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Impuls

27. Sonntag im Jahreskreis

"Immer brauchen wir

das DU,

um das Ich

darin zu spiegeln."

(Gudrun Zydeck, dt. Schriftstellerin)


(Regensburg:
"Steinerne Brücke" mit "Bruckmandl"
© Christian Scheinost)

 

Nele Kreyßig, Business Coacherin und Beraterin, hat 2020 ein Buch geschrieben mit dem Titel "Warum es >Bullshit< ist, andere ändern zu wollen." Sie beschreibt in vielen Beispielen, dass es nicht möglich ist, den anderen zu verändern, sondern nur sich selbst.

Seien wir doch mal ehrlich: Unsere Mitmenschen können schon ganz schön anstrengend und nervig sein. Der Nachbar mäht am Sonntag den Rasen oder wechselt lautstark die Reifen, die Autofahrer, die an der Ampel, wenn sie auf Grün wechselt, nicht gleich losfahren, sondern irgendwie das Gaspedal suchen, Menschen, die ständig zu spät kommen oder alle die, die stets das letzte Wort haben müssen und sich zurückhalten, wenn es darum geht, die Arbeit zu erledigen …

Für nicht wenige Menschen wäre es sehr bereichernd, die Menschen würden sich so verändern, wie sie sich das in ihrer je eigenen "Weltsicht" vorstellten, denn dann wäre das Leben zumindest für sie glücklich, zufrieden, sinnerfüllt.

Doch das ist Unsinn oder wie Kreyßig sagt "Bullshit", weil es dabei weniger um allgemeine Verhaltensweisen und Werte geht, sondern ausschließlich um die eigenen. Und diese Verhaltensweisen gefährden Beziehungen, berufliche und private.

Klar ist auch, der Mensch ist ein Produkt seiner Lebensgeschichte, familiär, staatlich, kirchlich, und alle diese erlernten Verhaltenspräferenzen sind nicht einfach falsch und abzulegen, denn sie machen ihn einzigartig, individuell. Es geht nicht um falsch und richtig, sondern vielmehr darum, sich bewusst zu machen, wie ich denke, lebe, werte, um andere nicht in meine eigenen Denkschubladen, "Schablonen" zu pressen. Wer aufhört, andere ändern zu wollen, und stattdessen neugierig wird auf deren Lebenssicht und sensibel für deren Potenzial, erfährt ein bereicherndes Miteinander, Zufriedenheit und im Arbeitskontext gemeinsamen Erfolg.

Die Gemeinde, an die Lukas sein Evangelium schreibt, muss sich am Ende des 1. Jahrhunderts im Prozess des "Kirchewerdens" mit den unterschiedlichsten religiösen Strömungen auseinandersetzen. Fatal ist dabei Abgrenzung, nur auf seinem Standpunkt zu bestehen, so wie es die "Maxime" des römischen Reiches ist, und damit die "Andersgläubigen" zu vernichten. Es braucht vielmehr Kommunikation und Offenheit füreinander, statt "Selbstgespräche" und Bewertungen. Es braucht keine Zwangsmissionierung, sondern ein Werben und Einladen für die Frohe Botschaft. Es braucht ein Miteinander-Sprechen.

Konflikte sind damit nicht ausgeschlossen. Bedenkenswert dabei ist, dass Misstrauen und Bewertungen, "Schablonendenken" Gemeinsamkeit zerbrechen lassen. Die menschliche Atmosphäre erkaltet und das kann kein Mensch auf Dauer gut ertragen, die unangenehmen Gefühle überwiegen, das Glück ist dahin.

Jesus geht es in seinem Leben und Wirken immer um das DU, sich bewusst zu machen, dass Leben nur geliehen ist, ein Geschenk aus Gottes Hand. Und wie sich beim Dankesagen eine Kommunikation zwischen Schenkendem und Beschenkten vollzieht, so braucht es in unserem Glauben auch stetig neu diese Kommunikation mit Gott und untereinander im Alltag und am Feiertag, in Gebet, im Feiern und Werken der Nächstenliebe. Lassen wir uns auf Jesu Weg ein und verändern wir uns, auf dass sich die Welt verändern kann!

  • Lesen der Bibelstelle Lk12,15-21

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    15 Dann sagte er zu den Leuten:
    Gebt Acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier!
    Denn das Leben eines Menschen besteht nicht darin,
    dass einer im Überfluss seines Besitzes lebt.

    16 Und er erzählte ihnen folgendes Gleichnis:
    Auf den Feldern eines reichen Mannes stand eine gute Ernte.

    17 Da überlegte er bei sich selbst:
    Was soll ich tun? Ich habe keinen Platz, wo ich meine Ernte unterbringen könnte.

    18 Schließlich sagte er:So will ich es machen:
    Ich werde meine Scheunen abreißen und größere bauen;
    dort werde ich mein ganzes Getreide und meine Vorräte unterbringen.

    19 Dann werde ich zu meiner Seele sagen:
    Seele, nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht.
    Ruh dich aus, iss und trink und freue dich!

    20 Da sprach Gott zu ihm:
    Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern.
    Wem wird dann das gehören, was du angehäuft hast?

    21 So geht es einem, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber bei Gott nicht reich ist.

Gebetsvorschlag

Lebensspendender Gott,
wir danken dir am Erntedankfest für alle Gaben,
die wir im vergangenen Jahr
durch deine Fürsorge erhalten haben:
   die Gaben der Natur,
   die Zuwendung und Hilfe anderer Menschen,
   die uns zu einem Stück mehr Leben verhalfen,
   alles, was uns leben lässt und stark macht.
Mache uns achtsam für dich und füreinander
und schärfe unseren Blick und unsere Wahrnehmung dafür,
dass wir die Fülle dieser Gaben im Zusammenspiel der Begabungen
und Kräfte so vieler Menschen erreicht haben und dafür danken.
Amen.

Meditation

Ich bin geborgen in Gottes Händen, 

getragen, wo nur zwei Spuren im Sand zu sehen sind.
 

Mit meiner Geburt rief Gott mich ins Sein,

in diese Welt, in mein Leben,

einzigartig und unverwechselbar.
 

In der Taufe gab er mir einen Namen.

Seitdem bin ich keine Nummer,

sondern ein wertvolles Geschöpf.

Ich stehe im Augen-Blick Gottes.
 

In Kommunion und Firmung

bestätigte er seine Liebe zu mir:

Mein Erlöser lebt und liebt mich,

lässt mein Leben be-Geist-ert gelingen.
 

In den Sackgassen meines Lebens 

   und in den Sternstunden

bin und bleibe ich immer sein Kind,

im Leben - 

und selbst im Tod,

denn da geschieht Auferstehung.
 

Ich bin geborgen in seiner Hand

und kann Geborgenheit weiterschenken,

aufdass die Erde den Himmel atmet!

DANKE.
 

(Zum Erntedankfest - Silbernes Priesterjubiläum - 30.09.2021 © Christian Scheinost)