben an ihn weiß ich,

Jesus, mein Erlöser, lebt.

Da ist Hoffnung

und eine Getragensein.

Da ist eine Nähe,

ein himmlisches Erleben,

das mich erlöst, mich rettet

und mich heute nicht und morgen nicht,

an keinem Tag meines Lebens untergehen lässt.


(12. Sonntag im Jahreskreis Lsj B – 15.06.2021 - © Christian Scheinost)