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Impuls zum 3. Fastensonntag

"Ruhe findet

der Mensch

nur in sich selbst,

nicht in äußeren Dingen."

(Anton Tschechow)


(Abendstimmung am Hammersteiner Werth
© Christian Scheinost)

Der koreanische Zen-Mönch Haemin Sunim schreibt in einem seiner Bücher: "Wenn der Geist nach außen blickt, wird er von den heftigen Winden der Welt hin und her geweht. Doch wenn er sich nach innen wendet, können wir unsere Mitte finden und in der Stille ruhen."

Die eigene innere Mitte finden und in ihr leben, ist wohl – so meine Überzeugung – eines der existentiellen und wichtigsten Ziele unseres Menscheins. Aus der Mitte zu leben ist verbunden mit dem Gefühl, in sich zu ruhen und alles in Ordnung zu finden – selbst, wenn die Welt um uns herum turbulent sein mag. Dazu gehört die eigene Erkenntnis zu sich selbst sagen zu können. "Ich bin in Ordnung." Und: "Ich bin mit mir und meinem Leben zufrieden."

Und doch scheint diese Mitte, die ruhig und gelassen leben lässt, in Staat, Gesellschaft und auch in der Kirche verloren zu gehen und vielleicht da und dort schon verloren gegangen zu sein. In unserem Deutschland ist mit Corona die „Normalität“ verschwunden, viele Gewerbetreibende haben ihre Mitte verloren, finanziell und persönlich. Aber auch schon zuvor: Ein Wandel in den politischen Machtverhältnissen, von den Volksparteien hin zum Rand und einer neuen sozioökonomischen Vielfalt. Für die unterschiedlichsten Menschen in unserem Land wurde der größte gemeinsame Nenner immer kleiner.

Der deutsche Journalist und Autor Burkhardt Gorissen hat im Januar 2020 ein Buch geschrieben, in dem er feststellt, dass wir inzwischen in einer Gesellschaft ohne "christliche Identität" leben. Es fehlt an Orientierung. Die Angst ist viel beherrschender als der Glaube. Das Geld und der Konsumrausch herrlicher als Gott. Und wenn wir ehrlich auf unsere christliche Kirche sehen: Über was sprechen und diskutieren wir? Über Kirchenbauten, Immobilien, Geld, Pfarreien, veränderte Glaubenspraxis, Missbrauchsskandal, Unglaubwürdigkeit….?

Es gibt eine Geschichte zur Erstkommunion, in der von einem kleinen Herzen erzählt wird, das gefüllt wird von der Armbanduhr bis zum Festessen. Und am Ende wollte noch jemand hinein. Das kleine Herz fragte: Wer bist du, brauchst du viel Platz? Ja, sagte jemand: "Ich brauche den ganzen Platz. Ich brauche dich ganz!" Ich heiße: JESUS. Jesus ist die Mitte unseres Lebens als Christ und Christin, die Mitte des Glaubens und darüber gilt es zu sprechen, unaufhörlich.

Johannes will mit seiner Geschichte des Tempelprotestes ("Tempelreinigung") seiner Gemeinde und auch uns heute Mut machen zum Mutigsein. Er lädt ein, sich von Jesus inspirieren und anstecken zu lassen und seinen Weg zu gehen voll Zivilcourage und Stärke im Namen des menschenfreundlichen Gottes – gegen alle Systeme, Denkweisen, Theologien und Praktiken, die Menschen unnütz Lasten auflegen, ihre Stimme zu erheben. Er ermutigt sie in Jesus Christus, die Mitte ihres Lebens zu finden, und von ihm her zu denken und zu handeln.

Dort, wo Christus das Denken und Handeln bestimmt, zeigt sich Menschlichkeit, Lebendigkeit, Gerechtigkeit, Ruhe, Stärke und Kraft.

Theresia von Avila sagt: "Mit Gott habe ich alles, ohne ihn nichts!" Wir sind eingeladen das "alles" zu wählen.

  • Lesen der Bibelstelle Joh 2, 13-25

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    13 Das Paschafest der Juden war nahe und Jesus zog nach Jerusalem hinauf.

    14 Im Tempel fand er die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben
    und die Geldwechsler, die dort saßen.

    15 Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus
    samt den Schafen und Rindern;
    das Geld der Wechsler schüttete er aus, ihre Tische stieß er um

    16 und zu den Taubenhändlern sagte er:
    Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!

    17 Seine Jünger erinnerten sich, dass geschrieben steht:
    Der Eifer für dein Haus wird mich verzehren.

    18 Da ergriffen die Juden das Wort und sagten zu ihm:
    Welches Zeichen lässt du uns sehen, dass du dies tun darfst?

    19 Jesus antwortete ihnen:
    Reißt diesen Tempel nieder und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten.

    20 Da sagten die Juden:
    Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut
    und du willst ihn in drei Tagen wieder aufrichten?

    21 Er aber meinte den Tempel seines Leibes.

    22 Als er von den Toten auferweckt war, erinnerten sich seine Jünger,
    dass er dies gesagt hatte,
    und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte.

    23 Während er zum Paschafest in Jerusalem war,
    kamen viele zum Glauben an seinen Namen, da sie die Zeichen sahen, die er tat.

    24 Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht an, denn er kannte sie alle

    25 und brauchte von keinem ein Zeugnis über den Menschen;
    denn er wusste, was im Menschen war.

Gebetsvorschlag

Gott, Wesensmitte unseres Lebens,
Du willst, dass alle Menschen Dir folgen,
und aus Deiner Botschaft heraus leben
um die Menschheit menschlicher, gerechter, lebendiger zu gestalten.
Doch wir lassen uns immer wieder ablenken und blenden.
Die Mitte unseres Lebens ist umkämpft
von Gesetzen, Regeln und Riten
von Göttern des schnellen Glücks,
die uns Reichtum, Ansehen und Macht geben wollen.
Sie bringen uns von Dir und Deiner Frohen Botschaft ab.
Sei DU bei uns, mache uns stark Dir allein zu folgen
und aus Deiner Mitte zu leben, damit das Leben bewusst glückt.
Amen.

Meditation

Finde deine Mitte,

finde den Ort

in der Tiefe deines Herzens

an dem es still ist

und an dem du ausruhst,

den Ort,

wo deine Lebenskraft entspringt,

und du dem begegnest,

der dich schon immer kennt:

Gott, dein Vater.


Lebe in deiner Mitte

so wie du bist.

So bereicherst du das Leben

mit deinen Fähigkeiten und Eigenheiten,

denn so bist du gewollt,

von IHM, Gott deinem Vater.


Lass deine Mitte erfüllt sein

von IHM, deinem Gott,

der dir das Leben geschenkt hat,

der dir Zufriedenheit geben möchte,

der dich bedingungslos liebt

und zu dir hält immer und ewig.


In deiner Mitte zu leben

lässt er den Himmel auf Erden in dir anbrechen,

Gott, dein Vater.

 

(3. Fastensonntag Lsj B – 04.03.2021 © Christian Scheinost)