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Impuls

23. Sonntag im Jahreskreis

"Ich fühle mich

glücklicher,

nur weil ich

ich selbst bin

und andere

sie selbst sein lasse."

(Carl R. Rogers)


(Holzskulptur
am Wiesentgehege Fredeburg
bei Ratzeburg/Ostsee
© Christian Scheinost)

 

"Ich glaube daran, dass das größte Geschenk, das ich von jemandem empfangen kann, ist, gesehen, gehört, verstanden und berührt zu werden. Das größte Geschenk, das ich geben kann, ist, den anderen zu sehen, zu hören, zu verstehen und zu berühren. Wenn das geschieht, entsteht Kontakt." (Virgina Satir, systemische Familientherapeutin).

Kontakt bzw. bestehende und geforderte Kontaktlosigkeit sind die Themen der immer noch anhaltenden Coronapandemie. Menschen werden gesehen, jedoch von den Verantwortlichen in Staat und Gesellschaft scheinbar nicht gehört und verstanden. Berührungen sind, außerhalb des eigenen Haushaltes, auf das Minimum begrenzt. Menschen "vereinsamen" in ihrem Berufsleben im "Homeoffice" ohne Kollegen und Kundenkontakt. Andere verkümmern seelisch, gerade die, die nur schwer am öffentlichen Leben teilnehmen können, ältere, kranke wie auch sterbende Menschen. Kontakt bzw. Kontaktlosigkeit ist das Thema zwischen vielen Staaten, Völkern und Religionsgemeinschaften, die unfriedlich, kriegerisch, uneins miteinander leben. Einander hören und doch nicht verstehen, denn scheinbar hört jeder mit seinen Erwartungen, Überzeugungen, Bewertungen und lässt den anderen in seinem Sosein nicht gelten.

Ein Nichtgesehen, -gehört, -verstanden werden zermürbt Menschen. Die Folge ist oft, dass sie nicht mehr hören, zuhören können und wollen, was der andere sagt, was Frau, Kinder, Freunde, Kollegen, Kirche, Staat und Gesellschaft sagen. Solche Menschen hören nicht mehr nach außen und nach innen. Sie verstummen. Und wer nicht zuhört, verliert seine Sprache, ist sprachlos, hat nichts mehr zu sagen. Gerade in der Kirche, in der Umsetzung der Synode in unserem Bistum haben das Menschen in den Kirchengemeinden und umgekehrt in der Bistumsleitung erlebt. Die Bistumsverantwortlichen verstehen die Sprache der Kirchengemeinden nicht und die Kirchengemeinden das Bistum nicht, weil ein einander Zuhören nicht stattfindet. Ähnliches ist zwischen der Leitung in Rom und der Kirche in den einzelnen Bistümern wahrzunehmen.

Auch die Gemeinde des Markus fühlt sich unverstanden, nicht gesehen, nicht gehört, am Rand, zunehmend bedeutungslos. Die Christen und Christinnen der markinischen Gemeinde suchen nach ihrem Profil, eine Kirche ohne die reale Präsenz Jesus, der scheinbar so bald nicht zurückkehrt. Und so spiegelt Markus im Taubstummen ihre Situation wider und lädt sie ein, zu Jesus zu gehen und andere zu ihm zu führen, damit Heilung passiert, eine neue Perspektive eröffnet wird. Das Heilungswunder will Hoffnung machen, dass Veränderung möglich, immer möglich ist und vor allem, dass heilende Veränderungen möglich sind. In Jesus wird das Profil der Kirche für jeden Christen spürbar: Zuwendung ohne Bedingungen und ohne Vorleistungen, bedingungslos berührend verstanden, gesehen, gehört zu sein. Gerade in Partnerschaften wird diese Haltung besonders spürbar: Im Bewusstsein geliebt zu sein, so sagt es Paulus im ersten Korintherbrief, vermögen die Liebenden alles zu erhoffen, alles zu glauben und allem standzuhalten.

Als Kirche unterwegs sind wir eingeladen, Kontakt zu schaffen wider alle Kontaktlosigkeit und so in Jesu Fußstapfen zu treten für eine gute Welt, gelungen, zufrieden, liebend. Glaube drückt aus: Gott will das Beste für uns. So lasst uns miteinander und füreinander glauben, das Beste füreinander wollen für die Menschen in unserer Familie, in der Partnerschaft, im Verein, in der Kirchengemeinde, für die Menschen im Ahrtal und in Afghanistan und überall, wo Leben mit den Füßen getreten wird.

Lasst uns glauben, dass heilende Veränderungen immer möglich sind, und tun wir unser Bestes.

  • Lesen der Bibelstelle Mk 7,31-37

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    31 Jesus verließ das Gebiet von Tyrus wieder
    und kam über Sidon an den See von Galiläa, mitten in das Gebiet der Dekapolis.

    32 Da brachten sie zu ihm einen, der taub war und stammelte,
    und baten ihn, er möge ihm die Hand auflegen.

    33 Er nahm ihn beiseite, von der Menge weg,
    legte ihm die Finger in die Ohrenund berührte dann die Zunge des Mannes mit Speichel;

    34 danach blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu ihm:
    Effata!, das heißt: Öffne dich!

    35 Sogleich öffneten sich seine Ohren,
    seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit und er konnte richtig reden.

    36 Jesus verbot ihnen, jemandem davon zu erzählen.
    Doch je mehr er es ihnen verbot, desto mehr verkündeten sie es.

    37 Sie staunten über alle Maßen und sagten:
    Er hat alles gut gemacht; er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen.

Gebetsvorschlag

Lebensspendender Gott,
in deinem Sohn lässt du mich spüren,
von Dir bedingungslos berührend verstanden, gesehen, gehört zu sein.
Dafür danke ich dir.
Sprich zu mir jetzt "Effata", Öffne dich!
Öffne mein Herz und all meine Sinne
für die Menschen, mit denen ich lebe:
Lass mich ihre Sorgen und Angst,
ihre Hoffnungen und Freude teilen
lass mich sie sehen, verstehen und hören
und so ein Stück gelungenes Leben erfahren und schaffen.
Amen.

Meditation

KONTAKT

Hören,

zuhören,

sehen,

verstehen,

wertfreies und bedingungsloses Annehmen,

das ist Liebe,

zu der mich Jesus einlädt.


KONTAKT

braucht

meine Offenheit,

meinen Glauben an das Gute,

meinen Glauben an Gott,

der mich das Beste geben lässt.


KONTAKT

verwandelt das ICH zum DU.


KONTAKT

ist das größte Geschenk meines Lebens,

es befähigt mich zu sprechen,

den anderen, die andere anzusprechen,

zu hören, zu verstehen

und meine, unsere Welt zu verwandeln

in ein Stück Himmel auf Erden.

 

(23. Sonntag im Jahreskreis – 03.09.2021 © Christian Scheinost)