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Impuls

24. Sonntag im Jahreskreis

"Wenn man Liebe

nicht bedingungslos

geben

und nehmen kann,

ist es keine Liebe,

sondern ein Handel."

(Emma Goldmann)


("Berufung des Bartholomäus"
Bild in der Pfarrkirche Zeitlarn/Regensburg
© Christian Scheinost)

 

"Verbringe deine Zeit mit Menschen, die dich bedingungslos lieben, anstatt mit Menschen, die dich nur lieben, wenn du ihre Bedingungen erfüllst!"

Liebe ist nur schwer zu definieren. Ob Schriftsteller, Psychologen oder ganz normale Menschen, die endlose Anstrengung, Liebe als mehr zu definieren als "du weißt es, wenn du es fühlst", hat zu unzähligen Ergebnissen geführt. Und um die ganze Sache noch komplizierter zu machen, gibt es da auch noch die "bedingungslose Liebe". Für einige ist diese Art der Liebe die einzig wahre, während andere sie für unmöglich halten.

Das Wunderbare an der bedingungslosen Liebe ist, dass sie so tiefgreifende Auswirkungen hat. Wenn ein Mensch einen anderen bedingungslos liebt, akzeptiert und ihn so mag, wie er ist. Er kann seinen Schmerz sehen, seine Macken und Fehler wahrnehmen, seine Werte und Vorstellungen annehmen, ohne ihn zu verurteilen, zu bewerten, ihm mit den eigenen Ratschlägen zu sagen, wie er sich in Familie, Staat, Kirche und Gesellschaft zu verhalten habe. In der bedingungslosen Liebe kann ein Mensch mit dem anderen mitfühlen. Haben Sie das jemals für jemanden gefühlt? Oder denken Sie, dass Sie niemals in der Lage sein werden, eine so tiefgründige Art der Verbindung mit jemandem einzugehen?

Meine Wahrnehmung in den vergangenen Jahren als Seelsorger, Freund und Wegbegleiter ist, dass es sich Menschen so schwer vorstellen und es fühlen können, dass sie bedingungslos geliebt werden von Menschen und vor allem auch von Gott. Denn im alltäglichen Leben sind wir es gewohnt, dass wir erst etwas leisten müssen, damit wir geliebt werden. Und dass wir, damit wir weiterhin geliebt, gewertschätzt, anerkannt werden wollen, auch durchgehend etwas leisten müssen, so wie das am Anfang erwähnte Zitat ausdrückt: … menschliche Bedingungen erfüllen.

2000 Jahre menschliche Kirche scheint für mich eine Gemeinschaft zu sein, die sich an einer Liebe orientiert, die an Bedingungen geknüpft ist. Was leisten Christinnen und Christen nicht alles, um Erlösung zu erlangen, in den Himmel zu kommen, angefangen bei Gebet, Opfern, Fasten, Sakramentenempfang, Gottesdiensten bis hin zu Taten der Gottes- und Nächstenliebe. Gründe dafür liegen wahrscheinlich in dem Verständnis, dass der Gottmensch Jesus Christus ein angemessenes, unendliches Opfer am Kreuz dargebracht hat, durch das Gott versöhnt worden sei. Und: Ist das wirklich so?

Der katholische Theologe Thomas Söding sagt, dass der Kreuzestod Jesu nicht der Besänftigung seines Zornes dient, sondern der Offenbarung seiner selbstlosen bedingungslosen Liebe, die den Menschen nichts vorenthält, sondern alles gibt.

Die Liebe von Gott für uns ist ganz anders. Sie ist nicht an irgendwelche Bedingungen geknüpft. Das ist die Kernbotschaft des Evangeliums dieses Sonntags.

Die Gemeinde des Markus ist in einer bedrohlichen Situation im Jahre 70, nach der Zerstörung von Jerusalem und in der Verfolgungszeit des Kaisers Nero. Und die Gemeinde fragt sich: Was hat das mit „Froher Botschaft“ zu tun. Markus will sie damals und uns heute dazu einladen, dem Weg Jesu zu folgen.

Hinter Jesus herzugehen bedeutet, sein Leben zu verändern, nicht mit Leistungskategorien zu sehen und zu argumentieren, dieses Leben verlieren, hinter sich zu lassen und die bedingungslose Liebe leben zu lernen.

  • Lesen der Bibelstelle Mk 8,27-35

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    27 Jesus ging mit seinen Jüngern in die Dörfer bei Cäsarea Philippi.
    Auf dem Weg fragte er die Jünger: Für wen halten mich die Menschen?

    28 Sie sagten zu ihm: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija,
    wieder andere für sonst einen von den Propheten.

    29 Da fragte er sie: Ihr aber, für wen haltet ihr mich?
    Simon Petrus antwortete ihm: Du bist der Christus!

    30 Doch er gebot ihnen, niemandem etwas über ihn zu sagen.

    31 Dann begann er, sie darüber zu belehren:
    Der Menschensohn muss vieles erleiden
    und von den Ältesten, den Hohepriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden;
    er muss getötet werden und nach drei Tagen auferstehen.

    32 Und er redete mit Freimut darüber.
    Da nahm ihn Petrus beiseite und begann, ihn zurechtzuweisen.

    33 Jesus aber wandte sich um, sah seine Jünger an und wies Petrus mit den Worten zurecht:
    Tritt hinter mich, du Satan!
    Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.


    34 Er rief die Volksmenge und seine Jünger zu sich und sagte:
    Wenn einer hinter mir hergehen will,
    verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.

    35 Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren;
    wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten. 

Gebetsvorschlag

Uns liebender Gott,
wie oft sage ich in unserem Leben "ich".
Ich habe getan, ich glaube, ich lebe richtig, ich, ich, …
Du weißt, wer sich nicht selbst zum Maß aller Dinge macht,
kann maßlos lieben.
Allein die Liebe darf maßlos sein.
Deine Liebe, Gott, ist maßlos, bedingungslos.
Sie gilt jedem und jeder ohne Ansehen der Person.
Lehre mich, maßlos, bedingungslos zu lieben wie Jesus.
Sein Geist möge in mir atmen,
wenn ich hinter ihm her gehe, ihm nachfolge
und so die kleine und große Welt göttlich wird.
Amen.

Meditation

ERLÖSUNG

Herausgelöst sein

allein auf das ICH zu vertrauen,

sondern

auch das DU zu sehen,

zu hören, zu verstehen,

anzunehmen, bedingungslos zu lieben.


ERLÖSUNG

Hinter Jesus herzugehen,

in seine Fußstapfen zu treten,

das gewohnte Leben hinter sich zu lassen,

ein anderes Leben zu gewinnen.


ERLÖSUNG

ist auch leidvoll,

schwierig, tödlich,

und doch:

Ich weiß, mein Erlöser lebt.


ERLÖSUNG

Bedingungslos liebend.

Da ist Hoffnung,

         Zuversicht,

         Stärke,

         Mut.


Da ist gelungenes,

bewusst geglücktes Leben.


(24. Sonntag im Jahreskreis – 10.09.2021 © Christian Scheinost)