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Impuls

14. Sonntag im Jahreskreis

"Ich will nicht

mutlos werden,

denn der Herr

ist an meiner Seite!"

(Ps 16,9)


(Niedermünsterkirche, Regensburg
© Christian Scheinost)

"Kritik will geübt sein." So sagt es der deutsche Philosoph und Schriftsteller Manfred Hinrich.

Besonders im beruflichen Umfeld ist Kritik sehr verbreitet. Kritik kann sowohl konstruktiv als auch destruktiv ausfallen. Letzteres bedeutet, dass die Kritik nicht objektiv motiviert ist und vor allem unsachlich vorgetragen wird. Da geht es weniger darum, kleine Schwachstellen aufzudecken und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie diese verbessert werden können, sondern vor allem darum, sein Gegenüber zu denunzieren oder gar zu beleidigen. Da geht es darum, den anderen fertig zu machen, ihn als einen "Unmenschen" hinzustellen, als einen, der im Unrecht ist. Konstruktive Kritik dagegen richtet den Blick nicht auf die Person, sondern auf ein menschliches Verhalten, auf Schwachstellen, die es zu verbessern gilt. Dabei ist immer sehr wichtig mitzudenken, dass Kritik stets eine Momentaufnahme dessen ist, der kritisiert, eine Momentaufnahme, die Aufschluss gibt über die Denkweise des Kritikers, über seine Beurteilung des Lebens, über seine "Lebenswahrheit". Und seine Sicht kann sich ganz klar unterscheiden von der seines Gegenübers. In dieser Ambivalenz des Denkens und der Erfahrungen wird auch verständlich, warum die Antwort auf Kritik oft in ein rechtfertigendes Handeln mündet. Der Kritisierte will sich und seine Denkweise erklären.

Wichtig ist es zudem, dass der Mensch lernt, selbst unterscheiden zu können, um welche Art Kritik es sich jeweils handelt, denn viele Menschen haben ein großes Problem damit, selbst sachliche Kritik sinnvoll zu verwerten. Doch dies ist in zwischenmenschlichen Beziehungen durchaus wichtig und spielt auch im beruflichen Umfeld eine große Rolle.

Der Hl. Ignatius von Loyola hat einmal gesagt, dass ihm Lob guttun würde, aber Kritik bringt ihn weiter. Sicherlich wollen wir alle Anerkennung und Lob für unsere Arbeit, für unsere Lebensweise, die uns bestätigen, den für uns richtigen Weg eingeschlagen zu haben, und doch gehört Kritik auch dazu. Kritik ist - so möchte ich es ausdrücken - ein positives Feedback, um das eigene Verhalten zu überdenken, sich weiter- und fortentwickeln zu können.

Auch Jesus erfährt Kritik in seiner Heimat. Der Bibeltext Mk 6,1b-6 erzählt davon. Die Menschen können und "wollen" nicht verstehen, dass durch Jesus Gott spricht. Sie können es nicht ertragen, dass einer ihnen ihre Schwachstellen aufzeigt und sie einlädt, sich zu verändern. Ihre Reaktion ist Ablehnung, "Vernichtung", um sich nicht verändern zu müssen. Dahinter stehen sicherlich ähnliche Erfahrungen der christlichen Gemeinde, an die Markus sein Evangelium schreibt. Um zu verhindern, dass die Gemeindemitglieder sich resigniert zurückziehen und in Rechtfertigung ihr Leben fristen, zeigt Markus ihnen den Weg Jesu auf, wie er mit Kritik umgeht. Er hört zu, ist verwundert über ihren "Unglauben", aber er lässt sich nicht entmutigen, verunsichern und kämpft nicht um Anerkennung, um die Liebe seines Heimatortes, seiner Großfamilie. Markus will seine Gemeinde und uns ermutigen, auf Gott zu vertrauen, mit Wohlwollen Kritik zu hören. Und vielleicht gelingt es uns, sogar aus der Kritik die Stimme Gottes zu hören, um dadurch neue Impulse für unser Christsein zu gewinnen.

  • Lesen der Bibelstelle Mk 6,1b-6

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    1b Jesus kam in seine Heimatstadt; seine Jünger folgten ihm nach.

    2 Am Sabbat lehrte er in der Synagoge.
    Und die vielen Menschen, die ihm zuhörten, gerieten außer sich vor Staunen und sagten:
    Woher hat er das alles? Was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist!
    Und was sind das für Machttaten, die durch ihn geschehen?

    3 Ist das nicht der Zimmermann,
    der Sohn der Maria und der Bruder von Jakobus, Joses, Judas und Simon?
    Leben nicht seine Schwestern hier unter uns? Und sie nahmen Anstoß an ihm.

    4 Da sagte Jesus zu ihnen:
    Nirgends ist ein Prophet ohne Ansehen
    außer in seiner Heimat, bei seinen Verwandten und in seiner Familie.

    5 Und er konnte dort keine Machttat tun;
    nur einigen Kranken legte er die Hände auf und heilte sie.


    6 Und er wunderte sich über ihren Unglauben.
    Jesus zog durch die benachbarten Dörfer und lehrte. 

Gebetsvorschlag

Gott des Lebens,
dein Sohn Jesus Christus ist die Quelle der Kraft,
der Stärke und Zuversicht die alle Resignation überwindet.
Deswegen:
Lass uns stets neu anfangen, mutig im Leben vorangehen,
gerade dann, wenn alles scheinbar aussichtlos erscheint,
wenn sich konstruktive Kritik in destruktive Kritik verwandelt.
Mach uns offen und bereit dafür,
deine Stimme in unserem Leben zu hören.
Hilf uns zu verstehen, was dein Plan mit uns,
mit dieser Welt und dieser Kirche ist.
Sei uns nahe und gib uns allen,
Kraft und Verständnis füreinander,
auf dass dein Reich unter uns spürbar wird.
Amen.

Meditation

GOTT MACHT DICH STARK!

Er ruft dich, ihm zu folgen,

ihm hinterher zu gehen,

das Leben mit seinen Augen zu sehen,

mit seinem Herzen zu fühlen

und mit seinen Ohren zu hören,

seine Erfahrungen zu machen,

Ostern und Karfreitag zu erleben.


GOTT MACHT DICH STARK!

Du kannst dich einbringen,

Kritik hören und annehmen

und dein Leben mit seinen Schwachstellen

weiter- und fortentwickeln.


GOTT MACHT DICH STARK!

Du sollst sein Bote sein,

authentisch und glaubwürdig

von seiner Liebe reden,

seine Barmherzigkeit erspüren lassen,

seine vorurteilslose Gerechtigkeit erfahrbar machen.


GOTT MACHT DICH STARK!

Spüre IHN an deiner Seite

Und:

Stehe auf und lebe!


(14. Sonntag im Jahreskreis – 02.07.2021 - © Christian Scheinost)