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Impuls

17. Sonntag im Jahreskreis

Bedingungslose

positive Zuwendung

ist das BROT,

das nach Ewigkeit

schmeckt

und Leben in Fülle

schenkt!

(Lauenburg an der Elbe,
Ausschnitt einer Bronzefigur "Nixe"
© Christian Scheinost)

Mittwoch, 14. Juli 2021: "Tief Bernd" beschert besonders dem Westen Deutschlands Dauerregen. In manchen Regionen fällt an einem Tag so viel Regen vom Himmel wie sonst im ganzen Juli. Kleine Bäche, wie die Ahr oder die Erft verwandeln sich in reißende Fluten, die alles davonschwemmen. Zurück bleibt eine "Mondlandschaft", ganze Landstriche sind verwüstet, Häuser weggespült, Infrastrukturen zerstört, dutzende Tote und Verletzte, andere werden bis heute vermisst. Die Hilfsbereitschaft durch Hilfsorganisationen, Feuerwehr, DRK, Rettungsdienste und viele Privatpersonen ist enorm. Zugleich entsteht durch diese plötzlich einsetzende, psychische oder körperliche Situation bei Helfern und Betroffenen eine traumatische Belastungssituation, Körper und Seele reagieren mit grenzenloser Hilflosigkeit. Es braucht Ansprache und Beistand, ein einfaches DA-Sein und die Aufmerksamkeit für die betroffenen Personen und auch die Einsatzkräfte. Es braucht Koordination der Hilfe, die Aktivierung des sozialen Umfeldes, religiöse Betreuung. All das leistet die "Notfallseelsorge", haupt- und ehrenamtliche Seelsorger und Seelsorgerinnen, Frauen und Männer, die helfen, den "akuten Schockzustand" zu überwinden und mit "langen Atem" Wege zur persönlichen "Trauma-Bewältigung" zu bahnen.

Solche Menschen sind wie Brot. Brot ist in fast allen Kulturkreisen ein Grundnahrungsmittel. Und so steht es – im übertragenen Sinn – für all das, was der Mensch zum Leben unbedingt braucht.

Lebensnot-wendend ist das Brot in den verschiedenen Sorten, das wir beim Bäcker oder Discounter kaufen können, ebenso das "Hab‘ und Gut" und vor allem menschliche Beziehungen, erfüllt von Liebe und Wertschätzung. Brot für das Leben des Menschen bedeutet zudem, einen Lebenssinn zu finden, Vertrauen und Glauben zu haben. Wer kein Brot hat, der kann nicht leben.

Mit dem Evangelium dieses Sonntages (Joh 6,1-15) richtet der Evangelist Johannes den Blick auf Jesus, den Sohn Gottes, der das Brot vermehrt und so den Menschen sein Wesen erfahrbar machen will. Das Johannesevangelium entstand am Ende des ersten Jahrhunderts und im Hintergrund steht eine konfliktreiche Auseinandersetzung mit dem Judentum, das die spirituelle Wesensart, Jesus als den Messias, den Sohn Gottes nicht denken können, ja grundsätzlich ablehnen. Um in diesem Konflikt glaubwürdig bestehen zu können, will Johannes seine Gemeinde "schulen", ihren Glauben festigen, vertiefen, und diesen in Werken der Liebe verkünden.

Auf der einen Seite steht Jesus, der aus der Kraft Gottes heraus handelt, in Stille sich mit ihm verbindet und zeigt: Gottes Erbarmen ist unermesslich, er schafft einen Raum für Wachstum und lässt keinen verloren gehen. Im Bild des Jungens, der seine Tagesessensration, zwei Brote und fünf Fische, herschenkt, will Johannes deutlich machen, was jeder einzelne Christ in Krisenzeiten einbringen kann: Die Gewissheit wachhalten und bezeugen, das Gott jedes noch so kleine Geschenk zum Anfang eines neuen Aufbruchs, ja einen neuen Lebens machen kann.

Auf der anderen Seite gibt es auch eine innerweltliche Erklärung des Brotvermehrungswunder: Die Menschen hätten genug Brot dabeigehabt, aber erst Jesus gelang es, sie zum Teilen zu animieren.

Dieser Text fordert auch uns an diesem Sonntag heraus, Brot zu werden und zu sein: Die Not wahrzunehmen, sich einzusetzen, dass Menschen Wohnung bekommen unter uns, Geld zu spenden oder auch tatkräftig beim Aufräumen zu helfen. Es braucht unser Zuhören, unser Dasein, ein Spürenlassen, wir lassen einander nicht allein. Sei Brot für das Leben der Vielen in dieser Welt.

  • Lesen der Bibelstelle Joh 6,1-15

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    1 Danach ging Jesus an das andere Ufer des Sees von Galiläa,
    der auch See von Tiberias heißt.

    2 Eine große Menschenmenge folgte ihm,
    weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat.

    3 Jesus stieg auf den Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern nieder.

    4 Das Pascha, das Fest der Juden, war nahe.

    5 Als Jesus aufblickte und sah, dass so viele Menschen zu ihm kamen, fragte er Philippus:
    Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben?

    6 Das sagte er aber nur, um ihn auf die Probe zu stellen;
    denn er selbst wusste, was er tun wollte.

    7 Philippus antwortete ihm:
    Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus,
    wenn jeder von ihnen auch nur ein kleines Stück bekommen soll.

    8 Einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, sagte zu ihm:

    9 Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische;
    doch was ist das für so viele?

    10 Jesus sagte:
    Lasst die Leute sich setzen!
    Es gab dort nämlich viel Gras.
    Da setzten sie sich; es waren etwa fünftausend Männer.

    11 Dann nahm Jesus die Brote, sprach das Dankgebet
    und teilte an die Leute aus, so viel sie wollten;
    ebenso machte er es mit den Fischen.

    12 Als die Menge satt geworden war, sagte er zu seinen Jüngern:
    Sammelt die übrig gebliebenen Brocken, damit nichts verdirbt!

    13 Sie sammelten und füllten zwölf Körbe mit den Brocken,
    die von den fünf Gerstenbroten nach dem Essen übrig waren.

    14 Als die Menschen das Zeichen sahen, das er getan hatte, sagten sie:
    Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll.

    15 Da erkannte Jesus, dass sie kommen würden,
    um ihn in ihre Gewalt zu bringen und zum König zu machen.
    Daher zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein. 

Gebetsvorschlag

Jesus Christus,
du bist die Kraft, die in uns das Leben schafft,
du bist das Brot, das Leben in Fülle schenkt.
Öffne unsere Ohren, damit wir uns durch dein Wort berühren lassen.
Öffne unsere Augen, damit wir die Nöte unserer Mitmenschen sehen.
Öffne unseren Mund, damit wir einander Gutes zusprechen.
Öffne unser Herz, damit wir beginnen, gerecht und friedfertig zu leben.
Mache uns zu Menschen, die wie Brot sind und nach Gott riechen
und so die kleine und große Welt verändern können,
ihr den Geschmack von Liebenswürdigkeit und Vertrauen,
von Glauben, der Berge versetzen kann, verleihen.
Amen.

Meditation

HERR, DU BIST BROT,

das nach Hoffnung schmeckt

und Hoffnung gibt.

Denn:

Du bist an meiner Seite,

Du hörst mir zu,

Du bist für mich da,

und Du gibst mich niemals verloren.


HERR, DU BIST BROT,

das nach Liebe riecht

und Liebe schenkt.

Denn:

Du gibst dein Leben hin,

damit ich lebe, ewig leben kann.

Du schenkst mir Ansehen,

in deiner Nähe bin ich zuhause.


HERR, DU BIST BROT

für mich und Dich,

für uns alle.


Und:
 

DU lädst auch mich ein,

BROT ZU SEIN,

Hoffnung zu geben,

Liebe zu schenken,

DICH durch mich erfahrbar zu machen

und die Welt deinen Atem atmen zu lassen.


(17. Sonntag im Jahreskreis – 22.07.2021- © Christian Scheinost)