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Impuls zum dritten Ostersonntag

Die Wirklichkeit

ist immer

noch phantastischer

als alle Phantasie!

(Wolf Biermann)


(Bild:
Regensburg Domillumination 2019  
© Christian Scheinost)

Was ist eigentlich die Wirklichkeit? Haben Sie sich diese Frage schon mal gestellt? Denn das, was du als die Wirklichkeit wahrnimmst, ist nicht die Realität. Kann doch nicht sein?

Jeder Mensch nimmt seine Wirklichkeit, seine Realität aufgrund seiner Gefühle und Gedanken, seiner Lebensgeschichte und Erfahrungen, seiner biographischen Deutemuster wahr. Die französische Schriftstellerin Anais Nin sagte dazu: "Wir sehen die Dinge nicht, wie sie sind. Wir sehen sie so, wie wir sind!"

Also unsere Sinne und Bewertungen, unsere erlernten Erkenntnisse sind ganz wichtige Faktoren in der Wahrnehmung der Umwelt. Z.B.: Wie nehmen die einzelnen Menschen die Corona Pandemie und ihre Folgen wahr? Für die einen macht die Krisensituation allein die Beschränkung der Kontakte, das Fehlen der Begegnungen aus, andere sehen sie unter einem wirtschaftlichen Fokus, die Politiker und Politikerinnen sehen sie im Blick auf das Wohl der Bürgerinnen und Bürger oder ihres eigenen Profils sogar unter Wahlkampfbedingungen.

Was ist die Wirklichkeit der Kirche heute, ihre Realität? Die Sorge, dass gottesdienstliche Feiern nicht mehr besucht werden? Oder ist es generell eine Unglaubwürdigkeit, die sich breit macht, auf Riten und Gesetzmäßigkeiten zu pochen und auf der anderen Seite die Botschaft Jesu Christi mit Füßen zu treten, indem Menschen, die sich lieben der Segen verwehrt wird.

Ein Kind beschreibt die Wirklichkeit der Kirche anders als ein Jugendlicher und wieder anders ein Familienvater oder ein älterer Mensch. Und das ist auch wichtig so, denn in jeder Lebensphase hat der Mensch einen veränderten Blickwinkel, Zuwachs an Erkenntnis und Erfahrung. Und deswegen ist es auch mitunter so schwierig, für mich problematisch, wenn wir Kindern im Glaubensleben dasselbe abverlangen, was Erwachsene denken, leben, praktizieren. Da kommt dann sicherlich der Einwand: Ist denn dann alles falsch, was wir gelernt und praktiziert haben? Nein, jeder und jede hat zu seiner Zeit nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt, und doch hat sich Kirche und Welt weiterentwickelt. Es braucht eine gute Übersetzung der Glaubenswahrheiten in die Lebenssituationen der unterschiedlichsten Menschen, denn unsere je eigene Realität und Wirklichkeit ist nicht die ganze Realität und Wirklichkeit. Genau da setzt die Botschaft von der Auferstehung, die Lukas im Evangelium des 3. Ostersonntags thematisiert, an. Seine Gemeinde "provoziert" er: Der Auferstandene mit seinem verherrlichten Leib isst ein Stück Fisch wie ein normaler sterblicher Mensch. Wie geht das? Das kann einfach nicht sein! Doch dazu will Lukas die Christinnen und Christen damals herausfordern, umzudenken, hinter das gewohnte Sichtbare zu sehen und die göttliche Wirklichkeit in sein Leben einbrechen zu lassen. Auch für uns heute hat das nicht an Aktualität verloren. Ostern ist das Fest des Umdenkens. Kehrt um. "Metanoia" bedeutet wortwörtlich: Denkt um! Ostern heute will jede und jeden herausfordern, das alltägliche und besonders auch das kirchlich praktiziertes Leben mal von einer anderen Seite her zu denken und den Auferstandenen und sein neues Leben zu entdecken und zu finden.

Ostern kann heute, kann jeden Tag werden. Wir sind eingeladen, uns Christi Einladung zu öffnen und alles einmal anders zu sehen.

  • Lesen der Bibelstelle Lk 24,35-48

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    35 Die beiden Jünger, die von Emmaus zurückgekehrt waren, 
    erzählten den Elf und den anderen Jüngern,
    was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.


    36 Während sie noch darüber redeten, trat er selbst in ihre Mitte und sagte zu ihnen:
    Friede sei mit euch!

    37 Sie erschraken und hatten große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen.

    38 Da sagte er zu ihnen: Was seid ihr so bestürzt?
    Warum lasst ihr in eurem Herzen Zweifel aufkommen?

    39 Seht meine Hände und meine Füße an:
    Ich bin es selbst. Fasst mich doch an und begreift:
    Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht.

    40 Bei diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und Füße.

    41 Als sie es aber vor Freude immer noch nicht glauben konnten und sich verwunderten,
    sagte er zu ihnen: Habt ihr etwas zu essen hier?

    42 Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch;

    43 er nahm es und aß es vor ihren Augen.

    44 Dann sagte er zu ihnen:
    Das sind meine Worte, die ich zu euch gesprochen habe, als ich noch bei euch war:
    Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten
    und in den Psalmen über mich geschrieben steht.

    45 Darauf öffnete er ihren Sinn für das Verständnis der Schriften.

    46 Er sagte zu ihnen: So steht es geschrieben:
    Der Christus wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen

    47 und in seinem Namen wird man allen Völkern Umkehr verkünden,
    damit ihre Sünden vergeben werden.
    Angefangen in Jerusalem,

    48 seid ihr Zeugen dafür.

Gebetsvorschlag

Darauf kannst du dich verlassen:
   Hoffnung wächst nicht in den Himmel.
   Liebe bewahrt nicht vor Leid.
   Vertrauen schützt nicht vor dem Tod.
Alle Wege führen zum Grab.
Doch am Grab beginnen alle Wege neu:
   Vertrauen überdauert den Tod.
   Liebe überwindet das Leid.
   Hoffnung wächst in den Himmel.
Darauf kannst du dich verlassen:
   Auf Ostern, auf den lebenden Auferstandenen.
Schenke uns Gott, deinen Blick für das Leben,
lass uns mit deinen Augen sehen
und gelungenes Leben erfahren und weiterschenken.
Amen.

Meditation

Ich sehe ‘was, was Du nicht siehst …

und in den vielen Antworten

steckt der eine Gott,

der mich und dich,

jedem Menschen, egal wie nahe oder fremd er mir ist,

barmherzig, liebevoll, gütig begegnet.


Ich fühle ‘was, was Du nicht fühlst …

und das tut mir gut und dir gut,

weil ich einzigartig bin wie du,

weil Gott mich und dich

mit unseren je eigenen Charismen,

Begabungen und Erkenntnissen begnadet, beschenkt hat.


Ich erahne ‘was, was Du nicht erahnst …

in der Schöpfung,

in der Wirklichkeit

eine andere Realität,

ein Gott, der in mein Leben einbricht,

meine Perspektive ändern will,

mich umdenken lässt,

auf dass Ostern wird,

   Leben im Tod,

   Hoffnung in der Hoffnungslosigkeit,

   eine Zukunft, trotz allem …


Ich sehe, fühle, erahne

DICH GOTT,

der hinter und in allem ist,

und mein Leben himmlisch macht,

im Aufbruch des "UmDenkens"!

 

(3. Ostersonntag Lsj B – 15.04.2021 © Christian Scheinost)