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Impuls zum 3. Adventssonntag

"Tritt

in Gottes Spuren.

Er hat

deine Schuhgröße."

(Altirischer Segenswunsch)


(Bild: Ostseestrand bei Grömitz
© Christian Scheinost)

"Jeder sieht, was du scheinst. Nur wenige fühlen, wie du bist." So beschreibt einer der bedeutendsten Staatsphilosophen der Neuzeit Niccolò Machiavelli, wie der Mensch unter Ausnutzung aller Mittel seine Ziele 100%ig erreichen kann.

"Jeder sieht, was du scheinst. Nur wenige fühlen, wie du bist." Das Erscheinungsbild, mit dem Menschen heute auftreten, ist, wenn ich das Leben so beobachte, ein ganz wichtiger Grundpfeiler menschlichen Lebens geworden.

"Der erste Eindruck zählt!" – An dieser Weisheit ist viel mehr dran als die meisten Menschen wissen. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass wir bereits in den ersten 0,3 Sekunden, in denen uns ein Mensch begegnet, festlegen, wie wir ihn im Bezug auf bestimmte Dinge einschätzen. Um diesen ersten Eindruck zu revidieren braucht es viel Zeit. Aus diesem Grund ist es enorm wichtig, so die Wissenschaftler, dass wir in bestimmten Situationen sofort überzeugen beziehungsweise einen positiven Eindruck erzeugen. Auch ohne diese Erkenntnis, so meine Hypothese, trägt der Mensch einen hohen Geltungsdrang in sich, den er mit einem positiven, alle anderen übertreffenden Erscheinungsbild dauerhaft erreichen will, also möglichst perfekt in der Öffentlichkeit dastehen.

Gilt das auch für die Kirche? Wie stellen wir uns als Kirche dar?

  • Als eine Gemeinschaft, die die Moral und das Wertesystem in der Gesellschaft und im Staat mitbestimmt und auf der anderen Seite als fehlerhaft, "von gestern übriggeblieben" und realitätsfremd erfahren wird?
  • Als eine Gemeinschaft, die "ein nach oben steigender dampfender Weihrauch erfüllt", der die vielen Traditionen und festlichen Liturgien unterstreicht. Und doch eine Gemeinschaft, zu der der Einzelne scheinbar nur gehört, wenn er mitmacht, um die Inhalte weiß und sonntäglich praktiziert?
  • Als eine Gemeinschaft, die niederschwellig die Botschaft Jesu verkündet, offen auch für Andersdenkende, "Nicht-Kirchgängerinnen und Kirchgänger"?

Wer bin ich als Christ, als Christin? Was verströme ich von der Botschaft Christi, nach dem ich mich nenne? Eine Frage, die der Evangelist Johannes seiner Gemeinde stellt und auch uns heute.

Und er erzählt von der Gestalt Johannes des Täufers, an dem wir uns orientieren können: Er ist der Wegbereiter, eine Stimme in der Wüste, dem Ort, an dem wir - konzentriert auf das Notwendigste - Gott hören und erfahren können. Johannes legt mit seinem äußeren Erscheinungsbild Zeugnis ab von dem gnädigen Gott, der uns bedingungslos liebt und erlösen wird. Johannes, sein Name ist Programm, er bedeutet: "Gott ist gnädig."

Und wir, Sie, ich, du?

Gott lädt uns ein, mit unserem Erscheinungsbild und mit unserem Namen Zeugnis abzulegen für IHN, denn "wir sind deine einzige Bibel, die die Öffentlichkeit heute noch liest." So sind wir eingeladen, alle Menschen mit und durch uns die Barmherzigkeit, die Liebe, die Gerechtigkeit Gottes lesen zu lassen, die herausfordert, IHM konsequent nachzufolgen und so das Leben zu gewinnen.

  • Lesen der Bibelstelle Joh 1,6-8.19-28

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    6 Ein Mensch trat auf, von Gott gesandt; sein Name war Johannes.

    7 Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht,
    damit alle durch ihn zum Glauben kommen.

    8 Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht. 


    19 Und dies ist das Zeugnis des Johannes,
    als die Juden von Jerusalem aus Priester und Leviten zu ihm sandten mit der Frage:
    Wer bist du?

    20 Er bekannte und leugnete nicht;
    er bekannte: Ich bin nicht der Christus.

    21 Sie fragten ihn: Was dann? Bist du Elija?
    Und er sagte: Ich bin es nicht.
    Bist du der Prophet?
    Er antwortete: Nein.

    22 Da sagten sie zu ihm: Wer bist du?
    Wir müssen denen, die uns gesandt haben, Antwort geben.
    Was sagst du über dich selbst?

    23 Er sagte: Ich bin die Stimme eines Rufers in der Wüste:
    Ebnet den Weg für den Herrn!, wie der Prophet Jesaja gesagt hat.

    24 Die Abgesandten gehörten zu den Pharisäern.

    25 Sie fragten Johannes und sagten zu ihm:
    Warum taufst du dann,
    wenn du nicht der Christus bist, nicht Elija und nicht der Prophet?

    26 Johannes antwortete ihnen: Ich taufe mit Wasser.
    Mitten unter euch steht einer, den ihr nicht kennt,

    27 der nach mir kommt; ich bin nicht würdig, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.

    28 Dies geschah in Betanien, jenseits des Jordan, wo Johannes taufte.

Gebetsvorschlag

Gott, der du dich um uns kümmerst
   wie ein guter Vater und eine liebende Mutter,
du hast den Propheten Johannes den Täufer geschickt,
   damit er den Menschen bezeugt,
   dass du Gott in Jesus Christus in die Welt kommst.
Johannes hat auf Jesus hingewiesen
   und alle auf die Begegnung mit IHM vorbereitet.
Mache auch mich, uns alle zu Menschen,
   die ihren Glauben in Worten und Taten glaubwürdig bezeugen
   und auf Jesus, den Erlöser und Heiland hinweisen.
Lass uns ein Ort sein, an dem dein Sohn Christus lebendig wird,
   weil er täglich neu in uns geboren wird.
Darum bitten wir dich, uns liebender Gott.
Amen.

Meditation

Zeuge, Zeugin sein:

in die Welt gehen,

   in meine kleine wie in die große,

das Leben gestalten,

Menschen begleiten,

ihr Leben deuten.

Lebendiger Wegweiser, Wegweiserin sein

zu DIR, zu mir, zu uns.
 

Zeuge, Zeugin sein:

von Gott reden,

von seiner Liebe zeugen,

nach der guten Seele,

die in jedem Geschöpf Gottes wohnt, Ausschau halten.

Lebendiger Wegweiser, Wegweiserin sein,

erfüllt von der bedingungslosen göttlichen Liebe,

von Freude, die die Ewigkeit widerspiegelt,

von Gemeinschaft, die stark und hoffnungsvoll macht.
 

Zeuge, Zeugin sein:

IHN, den Unsichtbaren und doch spürbar Nahen,

sichtbar, spürbar, glaubhaft erfahrbar zu machen.

Lebendiger Wegweiser, Wegweiserin sein,

die mit ihrem Leben verkünden:

Christus, der Heiland kommt,

Christus, der Erlöser ist da,

in deiner Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
 

(3. Adventssonntag Lsj B – 09.12.2020 © Christian Scheinost)