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Impuls

22. Sonntag im Jahreskreis

"Glauben zu haben

bedeutet,

CHRISTUS wirklich

in den MITTELPUNKT

unseres LEBENS

zu stellen."

(Papst Franziskus)


(Kreuz über dem Altar
im Dom zu Schwerin 
© Christian Scheinost)

 

"Vergiss nicht, man braucht nur wenig um ein glückliches Leben zu führen."  Im Gegensatz zu diesem Zitat von Marc Aurel, römischer Kaiser im 2. Jahrhundert, erleben und erfahren Menschen in diesen Tagen mit "wenig" ein "unglückliches Leben". Sehen wir nur auf die Gebiete an der Ahr, Enz und Kyll, in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, nach Haiti, in die Waldbrandgebiete in Südeuropa, überall dorthin, wo der Klimawandel menschliches Leben und Hab‘ und Gut zerstört hat, Menschen vor dem "Nichts" stehen. Oder nehmen wir wahr, wie zuweilen schwierig, kompliziert menschliches Miteinander geworden ist. Leid, Not, Verletzungen, Unfrieden, Unglaubwürdigkeit, Lügen sind oft die Folgen dafür, dass Menschen einander nicht trauen, einander nicht vertrauen können. Die eingeübten und gelebten, erlernten Konditionierungen, Normen, Regeln, Gebote, Gesetzmäßigkeiten werden in Gesellschaft, Staat und Kirche hinterfragt, verändert, erneuert. Im Jahr 2020 haben z. B. 440.000 Katholiken der Kirche den Rücken gekehrt und sind ausgetreten, im Jahr 2021 werden es noch mehr sein. Wir nehmen Unsicherheit wahr statt Sicherheit, Innovation weicht der Tradition. Individualismus und Egoismus weichen dem Gemeinschaftsgedanken, Leistung von immer weniger für immer mehr macht die Menschen körperlich kaputt. Unsere Welt ist - so könnte man es übertragen ausdrücken - kälter, beziehungsärmer geworden. Die Wartezimmer der Psychotherapeuten sind so gefüllt wie noch nie, ebenso die Wartelisten für Kuren und Therapien. Menschen erleben sich auf der Flucht vor sich, vor anderen, vor was auch immer und sie sehnen sich nach einem Zuhause einem Ort, wo ich mich wohl fühle, an dem ich Sicherheit, Geborgenheit, Liebe, Ruhe, Zufriedenheit, Anerkennung, Wertschätzung erfahre und Kraft für mein Leben im Alltag und Feiertag tanken kann.

Die Christinnen und Christen in der Gemeinde des Markus befinden sich in einer bedrohten Lebenssituation: Das "römische Reich" sieht sie als Staatsfeinde, die Juden als "Gotteslästerer". Sie sind verfolgt. Sie sehnen sich nach dem Reich, das Jesus verheißen hat. Sie sehnen sich danach, dass Christus wiederkommt und für sie streitet. Markus will sie mit seinem Evangelium darauf hindeuten, dass die Erlösung schon in ihnen ist. Paulus sagt dazu: "Gott wohnt in euch", ihr seid in und aus "Gott". Es braucht eine jesuanische Haltung, eine Innerlichkeit, die "das bedrohte Zuhause" zu einem Lebensort, zur Heimat macht. Dabei sind Gebote wichtig und wertvoll, eine Vertiefung der Lehre, aber ohne die jesuanische innere Haltung sind sie reiner Formalismus.

In diesem Sinn ist Kirche für mich nicht abhängig vom Kirchenbau vom Gebäude, von den Gesetzmäßigkeiten als vielmehr von denen, die darin miteinander leben und glauben. Sicher sind diese Äußerlichkeiten wichtige Zeichen für uns, aber allein sie führen nicht zum Heil. Mit wenig Worten und Geboten, jedoch überzeugend, begeisternd und bedingungslos liebend, so werden Menschen zum Glauben finden und in ihm leben wollen.

Nehmen wir dies mit für unseren Alltag, einander zu berühren, einander anzunehmen, ein hörendes Herz voll Güte und Toleranz und der Achtung der Einmaligkeit und der einzigartigen Würde eines jeden zu haben. Spüren wir, dass das gut tut, spüren wir ein Stück Zuhause, ein Stück Himmel auf Erden.

  • Lesen der Bibelstelle Mk 7,1-8.14-15.21-23

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    1 Die Pharisäer und einige Schriftgelehrte,
    die aus Jerusalem gekommen waren, versammelten sich bei Jesus.

    2 Sie sahen, dass einige seiner Jünger ihr Brot mit unreinen,
    das heißt mit ungewaschenen Händen aßen.

    3 Die Pharisäer essen nämlich wie alle Juden nur,
    wenn sie vorher mit einer Handvoll Wasser die Hände gewaschen haben;
    so halten sie an der Überlieferung der Alten fest.

    4 Auch wenn sie vom Markt kommen, essen sie nicht, ohne sich vorher zu waschen.
    Noch viele andere überlieferte Vorschriften halten sie ein,
    wie das Abspülen von Bechern, Krügen und Kesseln.

    5 Die Pharisäer und die Schriftgelehrten fragten ihn also:
    Warum halten sich deine Jünger nicht an die Überlieferung der Alten,
    sondern essen ihr Brot mit unreinen Händen?

    6 Er antwortete ihnen: Der Prophet Jesaja hatte Recht mit dem,
    was er über euch Heuchler sagte, wie geschrieben steht:
    Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir.

    7 Vergeblich verehren sie mich; was sie lehren, sind Satzungen von Menschen.

    8 Ihr gebt Gottes Gebot preis und haltet euch an die Überlieferung der Menschen.


    14 Dann rief er die Leute wieder zu sich und sagte:
    Hört mir alle zu und begreift, was ich sage!

    15 Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn unrein machen,
    sondern was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein. 


    21 Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen,
    kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord,

    22 Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung,
    Neid, Lästerung, Hochmut und Unvernunft.

    23 All dieses Böse kommt von innen und macht den Menschen unrein.

Gebetsvorschlag

DU Gott des Lebens,
Jesus hat ganz und gar aus dir gelebt.
Sein Herz war dir zugekehrt. 
Er ehrte dich mit Herz und Lippen.
Verwandele unser Menschsein, unser Leben.
Mache uns bereit, unser Leben nach Jesus auszurichten,
damit wir uns als Erlöste erfahren,
herausgelöst aus Streit und Unfrieden,
aus Unglaubwürdigkeit und negativem Denken,
aus all dem, was das Leben tödlich behindert.
Lass uns einander Heilung und Erlösung zubringen.
Amen.

Meditation

MIT HERZ UND SEELE

will ich das Leben leben,

zuhören, aufhorchen

auf den Schrei der Notleidenden

und ihnen ein Zuhause sein.


MIT HERZ UND SEELE

will ich leben

und in mir spüren,

dass da Gott wohnt,

der mich hält und trägt,

mich einlädt, göttlich zu sein,

bedingungslos liebend.


MIT HERZ UND SEELE LEBEND

verändert sich das Angesicht der Welt:

Da ist Sinn und Hoffnung,

Erlösung und erfülltes Leben,

Be-Geist-erung,

ein Zuhause.


(22. Sonntag im Jahreskreis – 18.08.2021 © Christian Scheinost)