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Impuls zum zweiten Ostersonntag

Vertrauen ist Mut,

und Treue ist Kraft.

(Marie von Ebner-Eschenbach)


(Bild: Sognefjord/Norwegen   
© Christian Scheinost)

"Vertrauen ist das Gefühl, einem Menschen sogar dann glauben zu können, wenn man weiß, dass man an seiner Stelle lügen würde." (Henry Louis Mencken).

Vertrauen ist eine Glaubenskraft, die selbst im Negativen das Positive findet und das Leben trotz allem gelingen lässt. Z.B. in der jetzt immer noch andauernden Corona Pandemie mit Lockdown und Ausgangsbeschränkungen sich zu vergewissern, mein Leben läuft, wenn auch anders ab, und doch lebe ich. Und es gibt ein Telefon, ein Handy und ein Internet, es gibt Gottesdienste und Einkaufsmöglichkeiten, wo ich Menschen begegnen kann. Begegnung ist möglich. Es braucht die Offenheit für das Andere, eine veränderte Lebenssituation.

Es gibt Persönlichkeitseigenschaften, die das Leben eben leichter machen. Eine ganz wichtige davon ist die Vertrauensbereitschaft – schließlich legt man ganz automatisch jeden Tag Verantwortung in die Hände Anderer: Beim Zusammenarbeiten im Job oder im Zusammenleben in Partnerschaft und Familie, im Ort, in der Kirche, in der Gesellschaft und im Staat. Vertrauen ist - so möchte ich es ausdrücken - der Schmierstoff, der ein Leben in Gemeinschaft ermöglicht. Menschen wünschen sich Vertrauen und doch ist es im realen Leben oft ganz anders. Das Klima ist geprägt vom eigenen, absolut gesehenen ICH, von Macht(spielchen), Konkurrenzdenken, Schuldzuweisungen oder mal mehr, mal weniger versteckten Anfeindungen. Misstrauen macht einsam, Kontrolle zerstört Gemeinschaft oder verändert sie zu einer Zweckgemeinschaft, in der der Einzelne mit Focus auf Leistung beurteilt und so sein Wert oder Unwert definiert wird. All das macht auf Dauer unzufrieden, denn es fehlt das menschlich Einzigartige, das jeder Mensch mitbringt.

Vertrauen ist glauben, sich einlassen auf einen Anderen, auf etwas Anderes: In diesem Prozess lasse ich los, zu beweisen, zu kontrollieren, zu besitzen. Das sind menschliche Eigenschaften, die seit Kindesbeinen an erlernt worden sind und als auf Dauer, auf Zukunft hin angelegte Sicherheit deklariert werden. Vertrauen und Glauben sind wie ein Fass ohne Boden, ein Trapez ohne Netz, ein Staat ohne Gesetze, eine Kirche ohne Gebote.

Auferstehung Jesus Christi wahrzunehmen, zu begreifen heißt Vertrauen und Glauben oder wie Johannes es ausdrückt "selig zu sein, beglückwünscht zu werden, Erlöste zu sein, weil sie glauben, ohne zu sehen". Und so werden in dieser Geschichte in der Erscheinung des Auferstandenen vor den Jüngern und Thomas, Fragestellungen der Gemeinde damals in Worte gefasst: Wie ist das denn mit Auferstehung? Wie kann ich sie denn begreifen? Was ist sie? Auch eine Angst wird benannt: Die Angst der Urgemeinde vor Verfolgung, Ausgrenzung und Hass durch andere und ein eher im Untergrund, hinter verschlossenen Türen, abgeriegelt von der "bösen Welt" zu leben. Die Antwort darauf ist: Vertrauen. Die Jünger lassen sich ansprechen von Jesus, sie lassen sich füllen von seinem Atem, von seiner Lebensfülle und spüren: Er ist da, er lebt. Und auch Thomas erlebt Auferstehung, indem er seine Blickrichtung und seine "Herzenseinstellung" verändert: Vom Beweisen zum Lieben, vom Kontrollieren zum Zulassen: Mein Herr und mein Gott ist sein Auferstehungszeugnis.

Du bist, Sie sind eingeladen, es Thomas und den Jüngern gleichzutun.

  • Lesen der Bibelstelle Joh 20,19-31

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    19 Am Abend dieses ersten Tages der Woche,
    als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren,
    kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!

    20 Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite.
    Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen.

    21 Jesus sagte noch einmal zu ihnen:
    Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

    22 Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen:
    Empfangt den Heiligen Geist!

    23 Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen;
    denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.


    24 Thomas, der Didymus genannt wurde, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.

    25 Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen.
    Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe
    und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel
    und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.

    26 Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt und Thomas war dabei.
    Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch!

    27 Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände!
    Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!

    28 Thomas antwortete und sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott!

    29 Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du.
    Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.


    30 Noch viele andere Zeichen hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan,
    die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind.

    31 Diese aber sind aufgeschrieben,
    damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes,
    und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.

Gebetsvorschlag

Lebensspendender Gott und Vater,
Ostern ist Leben gegen den Tod.
Aber dies zu glauben ohne absolute Sicherheit,
glauben, ohne zu sehen und ohne zu beweisen,
das fällt mir zuweilen auch schwer.
Vielleicht muss ich lernen, mein Leben als Weg zu begreifen,
der mich dem "selig" annähert, das du zu Thomas gesagt hast:
Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.
So mach stark mein Vertrauen in Dich, Gott,
der du mir barmherzig und liebevoll begegnest
und mich niemals verraten und betrügen wirst.
Lass mich deinem Sohn Jesus Christus immer neu
mit einem vertrauensvollen "Mein Herr und mein Gott" begegnen.
Amen.

Meditation

Ich glaube an die Auferstehung

und das Leben in der kommenden Welt.

Ich glaube an den Himmel,

den du mir, Gott, bereithältst.

Ich glaube daran,

eine Erlöste, ein Erlöster zu sein.


Ich vertraue dir, Gott,

dein Kreuzesopfer für mich

verwandelt

die Angst in Mut,

den Zweifel in überschwängliche Freude,

das Beweisenwollen in ein Lieben.


Ich vertraue dir, Gott.

Ich glaube an dich.

So wird aus einem kleinen Stück Brot

   ein Stück des Himmels,

   ein Stück Leib Christi

und ich bete staunend: "Mein Herr und mein Gott".


Ich vertraue dir, Gott.

Ich glaube.

Ich spüre eine Kraft und Zuversicht,

eine Stärke, Mut und Treue,

und das Leben gelingt.

Das ist Auferstehung

und ewiges Leben

hier und heute.


(2. Ostersonntag Lsj B – 2021 © Christian Scheinost)