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Impuls zum 2. Adventssonntag

„ADVENT

ist zunächst WARTEN,

ERWARTEN.

Das heißt,

Tag für Tag in sich

das Maranatha,

das >Komm, Herr<,

aufsteigen lassen.“

(Frère Roger Schutz)


(Bild: Sonnenuntergang Schmerlenbach/Aschaffenburg
© Christian Scheinost)

"Wer warten kann, hat viel mehr Zeit." So sagt es die 1948 in Höhr-Grenzhausen geborene dt. Lyrikerin und Aphoristikerin Anke Maggauer-Kirsche. Warten ist für sie eine geschenkte Zeit, andere demonstrieren damit ihre Macht, für die meisten ist Warten jedoch etwas, was scheinbar schwer zu ertragen ist.

Der Mensch ist ein "Homo expectans", ein wartender Mensch: Er wartet auf eine kleine Info oder auf die große Liebe, auf das Ende einer langweiligen Veranstaltung oder auf die große Karriere. Aktuell warten wir alle auf bessere Zeiten, auf einen sicheren Impfstoff gegen das Virus Covid19, der die Pandemie beendet und uns in die "gewohnte, normale Zeit" zurückführt.

Menschen warten viel in ihrem Leben, auf alles Mögliche, den Frieden und die Gesundheit, aber auch ganz banal auf Dienstleistungen auf Ämtern, in der Bank, beim Arzt oder an der Supermarktkasse …

In diesen vielen unterschiedlichen "Wartesituationen" wird mir, wenn ich mich selbst und die Menschen so beobachte, zunehmend bewusst, dass wir in der Gefahr stehen, das Warten zu verlernen. Im Zeitalter von Facebook und Twitter, von WhatsApp und Instagramm ist das Handy, das Smartphone für nicht wenige ein unverzichtbarer Begleiter geworden, das vom Warten "dankbar" ablenkt. Kommunikation untereinander im Bus, in der Bahn: Fehlanzeige. Oder nur mal nichts tun, in die Luft schauen, in Geduld ausharren, das scheint keine menschlich angestrebte Haltung zu sein.

Auf was warten wir als Christinnen und Christen?

Auf ein Weihnachtsfest in gewohnter Weise? Auf eine Bistumsreform, die alles beim "Alten" lässt und uns die "gute alte Zeit" wiederbringt? Warten Sie noch auf die Wiederkunft Christi? Ist es uns nicht lieber, er kommt nicht so schnell und lässt uns unser Leben und die Kirche so weiter gestalten, wie wir meinen, dass es gut ist, weil die Wiederkunft, die Erfahrung der Erlösung uns in eine ängstliche Stresssituation führt?

Der Evangelist Markus sagt mit dem Beginn seines Evangeliums wer Jesus Christus ist: Mit IHM beginnt eine - beginnt die neue Zeit: der Messias kommt, der Erlöser der Welt. Jesus, Gottes Sohn verändert uns, er löst uns heraus aus allen kleinen und großen Todeserfahrungen, schenkt Mut und Kraft im Leid und in scheinbar unüberwindlichen Schwierigkeiten, auch wenn er das Warum des Leides nicht beantwortet. Das ist eine Tröstung, keine "Vertröstung"! Markus will seiner Gemeinde damals und uns heute diese Frohe Botschaft verkünden.

Es braucht die Haltung des Wartens, der Umkehr und Buße, der Hinkehr zu Gott, einem Ausgestrecktsein nach IHM, um diese Botschaft zu begreifen, in sich Wirklichkeit werden zu lassen. Dazu ruft Johannes der Täufer auf. Und dabei ist es wichtig "Barrierefreiheit" herzustellen, dass Gott mich berühren kann und ich IHN.

Der Advent ist jedes Jahr eine Chance, unser Leben neu zu justieren, auf Christus auszurichten, die Prioritäten des Lebens neu auszutarieren, Wichtiges von den Lappalien zu unterscheiden. Frère Roger Schütz sagt dazu: "Advent ist zunächst Warten, Erwarten. Das heißt, Tag für Tag in sich das Maranatha, das >Komm, Herr<, aufsteigen lassen. Komm für die Menschen! Komm für uns alle! Komm für mich selbst!" Wir sind eingeladen uns Gott zu öffnen, damit er bei uns ankommt, uns berührt und wir das Leben in Fülle finden.

  • Lesen der Bibelstelle Mk 1,1-8

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    1 Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, Gottes Sohn.

    2 Wie geschrieben steht beim Propheten Jesaja -
    Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg bahnen wird.

    3 Stimme eines Rufers in der Wüste:
    Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen! - ,

    4 so trat Johannes der Täufer in der Wüste auf
    und verkündete eine Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden.

    5 Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus;
    sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen.

    6 Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren
    und einen ledernen Gürtel um seine Hüften
    und er lebte von Heuschrecken und wildem Honig.

    7 Er verkündete:
    Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich;
    ich bin es nicht wert, mich zu bücken und ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.

    8 Ich habe euch mit Wasser getauft,
    er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.

Gebetsvorschlag

Jesus Christus, Heiland und Erlöser,
          wir leben mitten im Advent,
          wir warten auf Deine Ankunft, die alles verändern wird.
Du kommst in die Welt, um uns zu erlösen,
den Himmel anbrechen zu lassen,
das Dunkle hell, das Kranke heil zu machen,
den Tod für immer zu vernichten.
Lass uns leben in der Haltung des Wartens,
          der Umkehr und Hinkehr zu Dir,
damit uns Dein Erlösungsgeschehen bewusst wird.
Schenke uns den Mut, Hindernisse aus dem Weg zu räumen,
          barrierefrei dir zu begegnen,
und Menschen zu werden, wie Du sie gewollt hast.
Amen.

Meditation

WARTEN

ist ein Wachsam sein,

achtsam für Gott,

der in meinem Leben ankommen will.


WARTEN

ist ein Ausgestreckt sein

nach dem Himmel, der Ewigkeit,

die mir verheißen ist.


WARTEN

ist ein in der Realität leben,

geduldig ausharren,

denn ich weiß Gott an meiner Seite.


WARTEN

ist ein Tanzen in den Tränen des Lebens,

hoffnungsvoll darauf vertrauend,

Gott verwandelt jeden Tod in Leben.


WARTEN

ist ein Erwartungsvoll sein,

mit Vorfreude lebend, zuversichtlich,

denn Erlösung ist und wird mir geschenkt.


WARTEN

ist ein in der Nachfolge leben,

wach, achtsam, erwartungsvoll tanzend

in der Realität den Himmel anbrechen lassen.


(2. Adventssonntag Lsj B – 02.12.2020 © Christian Scheinost)