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Impuls

13. Sonntag im Jahreskreis

"Der Glaube an Gott

ist wie das Wagnis

des Schwimmens:

Man muss sich

dem Element

anvertrauen

und sehen,

ob es trägt."

(Hans Küng)


(Land’s End - westliches Ende des britischen Festlands
© Christian Scheinost)

"Frühmorgens ab sechs beginnt der Wahnsinn der Welt!" Schon ein flüchtiger Blick beim Frühstück in die Tageszeitung oder mit dem halben Ohr am Radio genügt, und wir sind mittendrin in einer krisengeschüttelten Welt. Gebannt und partiell hilflos schauen wir zu, wie eine Katastrophe und Unglück das andere ablöst. So manche Skandale verunsichern zutiefst, wie z. B. der Missbrauchsskandal in der Kirche oder so manche Plagiatsskandale. Die Folge ist, dass sich viele enttäuscht, resigniert von der Welt, dem Staat und der Gesellschaft und der Kirche zurückziehen. Vertrauen ist verspielt. Menschen beäugen sich misstrauisch, ein gelungenes Miteinander bleibt auf der Strecke. Es sind Sackgassenerfahrungen. Es geht nicht vorwärts, es geht nicht rückwärts. Der Mensch steckt fest. Solche menschlichen Sackgassenerfahrungen sind vielfältig: Eine Beziehung, eine Partnerschaft ist in einer Sackgasse, die Partner haben sich nichts mehr zu sagen, es geht nichts mehr weiter, das Leben ist eine Qual. Oder: Ständig in einer Haltung des Gebens zu leben, "Hamster im Rad zu sein" lässt ausbrennen bis zur persönlichen Erschöpfung, ohne Kraft für sich einen Neubeginn zu erkennen. Krankheiten, die unheilbar sind, lassen Menschen resignieren, hoffnungslos ihr Leben fristen.

Der innere Grund, der Hintergrund ist oft, dass Menschen nicht das tun, was sie wollen, sondern das, was von ihnen erwartet wird. Den Weg des geringsten
Widerstandes folgen sie und entfernen sich von sich selber und werden gelebt.

Wenn Menschen sich in Sackgassen befinden, sehen sie oft keinen Ausweg und doch gibt es ihn. Wie wir wissen, ist bei einer Sackgasse der Eingang zugleich auch der Ausgang. Es braucht also eine innere und äußere Bewegung. Es braucht die Einsicht, die Stärke, den Mut, den eigenen Willen, die Blickrichtung zu verändern. Wie kann das geschehen?

Erinnern wir uns dazu an unsere Kindheit oder die Schulzeit, die Erwachsenenzeit, an Menschen, die uns getragen haben, zur Seite standen. Erinnern wir uns, spüren wir dieses menschliche Vertrauen, das wir geschenkt bekommen haben und das uns half voranzugehen, auch mit Rückschlägen, das Leben als gelungen zu erfahren.

Im Lukasevangelium steht der Satz "der Glaube versetzt Berge". Der Glaube an Gott, der sich mir persönlich, freundschaftlich zuwendet ist eine Quelle des Vertrauens, das mir Kraft gibt.

Um diese Kraft geht es dem Evangelisten Markus, denn er sieht die Christinnen und Christen der jungen Kirche, die mutlos sind, ausgebrannt und resignieren in den Verfolgungen. Sie fühlen sich nicht fähig, nicht ausgebildet den Glauben zu verkünden wie die Apostel. Markus lässt sie in einen Spiegel schauen mit dem Schicksal der beiden Personen in der Heilungsgeschichte des Evangeliums an diesem Sonntag: Die blutflüssige Frau, die als unreine Frau sozial ausgeschlossen einsam ihr Leben fristet und dem jungen Mädchen, das nicht mehr am Leben teilnehmen will, das Essen verweigert und schon wie tot lebt. Das Vertrauen und Einlassen auf Jesus verändert ihr Leben, macht sie stark, Wege zu beschreiten, die sie sich davor nicht, nie zugetraut haben.

Markus will seiner Gemeinde und uns ermutigen zu glauben, auf Gott zu vertrauen und so Hoffnung und Stärke zu erfahren, die das Leben bewusst gelingen lassen.

  • Lesen der Bibelstelle Mk 5,21-29.35b-43

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    21 Jesus fuhr wieder ans andere Ufer hinüber
    und eine große Menschenmenge versammelte sich um ihn.
    Während er noch am See war,

    22 kam einer der Synagogenvorsteher namens Jaïrus zu ihm.
    Als er Jesus sah, fiel er ihm zu Füßen

    23 und flehte ihn um Hilfe an;
    er sagte: Meine Tochter liegt im Sterben.
    Komm und leg ihr die Hände auf, damit sie geheilt wird und am Leben bleibt!

    24 Da ging Jesus mit ihm. Viele Menschen folgten ihm und drängten sich um ihn.

    25 Darunter war eine Frau, die schon zwölf Jahre an Blutfluss litt.

    26 Sie war von vielen Ärzten behandelt worden und hatte dabei sehr zu leiden;
    ihr ganzes Vermögen hatte sie ausgegeben, aber es hatte ihr nichts genutzt,
    sondern ihr Zustand war immer schlimmer geworden.

    27 Sie hatte von Jesus gehört.
    Nun drängte sie sich in der Menge von hinten heran und berührte sein Gewand.

    28 Denn sie sagte sich: Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt.

    29 Und sofort versiegte die Quelle des Blutes
    und sie spürte in ihrem Leib, dass sie von ihrem Leiden geheilt war.


    35b Unterwegs kamen Leute, die zum Haus des Synagogenvorstehers gehörten,
    und sagten zu Jaírus:
    Deine Tochter ist gestorben. Warum bemühst du den Meister noch länger?

    36 Jesus, der diese Worte gehört hatte, sagte zu dem Synagogenvorsteher:
    Fürchte dich nicht! Glaube nur!

    37 Und er ließ keinen mitkommen
    außer Petrus, Jakobus und Johannes, den Bruder des Jakobus.

    38 Sie gingen zum Haus des Synagogenvorstehers.
    Als Jesus den Tumult sah und wie sie heftig weinten und klagten,

    39 trat er ein und sagte zu ihnen:
    Warum schreit und weint ihr? Das Kind ist nicht gestorben, es schläft nur.

    40 Da lachten sie ihn aus.
    Er aber warf alle hinaus
    und nahm den Vater des Kindes und die Mutter und die, die mit ihm waren,
    und ging in den Raum, in dem das Kind lag.

    41 Er fasste das Kind an der Hand und sagte zu ihm: Talita kum!,
    das heißt übersetzt: Mädchen, ich sage dir, steh auf!

    42 Sofort stand das Mädchen auf und ging umher. Es war zwölf Jahre alt.
    Die Leute waren ganz fassungslos vor Entsetzen.

    43 Doch er schärfte ihnen ein, niemand dürfe etwas davon erfahren;
    dann sagte er, man solle dem Mädchen etwas zu essen geben.

Gebetsvorschlag

Gott, Freund an meiner Seite,
manchmal ist mir alles viel zu viel,
und dieses mein Leben in der großen und kleinen Welt
so anstrengend, kompliziert, begrenzt, unglücklich.
Deswegen will ich deine Hand spüren, die mir Heilung schenkt,
deinen Ruf hören, der mich aufstehen heißt,
deine Kraft fühlen, die mich leben lässt.
Ich will mich von dir bewegen und bestärken lassen.
Schenke mir einen Glauben, der dir bedingungslos vertraut,
und lass mich erfahren, dass ich niemals untergehen werde,
weil du dieses Leben mit mir wagst.
Amen.

Meditation

KIRCHE

ist

eine Gemeinschaft

von Menschen,

die sich getragen und gehalten wissen,

geliebt und geborgen in Gott,

zum Leben bestimmt.


KIRCHE

ist

eine Gemeinschaft

von Menschen,

die Gott bedingungslos vertrauen,

an ihn glauben

und so hoffnungsvoll die Tode der Welt

in Leben verwandeln können.
 

KIRCHE,

das sind wir,

in unserer Pfarreiengemeinschaft

und auf der ganzen Welt,

Menschen,

die als Partner und Freunde

das Leben in Freud‘ und Leid einander teilen

und erfülltes Leben spürbar machen.


KIRCHE

ist erfüllt von Hoffnung und Stärke,

die das Leben bewusst glücken lassen.


(13. Sonntag im Jahreskreis – 25.06.2021 - © Christian Scheinost)