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Impuls

25. Sonntag im Jahreskreis

Für andere zu leben,

ihnen zu dienen,

ihnen zu helfen,

nur für sie da zu sein,

das ist göttlich.“

(Kirpal Singh)


(Plastik im Schweriner Dom
© Christian Scheinost)

 

"Jeder von uns, ob berühmt oder nicht, sollte einen Teil seines Lebens damit verbringen, das Leben eines anderen zu verbessern." ("Jerry" Springer, US-amerikanischer Politiker)

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, wenn Ihnen etwas Gutes widerfährt, ihr Leben verbessert wird. Wenn Ihnen z.B. der Platz im Bus, in der Bahn angeboten oder Ihnen die Tür aufgehalten wird, wenn Sie unverhofft beschenkt werden mit einem Lächeln, einem Besuch, mit einem netten Gespräch. Was denken Sie? Sind Sie dankbar oder skeptisch und fragen: "Was will der oder die von mir? Ist das eine Wiedergutmachung für irgendeinen Fehler und muss ich darauf antworten mit einem >Gegengeschenk<?" Einander Gutes tun, einander ohne hintergründige Gedanken zu beschenken ist – so meine Wahrnehmung – eher eine Seltenheit geworden.

Einander Gutes tun, einander beschenken ist eine Umschreibung für einander dienen. Doch möglicherweise gehören Sie zu den Menschen, für die "Dienen" eher etwas sehr Unattraktives ist und Sie dabei mehr an Sklaverei, Unterwürfigkeit oder einfach nur an ein "Ausgenutzt-Werden" denken, wenn das Wort "dienen" fällt. Auf der anderen Seite erwarten, fordern Menschen das Dienen tagtäglich ein mit den medizinischen und psychologischen Notdiensten, den Pflegediensten oder auch bei Polizei, Feuerwehr, Notfalldiensten etc.

Menschliches Leben steckt für mich so in einer Ambivalenz, bedient zu werden und selbst zu dienen. Und diese Ambivalenz ist wohl begründet in einer menschlichen Erwartungshaltung.

Im Blick auf die negativen Assoziationen von "dienen" fühlt sich derjenige wohl ausgenutzt, der sich sehr wichtig nimmt, weil er erwartet, dass er gestreichelt wird und ihm allein Ehre zusteht für sein Leben, seine Verdienste, für sein Menschsein. Durch diese Erwartungen entstehen Streit, Missgunst, Neid, Eifersucht, Bewertungen. Das Miteinander ist gestört.

Die Gemeinde des Markus, die nach der Zerstörung von Jerusalem und des Tempels nun auch aus der jüdischen Gemeinde ausgeschlossen und mit dem so genannten Tempelbann belegt wurde, steckt in einer "Identitätskrise". Was ist zu tun, um neues Ansehen zu gewinnen, Menschen für den Glauben zu begeistern? Größer, besser und spiritueller als die jüdische Gemeinde zu sein und zu zeigen, der christliche Anspruch ist universeller.

Mit dem Bibeltext dieses Sonntags weist Markus hin, auf Jesus zu sehen, für den Dienen als Lebenshaltung existentiell war, als ein Einander-Beschenken. Jesus erwartete nichts von den Menschen und lebte zufrieden in einer Haltung der Freiheit. Er hat sein Leben hingegeben, aus bedingungsloser Liebe heraus, und er konnte das, weil Gott ihn beschenkte und liebte.

Markus lädt seine Gemeinde damals und uns heute zum "Dienen" ein, zu einer kindlichen Lebenshaltung, zu einer Veränderung der je eigenen Erwartungshaltung, dass das Gelobt-Werden, der geistliche Ehrgeiz Sinn des Lebens ist. Glücklich ist der, der nichts erwartet. Nehmen wir seine Lebenshaltung an und leben wir im Geist Jesu. Amen.

  • Lesen der Bibelstelle Mk 9,30-37

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    30 Sie gingen von dort weg und zogen durch Galiläa.
    Er wollte aber nicht, dass jemand davon erfuhr;

    31 denn er belehrte seine Jünger und sagte zu ihnen:
    Der Menschensohn wird in die Hände von Menschen ausgeliefert und sie werden ihn töten;
    doch drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen.

    32 Aber sie verstanden das Wort nicht, fürchteten sich jedoch, ihn zu fragen.


    33 Sie kamen nach Kafarnaum.
    Als er dann im Haus war, fragte er sie: Worüber habt ihr auf dem Weg gesprochen?

    34 Sie schwiegen,
    denn sie hatten auf dem Weg miteinander darüber gesprochen, wer der Größte sei.

    35 Da setzte er sich, rief die Zwölf und sagte zu ihnen:
    Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein.

    36 Und er stellte ein Kind in ihre Mitte, nahm es in seine Arme und sagte zu ihnen:

    37 Wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf;
    und wer mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.

Gebetsvorschlag

Uns dienender Gott,
deine Kinder sind wir, Schwestern und Brüder,
aufeinander angewiesen, miteinander unterwegs, füreinander da.
Niemand soll über oder unter dem Anderen stehen.
Und doch ist es manches Mal ganz anders:
Da beanspruchen wir, wichtiger zu sein, mehr zu bekommen,
besser zu leben, aufrichtiger zu glauben als alle neben uns.
Da beginnt Unfrieden, das Leben misslingt.
Lehre uns den Weg Jesu.
Lass uns lernen, ohne Erwartungen aneinander,
einander zu dienen, einander zu beschenken.
Amen.

Meditation

DIENEN

ist,

sich einzusetzen

und damit auch auszusetzen

im Miteinander und Füreinander,

einander zu beschenken.


DIENEN

ist

ein erwartungsloses,

dich und mich zu befreien

zu einem erfüllenden, gelingendem Leben

in Glück

und Zufriedenheit.


DIENEN

ist,

mit einem Lächeln den Tag zu beginnen,

positiv zu denken

und Gutes zu tun,

das Du vor das Ich zu setzen,

bedingungslos liebend,

das Reich Gott erfahrbar, spürbar zu machen.


(25. Sonntag im Jahreskreis Lsj B – 16.09.2021 © Christian Scheinost)