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Impuls

16. Sonntag im Jahreskreis

"ZUHÖREN

ist die erste Stufe

der Zuneigung!"

(Alfred Rademacher, Aphoristiker)

(Basilika St. Jakob, Straubing:
"Engel der Verschwiegenheit"
© Christian Scheinost)

Der US-amerikanische Journalist, Erzieher, Goldgräber und Warenhausbesitzer Prentice Mulford sagte einmal: "… der gütige Wunsch eines einzigen Freundes, der dir durch zehn Minuten mit aufrichtigem Interesse zuhört, ist eine wirkliche lebendige, hilfreiche Macht …"

Erfahren Sie in ihrem Alltag, in Beruf, Familie und Partner- und Freundschaft diese lebendige Macht? Ist es nicht oftmals ganz anderes? Ein Überhören, ein "Falsch-Verstehen", auch Frust, Unverständnis? In den Debatten in der Weltpolitik wie im politischen Geschehen in unserem Deutschland habe ich zuweilen den Eindruck, dass das Zuhören da Fehlanzeige ist. Und wie ist es in der Kirche? Erfahren wir da ein Zuhören, fühlen wir uns verstanden von denen, die in der Seelsorge führen und leiten, und auf der anderen Seite von den Menschen, die mit uns glauben?

"Menschen, die sich verstanden fühlen, schöpfen Kraft aus sich selbst." So sagt es der deutsche Fußballerfolgstrainer Jürgen Klopp, und dies ist auch das Geheimnis seines Führungsstiles. Um Menschen wirklich verstehen zu können, sagt er, muss man ihnen zuhören können.

Und doch, ganz ehrlich, Hand aufs Herz: Wem hören wir eigentlich mehr zu, wenn uns jemand etwas mitteilt? Dem Gegenüber oder uns selber? Wie oft erwischen wir uns, dass wir mehr mit unseren zeitgleich ablaufenden inneren Kommentaren, Bewertungen, Urteilen, Schubladendenken beschäftigt sind, als dass wir uns wirklich auf das einlassen, was uns diese eine Person sagen will. Johann Wolfgang Goethe sagt dazu: "Es hört doch jeder nur, was er versteht." Genau da beginnen für mich die zwischenmenschlichen Probleme, die Konflikte.

Gelungene Gemeinschaft, in der einer den anderen, die anderen wahrnimmt, ernst nimmt, zuhört, vorurteilslos da ist, ist die Umschreibung dessen, was Jesus dieser Welt geben wollte als eine neue existentielle Sichtweise und Lebensweise. Denn der Mensch hat sich und diese Welt zum Nachteil entwickelt, seit Kain Abel erschlagen hat, weil er neidisch war auf ihn und innerlich sein Urteil gefällt hat und nicht hinhörte und hinsah, was wirklich war.

Der Evangelist nimmt in seiner Gemeinde ein Ungleichgewicht war: Da sind die einen, "die Aktiven", die praktizierenden Christen (bis heute), die es für gerechtfertigt halten, viel mehr von Jesus zu bekommen als die Masse, die mitläuft. Diese "Ersten" machen sich zum Nabel der Welt und der Kirche und mit ihrem elitären Verständnis machen sie sich zum Maß aller Dinge. Markus zeigt mit dem Text, der an diesem Sonntag als Evangelium gelesen wird (Mk 6,30-34), dass Jesus anders denkt und lebt. Alle sind für ihn gleich(wertig). Er ist offen für jeden Menschen in seiner unverwechselbaren Einzigartigkeit. Er nimmt jeden in seinem "Sosein" wahr und gibt ihm, was er braucht, indem er aufmerksam zuhört und zusieht.

Einer der bedeutendsten buddhistischen Lehrer unserer Zeit Thich Nhat Hanh sagt: "Nur tiefes Zuhören und mitfühlende Kommunikation können die falschen Wahrnehmungen abbauen, die die Wurzel aller Konflikte und Gewalt sind."

Dazu lädt uns dieses Evangelium ein, wie Jesus eine gute Hirtin, ein guter Hirt zu werden, zu sein für eine Welt, die nach Gott schmeckt, riecht und aussieht.

  • Lesen der Bibelstelle Mk 6,30-34

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    30 Die Apostel versammelten sich wieder bei Jesus
    und berichteten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten.

    31 Da sagte er zu ihnen:
    Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus!
    Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen,
    so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen.

    32 Sie fuhren also mit dem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein.

    33 Aber man sah sie abfahren und viele erfuhren davon;
    sie liefen zu Fuß aus allen Städten dorthin und kamen noch vor ihnen an.

    34 Als er ausstieg, sah er die vielen Menschen und hatte Mitleid mit ihnen;
    denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben.
    Und er lehrte sie lange.

Gott, der DU uns Menschen zuhörst,
   mit uns fühlst, leidest und lebst,
wir erfahren das Leben in der menschlichen Gemeinschaft
   zuweilen als unglücklich, hart, nicht gelungen.
Die Menschheit hat den Kurs auf Wegwerfgesellschaft gesetzt,
   das Weghören steht vor einem Zuhören,
   das Beurteilen vor der Wahrnehmung.
In Jesus willst du uns eine neue Lebensperspektive schenken,
das Leben als gelungen, bewusst geglückt zu erfahren.
Lehre uns seinen Lebensweg zu gehen.
Mache uns aufmerksam für dich und füreinander,
indem wir aufeinander hören, einander wahrnehmen,
und so das Leben nach dir Gott schmecken und riechen lassen.
Amen.

Gott hört dich.

ER hört dir zu.

Bei Ihm bist du keine Nummer,

sondern sein einzigartiger Gedanke.


Gott sieht dich.

ER weiß, was du brauchst.

Bei Ihm bist du, so wie du bist,

angenommen und bejaht.


Gottes Herz schlägt für dich.

ER trägt dich durchs Leben.

Nichts trennt dich von seiner Liebe,

die ausgegossen ist in dein Herz.


Gott ist ein guter Hirt, eine gute Hirtin.

ER führt dich auf die gute Weide,

tränkt dich am frischen Wasser.

ER nimmt dich auf seine Schultern,

beim ihm findest du gelungenes Leben.


Gott verwandelt dein Leben,

ER macht

   das Dunkle hell,

   das Hoffnungslose hoffnungsvoll,

   das Traurige freudenreich,

   das Beengte weit,

   und den Tod verwandelt ER in Leben.


Und DU?


Sei Hirte, Hirtin

und verändere das Leben,

lass es schmecken und riechen nach GOTT!


(16. Sonntag im Jahreskreis – 15.07.2021- © Christian Scheinost)