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Impuls

18. Sonntag im Jahreskreis

„Die stärksten Brücken

werden aus Steinen

gefallener Mauern

gebaut.“

(Andreas Tenzer)
 

(älteste erhaltende Brücke Deutschlands:
Steinerne Brücke in Regensburg

© Christian Scheinost)

Ein geflügeltes Wort in unserem Leben besagt: "Der Mensch ist ein Gewohnheitstier" und der Existenzphilosoph Friedrich Nietzsche führt dazu aus: "Gewohnheiten sind die Fingerabdrücke des Charakters."

Eine Gewohnheit ist etwas, das wir jeden Tag tun, wie z. B. die Morgengymnastik, das Zähneputzen, das Essen um 12 Uhr, der Mittagsschlaf u. ä.

In der Psychologie definieren wir eine Gewohnheit als eine Handlung, die wir in ähnlichen Situationen immer wieder nahezu automatisch abrufen. Wir fliegen, sozusagen, auf Autopilot. Laut wissenschaftlichen Studien werden 30% - 50% unseres alltäglichen Handelns in Staat, Gesellschaft, Kirche, in Beruf und Familie davon bestimmt.

Gewohnheiten schaffen Stabilität und Sicherheit, jedoch sie können auch zur Last werden, dann wenn Ungewohntes, Neues Menschen trifft, sie herausfordert sich weiterzuentwickeln, weiterzudenken. Das Neue, das Ungewohnte, Fremde führt dann leicht zu einem Nichtverstehen, zu Missverständnissen, die ihrerseits die Gefahr in sich bergen, das Gegenüber einzuordnen, zu beurteilten und einen Schuldigen für die eigene Misere auszumachen, um sich nicht selbst hinterfragen zu müssen.

Eine mögliche staatlich verordnete Impflicht, die eine "freiheitliche demokratische Gewohnheit" scheinbar durchkreuzt, wird von manchen Parteien und Impfgegnern abgelehnt. Der Schuldige ist schon gefunden, eine unfähige Bundesregierung mit einem mangelhaften Coronakrisenmanangement. Ein Hinterfragen der eigenen Situation, dass Impfen auch ein Akt der Solidarität sein kann: Fehlanzeige.

Oder: Die Umstrukturierung unseres Bistums, der Rückgang von kirchlichem Personal, das Ausbleiben von Gläubigen, oder auch Veränderungen im pfarrlichen Leben im Blick auf Taufe bis hin zur Beerdigung: Die Schuldigen sind gefunden - die nicht reformfähige Kirche, das unfähige Bistum und natürlich die Pfarrer. Reflektion, ein Hinterfragen der jeweils eigenen Gewohnheiten, ist nicht gewollt.

Im Hintergrund des Evangeliums an diesem Sonntag steht auch die Thematik eines "Nichtverstehens", auf Gewohntes trifft Neues, Andersartiges. Auf der einen Seite, die "Menge", die weiter von Jesus "Brot und Fisch" haben will und auf der anderen Seite Jesus, der versucht, dieses Speisungswunder auf seine Person hin, auf den Glauben hin zu deuten. Beide sprechen nicht die gleiche Sprache, eine Sprache, die es ermöglicht, eine Brücke zu bauen zwischen Gewohntem und Neuem. Dazu kommt, dass sie sich schwer tun, aufeinander zu hören bzw. einander zuzuhören.

Johannes spiegelt in diesem Text die Situation seiner Gemeinde am Ende des ersten Jahrhunderts wider, die in großer Spannung zum Judentum steht. Eine konstruktive Auseinandersetzung scheint unmöglich zu sein.

Johannes will nun mit diesem Text einladen, nicht nur sich und seine Überzeugung, seine guten Gewohnheiten zu sehen und zu leben, sondern offen zu sein für Neues. Er lädt ein, offen für das Neue zu sein, das mit Jesus in die Welt gekommen ist, eine Hoffnung, die das Leben satt macht, glücklich, zufrieden. Um dies zu erahnen, zu begreifen braucht es Zeit, andere Wege des Umgangs und des Dialogs miteinander zu finden.

Glauben und Leben bedeuten stets Veränderung. Johannes will seiner Gemeinde damals und uns heute Mut machen, im Vertrauen auf Gott Brücken zueinander zu bauen und das Leben gelingen zu lassen.

  • Lesen der Bibelstelle Joh 6,24-35

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    24 Als nun das Volk sah, dass Jesus nicht da war und seine Jünger auch nicht,
    stiegen sie in die Boote und kamen nach Kapernaum und suchten Jesus.

    25 Und als sie ihn fanden am andern Ufer des Meeres, fragten sie ihn:
    Rabbi, wann bist du hergekommen?

    26 Jesus antwortete ihnen und sprach:
    Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt,
    sondern weil ihr von dem Brot gegessen habt und satt geworden seid.

    27 Müht euch nicht um Speise, die vergänglich ist,
    sondern um Speise, die da bleibt zum ewigen Leben.
    Die wird euch der Menschensohn geben; denn auf ihm ist das Siegel Gottes des Vaters.

    28 Da fragten sie ihn: Was sollen wir tun, dass wir Gottes Werke wirken?

    29 Jesus antwortete und sprach zu ihnen:
    Das ist Gottes Werk, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.

    30 Da sprachen sie zu ihm:
    Was tust du für ein Zeichen, auf dass wir sehen und dir glauben? Was wirkst du?

    31 Unsre Väter haben Manna gegessen in der Wüste, wie geschrieben steht (Ps 78,24):
    "Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen."

    32 Da sprach Jesus zu ihnen:
    Wahrlich, wahrlich, ich sage euch:
    Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben,
    sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel.

    33 Denn dies ist das Brot Gottes, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben.

    34 Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allezeit solches Brot.

    35 Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens.
    Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern;
    und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.

     

Gebetsvorschlag

DU, Gott des gelungenen Lebens,
wir sind unterwegs,
jede und jeder aus einem anderen Ort kommend,
mit ihrer und seiner je eigenen Geschichte,
auf verschiedenen Wegen,
mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten –
und doch auf ein Ziel hin.
Sei du bei uns, führe und begleite uns.
Hilf uns, auf dem Weg Brücken zu bauen,
zwischen dem Gewohnten und dem Ungewohnten,
zwischen dem Alten und Neuen,
damit wir als eine Gemeinschaft unterwegs bleiben,
die einander achtet, tröstet und annimmt und so das Leben gelingen lässt.
Amen.

Meditation

Die Brücke

zwischen

dem Gewohnten und Ungewohnten,

dem Bewährten und dem noch nicht Bewährten,

dem Bisherigen und dem Neuen

verbindet Menschen,

in einem Voneinander-lernen,

für ein Füreinander-da-sein.


Die Brücke

zwischen Menschen

ist,

die gleiche Sprache zu sprechen,

in einem Einander-zuhören

Einander-verstehen zu lernen.


Die Brücke

zwischen Erde und Himmel,

zwischen Mensch und Gott

ist

das Brot des Lebens,

das den Hunger stillt

und den Durst löscht

nach gelungenem Leben in Fülle.


Dieses Brot

ist Jesus,

   dein Bruder,

   dein Erlöser,

   der lebt, damit auch Du lebst

   und in Ewigkeit leben wirst.
 

(18. Sonntag im Jahreskreis – 28.07.2021- © Christian Scheinost)