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Impuls zum 2. Fastensonntag

Wer

die Kraft

seiner Flügel

kennt,

fürchtet

den Abgrund

nicht.

(Monika Kühn-Görg)


(Bild: An der Donau in Regensburg
© Christian Scheinost)

Sie haben vielleicht schon einmal die Karikatur in einer Zeitung gesehen: Ein Mann geht mit seiner Frau zum Optiker und holt sich seine Brille ab. Zuvor sah er alles verschwommen, auch seine Frau. Doch mit der Brille sieht er auf einmal alles in ungeahnter Schärfe, auch seine Frau. In der Karikatur gibt er die Brille dem Optiker zurück, weil ihm seine Frau unscharf besser gefiel. Wir können über diese Karikatur schmunzeln und doch uns alle auch fragen: "Unscharf sehen", selbst mit einer Brille! - Ist das nicht die Wirklichkeit unseres Lebens?

Es gibt immer zwei Arten, mit einer Situation umzugehen, die beide ihre Berechtigung haben. Der erste denkt sich: "Das geht eh nicht." und findet 1000 Gründe, wieso das so ist. Der andere denkt: "Was muss ich tun, damit es klappt?“ und entwickelt zahlreiche Ideen, wie er das Ziel doch erreichen kann. Einer sieht also nur Probleme, wo der andere nach Lösungen sucht. Diese zwei Arten sind Blickwinkel, wie Menschen ihre Welt wahrnehmen. Und was für den einen der schärfende Blick ist, ist für die andere unscharf, verschwommen. Und da es so viele Blickwinkel wie Menschen gibt, bleibt die Wirklichkeit an sich immer in der Unschärfe.

Sehen wir dazu auf die Situation der Corona-Pandemie: Was ist der richtige Weg aus dem Lockdown hin zur so genannten "Normalität"? Die Virologen, Politiker und Politikerinnen, die Wirtschaftsfachleute, die Gewerbetreibenden und das Volk haben ganz unterschiedliche Blickwinkel und das erschwert einen für alle gut gangbaren Weg. Oder sehen wir auf die Kirche: Im Umgang mit dem Missbrauch. Jedes Bistum scheint anders auf dem Weg zu sein und so bleibt die Wirklichkeit unscharf, für die Opfer teilweise undurchsichtig, unerträglich.

Der Wunsch so vieler Menschen in Kirche, Staat und Gesellschaft ist, scharf zu sehen. Wie finden sie zur richtigen Sehschärfe ihres Lebens?

Nun, es könnten allgemeingültige Gesetze erlassen und verordnet werden. Doch – wie das mit Verordnungen so ist – wenn die Menschen sie nicht verstehen, in ihr Leben nicht einordnen können, dann werden sie sie nicht einhalten. Es braucht also Verständnis und das entwickelt sich, wenn ich mich gesehen fühle, wenn ich Wertschätzung in meiner Lebenssituation erfahre, wenn ich Rückhalt erlebe.

Die Gemeinde des Markus ist auf dem Weg, Kirche zu werden, und muss sich auseinandersetzen mit den unterschiedlichen Strömungen, wie Glaube gelebt, praktiziert wird. Dazu fühlt sie sich auch bedroht, verfolgt, an den Rand gedrängt.

Mit der Geschichte der Verklärung will Markus den Christen und Christinnen Mut machen und sie stärken. Er will sie einladen, auf Jesus und seinen Lebensweg zu sehen: Mit der Klarheit, Gottes Sohn zu sein, sich von seinem Vater geliebt zu wissen, kann Jesus ohne Angst und in großer Freiheit, ohne Zögern und Zaudern hinabgehen in das Leid von Kreuz und menschlichem Unverständnis. Mit Gott ändert sich der Blickwinkel, selbst in der Unschärfe des Lebens eröffnet sich ein neuer Weg, ein neues Leben, im Tod entsteht das Leben neu.

In der Taufe ist uns allen auch zugesagt worden: Du bist mein geliebtes Kind. Auch wir können vertrauen, ohne Angst und in Freiheit die Unschärfe der Wirklichkeit zur Schärfe machen. Herzliche Einladung zu diesem Weg.

  • Lesen der Bibelstelle Mk 9,2-10

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    2 Sechs Tage danach nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes beiseite
    und führte sie auf einen hohen Berg, aber nur sie allein.
    Und er wurde vor ihnen verwandelt;

    3 seine Kleider wurden strahlend weiß,
    so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann.

    4 Da erschien ihnen Elija und mit ihm Mose und sie redeten mit Jesus.

    5 Petrus sagte zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind.
    Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija.

    6 Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte;
    denn sie waren vor Furcht ganz benommen.

    7 Da kam eine Wolke und überschattete sie
    und es erscholl eine Stimme aus der Wolke:
    Dieser ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.

    8 Als sie dann um sich blickten,
    sahen sie auf einmal niemanden mehr bei sich außer Jesus.


    9 Während sie den Berg hinabstiegen, gebot er ihnen,
    niemandem zu erzählen, was sie gesehen hatten,
    bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei.

    10 Dieses Wort beschäftigte sie
    und sie fragten einander, was das sei: von den Toten auferstehen. 

Gebetsvorschlag

Gott, Du Quelle gelungenen Lebens - Liebhaber des Lebens,
so manches hält uns in diesen Tagen gefangen,
    der anhaltende Lockdown in der Pandemie,
    Krieg und Gewalt in vielen Ländern, der Klimawandel,
    die Veränderungen in unserer Kirche.
Wir sehnen uns nach Hoffnungszeichen,
und wir brauchen Wegbegleiter,
die uns stärken in dem Vertrauen, dass unsere Welt veränderbar ist.
In der Verklärung auf dem Berg Tabor
zeigst du uns Jesus Christus, deinen geliebten Sohn.
Mit innerer Klarheit und Stärke gelingt sein Leben
und verleiht selbst den "Unschärfen des Lebens" Sinn.
Lehre uns, auf IHN zu hören und Seinen Weg zu gehen.
Amen.

Meditation

Gott ist mit dir!

Er liebt dich.

Er gibt dir Rückhalt,

Kraft und Stärke.

Damit kann

deine Dunkelheit hell werden,

deine Wunden können Heilung erfahren,

das Unausweichliche wird lebbar.


Gott ist mit dir!

In Seiner Liebe

kannst du die Angst loslassen

und in Freiheit das Leben gestalten.

Es beginnt etwas Neues,

ganz anders und doch so gewohnt.

Das Leben verklärt sich,

der Himmel bricht an,

in dir

und mit dir.


Gott ist mit dir!

Sich von IHM geliebt fühlen

verändert den Blickwinkel

und die Blickrichtung des Lebens,

von mir zu IHM hin,

der mich verwandelt

und mir den Himmel schenkt.


(2. Fastensonntag Lsj B – 24.02.2021 © Christian Scheinost)