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Impuls

21. Sonntag im Jahreskreis

"Die Welt braucht

keine leeren Worte,

sondern

ÜBERZEUGTE ZEUGEN,

die offen

für den Dialog

ohne Ausgrenzung

oder Manipulation sind."

(Papst Franziskus)


("Nikolausbildstock" im Chiemgau 
© Christian Scheinost)

 

"Es ist notwendig, dass wir einsehen: Das Christentum ist keine asketische, sondern eine therapeutische Religion." (Eugen Biser, Theologe und Religionsphilosoph)

Therapeutisch ist ein Begriff aus der Medizin und bezeichnet Maßnahmen, die dazu dienen, einen krankhaften Zustand zu heilen oder zu verbessern. Demzufolge ist das Christentum nach Bisers Auffassung dafür da, krankhafte Zustände zu heilen oder zu verbessern.

Welche Krankheiten sind in der Kirche zu finden?

2014 benannte Papst Franziskus 15 Krankheiten, die seiner Wahrnehmung nach in der Kurie vorherrschen. Dazugehören z.B. der "spirituelle Alzheimer", Menschen, die den Herrn vergessen haben und die völlig auf ihr Hier und Jetzt, ihre Leidenschaften, Launen und Manien angewiesen sind, oder die "existenzielle Schizophrenie", eine Krankheit jener, die ein Doppelleben führen. Ein Resultat der Scheinheiligkeit. Des Weiteren nannte er u.a. den "Terror des Geschwätzes", die Verehrung des Vorgesetzten und die Gleichgültigkeit gegenüber anderen.

Diese Krankheiten sind – so meine Wahrnehmung – jedoch nicht nur in der Kurie zu finden, sondern auch im Gottesvolk. Dazu kommen noch Krankheiten wie eine Glaubens- und Gotteskrise und, wie es der zu Anfang genannte Eugen Biser vor ein paar Jahren ausdrückte, eine von der Kirche selbst hervorgerufene "Glaubenslähmung". Er beklagt damit, dass die kirchliche Verkündigung in der Vergangenheit von einem Vertrauensglauben auf einen bloßen Bekenntnis- und Satzglauben abgesunken ist und seine spürbare "therapeutische", heilende, attraktive Kraft verloren habe.

Der zentrale Inhalt von Kirche in der Verkündigung Jesus Christus, der Mensch geworden ist für jeden Menschen guten Willens, damit er das Leben hat und dieses in Fülle hat nicht nur im Jenseits, sondern schon im Diesseits, scheint von immer weniger Menschen wahrgenommen zu werden. Die Gründe dafür sind vielfältig: von sexuellem und geistlichem Missbrauch, über die Betonung allein auf das Einhalten von Geboten wie Gottesdienstbesuch, bis hin zu einer fortschreitenden Säkularisierung. Die Synode in unserem Bistum hat darauf Antworten gefunden, wie im Synodendokument zu lesen ist: "Wir wollen entschieden an der Seite der Menschen stehen und bewusst von den Charismen leben, die der Herr uns in dieser Zeit schenkt," und wir sind überzeugt davon, dass wir einander im Glauben stärken können.

Einander stärken, einander Vertrauen schenken ist ein therapeutischer Akt, der hinweist auf die Kraft des Vertrauens, die der Glauben in sich trägt.

Dieses Vertrauen in Jesus Christus wollte auch Johannes in seinen Gemeinden betonen und dazu ermutigen. Seine Gemeinden befinden sich in einer Krise: Religiöse Einflüsse von außen, vermutlich auch soziale und wirtschaftliche Gründe bewegen Gemeindemitglieder, sich von den Gemeinden zu trennen und damit auch die Treue zu Jesus als dem exklusiven Offenbarer Gottes aufzugeben.

Mit der Frage Jesu: "Wollt auch ihr weggehen?" spiegelt er diese Situation wieder und lädt ein, mit Petrus zu sagen: "Du hast allein Worte, die Leben, gelungenes, geglücktes Leben geben!"

Lassen wir uns von Johannes einladen, den Weg des Vertrauens zu gehen, gegen jedwede Glaubenslähmung, und das Leben in Fülle zu finden.

  • Lesen der Bibelstelle Joh 6,60-69

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    60 Viele seiner Jünger, die ihm zuhörten, sagten:
    Diese Rede ist hart. Wer kann sie hören?

    61 Jesus erkannte, dass seine Jünger darüber murrten, und fragte sie:
    Daran nehmt ihr Anstoß?

    62 Was werdet ihr sagen, wenn ihr den Menschensohn aufsteigen seht,
    dorthin, wo er vorher war?

    63 Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts.
    Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben.

    64 Aber es gibt unter euch einige, die nicht glauben.
    Jesus wusste nämlich von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten,
    und wer ihn ausliefern würde.

    65 Und er sagte: Deshalb habe ich zu euch gesagt:
    Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist.

    66 Daraufhin zogen sich viele seiner Jünger zurück und gingen nicht mehr mit ihm umher.

    67 Da fragte Jesus die Zwölf:
    Wollt auch ihr weggehen?

    68 Simon Petrus antwortete ihm:
    Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.

    69 Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt:
    Du bist der Heilige Gottes.

Gebetsvorschlag

Gott, Vater aller Menschen,
auch wir fragen wie Petrus: "Zu wem sollen wir gehen?"
"Zu mir", sprichst du uns zu.
Denn aus dir hat dein Sohn Jesus ganz und gar gelebt,
in dir hat er Halt, Sinn, erfülltes Leben bekommen.
Mache uns zu wahrhaft freien und frohen Menschen,
mache uns zu deinen Botschafterinnen und Botschaftern,
die gelassen, mit Mut und Phantasie,
auch in den Widersprüchen und Unabwägbarkeiten dieser Zeit,
von dir unserem Gott,
von der Freude, die uns erfüllt,
von der Hoffnung, die uns trägt,
und von der Liebe, die wir in uns spüren erzählen.
Amen.

Meditation

Gott lädt dich ein zum Glauben,

zu vertrauen,

einander zu vertrauen

und IHM zu vertrauen.


Vertrauen ist anders

als Lehre und Wiedergabe von erlernten Wahrheiten.

Vertrauen ist eine himmlische Haltung,

   ein Nichtwissen,

   ein Lieben ohne Gegenleistung,

   Wertschätzung und Achtsamkeit.


Vertrauen

ist eine Arznei für die Seele,

eine therapeutische Kraft,

die dich heil macht für den Himmel,

damit das göttliche Licht durch dich in diese Welt scheint

und sie erhellt und erwärmt.


GOTT lädt dich ein

   zu mutigen Schritten,

      einen vertrauenden Glauben zu leben.


(21. Sonntag im Jahreskreis – 03.08.2021- © Christian Scheinost)