Damit Sie unsere Internetseite optimal nutzen können, setzen wir nur technisch notwendige Cookies (kleine Textdateien, die auf Ihrem Rechner ablegt werden). Wir sammeln keine Daten zur statistischen Auswertung. Näheres finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Impuls

3. Sonntag im Jahreskreis

"Wer rückwärts sieht,

gibt sich verloren,

wer lebt und leben will,

muss vorwärts sehen."

(Ricarda Huch)


(Bild: Rheinaufwärts bei Kaub 
© Christian Scheinost)

"Wer rückwärts sieht, gibt sich verloren, wer lebt und leben will, muss vorwärts sehen", so sagt es die deutsche Schriftstellerin und Philosophin Ricarda Huch.

Vorwärts sehen, vom Ende her denken, verändert: Der Mensch ist nicht ständig gefordert auf die gegenwärtigen Probleme zu reagieren, sondern kann agieren, gestalten, visionär vorangehen. Ich lade Sie ein, die gegenwärtige Viruspandemie einmal von ihrem Ende her zu denken, von einer zukünftigen Normalität aus.

Zum einen schafft das Klarheit im Kopf und im Gefühlhaushalt, es gibt uns zu verstehen: Der Virus existiert und er wird besiegt werden. Was ist jetzt zu tun?

+ Politik, Volk und Verschwörungstheoretiker dürfen nicht gegeneinander arbeiten, sie müssen versöhnt miteinander gemeinsam an einem Strang ziehen.
+ Klären, was wichtig ist für die älteren und jüngeren Menschen und die vielen dazwischen, versöhnt, kooperativ.
+ Dankbarkeit dafür entwickeln und haben, was wir trotz allem besitzen: das Leben, die Medizin, den Impfstoff, Nachbarschaftshilfen u.ä. 
+ Prioritäten setzen, das eigene Leben eigenverantwortlich leben.
+ Vertrauen und glauben, dass alles einen Sinn hat, denn Gott ist mit uns, er steht zu uns trotz des menschlichen "Warums".

Vom Ende her denken bedeutet, eine Vision in sich zu tragen, auf ein Ziel zuzugehen, das Leben vieler Menschen zu verbessern. Das erfüllt mich, gibt meinem Leben einen Sinn und macht mich glücklich. Das ist eine andere Umschreibung der "Frohen Botschaft", gelebt und umgesetzt im Gebot der "Nächstenliebe".

Vom Ende her denkt auch Markus sein Evangelium. Manche Exegeten drücken es so aus: Markus habe eine Passionsgeschichte mit Einleitung geschrieben. In der Hingabe, im Dienen und Sterben vollzieht er den Willen des Vaters, der durch ihn eine Welt, eine bis dahin andersartige "Weltordnung" aufbaut, in der es keine andere Macht außer der Macht Gottes gibt, die Herrschaft der Liebe. Ein paradiesischer Zustand wird eröffnet, ein Leben ohne Angst, Leid, Trauer.

Von daher zu leben lädt Markus die Christen damals und uns heute ein: Die Gottesherrschaft ist unmittelbar herangekommen und so braucht es Umkehr und Glauben als Konsequenz daraus: Unsere gewohnten Lebensnetze zu leeren von all den Dingen, die Macht haben über uns, unsere "weltlichen Götter": Geld, Sicherheit, Ansehen, Erfolg, menschliche Eitelkeiten. Die Blickrichtung zu ändern und niemanden auszuschließen, denn Gott hat das Heil aller Menschen im Blick, auch das derer, die in der Kirche scheinbar nicht dazugehören.

"Dein Reich komme, dein Wille geschehe im Himmel wie auf Erden." So beten wir im Vaterunser. Können Sie aus tiefstem Herzen in jeder Situation ihres Lebens dazu "JA" sagen, "dein Wille geschehe"? Die Märtyrer und Märtyrerinnen der Kirche von Anfang an bis heute leben uns das vor. Sebastian, den unsere Schützenbruderschaften an diesem Sonntag verehren, genauso wie die Opfer der NS-Zeit, wie das Volk der Juden, das in Auschwitz sechsmillionfach vergast wurde, wie auch die Christen, die heute in vielen Ländern Afrikas oder auch im Nahen Osten verfolgt und getötet werden. Dein Wille geschehe:

Dieses Evangelium lädt ein, auf das Ende Jesu zu sehen, im Dienen und Hingeben, in geschwisterlicher Liebe zu leben, eine neue Blickrichtung einzunehmen, auf dass spürbar wird: Die Zeit ist erfüllt. Das Reich Gottes nahe.

  • Lesen der Bibelstelle Mk 1,14-20

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    14 Nachdem Johannes ausgeliefert worden war, ging Jesus nach Galiläa;
    er verkündete das Evangelium Gottes

    15 und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe.
    Kehrt um und glaubt an das Evangelium!

    16 Als Jesus am See von Galiläa entlangging,
    sah er Simon und Andreas, den Bruder des Simon,
    die auf dem See ihre Netze auswarfen;
    sie waren nämlich Fischer.

    17 Da sagte er zu ihnen: Kommt her, mir nach!
    Ich werde euch zu Menschenfischern machen.

    18 Und sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm nach.

    19 Als er ein Stück weiterging,
    sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes;
    sie waren im Boot und richteten ihre Netze her.

    20 Sogleich rief er sie
    und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit seinen Tagelöhnern im Boot zurück
    und folgten Jesus nach.

Gebetsvorschlag

Gott des Lebens und der Liebe,
manches Mal läuft das Leben an uns vorbei.
Vor lauter Geboten, Paragraphen und Anweisungen
sehen wir Dich nicht mehr, den Gott, der unser aller Heil will.
So rufst Du in unsere Gegenwart:
Seht Mich, spürt Mich! 
Ich bin unter euch!
Mein Reich ist nahe,
kehrt um, lasst euch verändern, erneuern.
Lehre uns Deinen Ruf zu hören
und von ihm Zeugnis zu geben.
Mache uns zu Menschen,
die Deine Frohe Botschaft vorleben,
die Deinen Willen geschehen lassen,
geschwisterlich liebend im Miteinander und Füreinander.
Schenke uns Vertrauen und Glauben.
Amen.

Meditation

Gott,

Du bist jetzt da,

in uns allen.

Dein Reich ist jetzt spürbar da,

in der Gegenwart, die ich erfahre.

Deine Liebe und Hingabe sind jetzt da,

   in Brot und Wein,

   in Leib und Blut Jesu

und im Lebensbeispiel der vielen,

in Vergangenheit und Gegenwart,

die ihr Leben aus Liebe zu Dir hingegeben haben.


Gott,

aus Deiner Gegenwart jetzt

will ich das Leben denken:

Dein Wille geschehe

und die Erde wird zum Paradies,

   ein Ort erfüllt

   von Liebe und Güte,

   ohne Angst, Leid und Trauer.


Gott,

die Zeit ist erfüllt,

jetzt und hier,

und ich verändere meinen Blick,

und sehe das Licht hinter dem Horizont;

ich sehe auf Dich,

und denke von Dir her mein Leben,

werfe mein Lebensnetz aus:

und der Himmel beginnt

in den Augen und den Herzen der Menschen.

(3. Sonntag im Jahreskreis Lsj B – 20.01.2021 © Christian Scheinost)