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Impuls zum 4. Adventssonntag

"Offenheit ist ein Schlüssel,

der viele Türen öffnen kann."

(Ernst Ferstl)


(Bild: Domfenster St. Peter Regensburg
"Verkündigung"
© Christian Scheinost)

Lockdown – das öffentliche Leben ist heruntergefahren, Kontakte beschränkt auf ein paar wenige. Gaststätten, Geschäfte im Einzelhandel und andere Dienstleistungsbetriebe, die nah am Menschen arbeiten, sind geschlossen. Gerade für Eltern von kleinen Kindern bricht nun wieder eine Zeit der Unsicherheit an. Sie stehen mit Blick auf geschlossene Kitas und Schulen erneut vor der Aufgabe, das Familienleben und die Arbeit im Homeoffice zu koordinieren, und das ist in der heutigen Zeit nicht einfach.

Ein Teil der Bevölkerung in unserem Staat begrüßt diese Maßnahmen außerordentlich und hält sie für richtig, andere sagen, das ist "Quatsch" und bringen Verschwörungstheorien ins Spiel oder weisen auf einen "Kontrollverlust" hin, erzeugt durch einen autoritär regierten Staat.

Der Lockdown oder Shutdown ist eine nicht zu unterschätzende menschliche Herausforderung, denn das gewohnte Leben bis dahin gestaltete sich ganz anders: Noch im Februar war es angefüllt, manchmal zum "Überlaufen" voll mit Plänen und Verpflichtungen, voller Kalender, voller Kopf, volles Herz. Zuweilen stöhnten wir "damals" über den Stress und den Druck und auf der andere Seite gab es uns wiederum eine feste gewohnte Struktur und Sicherheit, die wir auch nicht missen wollten. Und so fiel es schwer, sich einzulassen auf das Unverfügbare und Überraschende, das nicht Planbare und nicht nur im alles Machbaren zu leben, sondern neues andersartiges Leben zuzulassen. Diese Herausforderung stellt sich nun wieder, eine Not-wendende Veränderung einzugehen, um eine gute gesündere Zukunft zu haben.

Eine Not-wendende Veränderung ist ebenfalls das "innere Thema" des Evangelientextes vom vierten Adventssonntag.

Die Christinnen und Christen, an und für die Lukas sein Evangelium schreibt, ist die Gemeinde am Ende des ersten Jahrhunderts, verfolgt von der römischen Besatzungsmacht und den Juden und die nun ihr Profil als Kirche finden wollen: Den Auftrag Jesu, der nicht so bald wiederkommen wird, mit ihren Möglichkeiten und Fähigkeiten diakonisch-missionarisch weiterzutragen und in den kommenden Generationen zu verankern. Und dazu brauchen die Jünger und Jüngerinnen Jesu Christi eine besondere Haltung, die in der Erzählung der Verkündigung des Herrn an Maria deutlich wird. Nicht der Mensch ist Gott und macht die Kirche, den Glauben, sondern Gott selbst im und durch den Menschen, dies bekräftigt der Engel: Das göttliche Handeln ist Not-wendend, das Heil des Menschen ist im Blick und die Erlösung zugesagt und doch auch unverfügbar. Sicherlich bedeutet das nun nicht ein "Ja-und-Amen-sagen" zu allem, was da kommt, sondern eben eine Bereitschaft, eine positive Offenheit, sich von Gott und seinem Geist erfüllen zu lassen, aus seinem Atem heraus mein Leben zu leben und bereit zu sein, IHN zur Welt zu bringen.

Dieser Sonntag lädt uns ein aus der Haltung Mariens zu leben, offen bereit Veränderungen zuzulassen. Denn wer glaubt, für den gibt es keine Zufälle nur Fügungen. Gott ist mit dir.

  • Lesen der Bibelstelle Lk 1,26-38

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    26 Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott
    in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret

    27 zu einer Jungfrau gesandt.
    Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte.
    Der Name der Jungfrau war Maria.

    28 Der Engel trat bei ihr ein und sagte:
    Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.

    29 Sie erschrak über die Anrede
    und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.

    30 Da sagte der Engel zu ihr:
    Fürchte dich nicht, Maria;
    denn du hast bei Gott Gnade gefunden.

    31 Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn wirst du gebären;
    dem sollst du den Namen Jesus geben.

    32 Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden.
    Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.

    33 Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen
    und seine Herrschaft wird kein Ende haben.

    34 Maria sagte zu dem Engel:
    Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? 

    35 Der Engel antwortete ihr:
    Heiliger Geist wird über dich kommen und Kraft des Höchsten wird dich überschatten.
    Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.

    36 Siehe, auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen;
    obwohl sie als unfruchtbar gilt, ist sie schon im sechsten Monat.

    37 Denn für Gott ist nichts unmöglich.

    38 Da sagte Maria: Siehe, ich bin die Magd des Herrn;
    mir geschehe, wie du es gesagt hast.
    Danach verließ sie der Engel.

Gebetsvorschlag

DU Gott Immanuel, Du Gott mit uns,
du bist der feste Grund, der uns Halt gibt,
das Fundament, das uns trägt.
Auf dich können wir bauen, dir vertrauen.
Und doch: Du bist auch unverfügbar,
du bist kein Gott, den wir uns biegen können, wie wir dich brauchen.
Lass uns erahnen und spüren,
dass du, so wie du bist: nahe und fern,
durch uns neu in diese Welt geboren werden willst.
Öffne unsere Herzen jetzt für dich,
für dein Dasein und in unserem Leben.
Lass uns zu Dir Ja sagen wie Maria. 
Amen.

Meditation

GOTT,

Du bist jetzt da.

Vor DIR sitze ich

und lege meine Hände zusammen,

geformt zu einer Schale.


Ich strecke sie dir entgegen

und lade dich ein,

   sie zu füllen, sie anzufüllen

mit deiner Gegenwart,

mit deiner Liebe, die du zu mir hast,

mit deiner Freude, die den Himmel anbrechen lässt.


Dein Wille soll geschehen,

in mir und durch mich.

Dein göttlicher Atem durchströme mich,

damit DU zur Welt kommen kannst,

   menschlich,

   wertschätzend,

   hoffnungsvoll,

   lichtreich.


DU, mein Gott Immanuel,

Du bist mit mir

im Heute und im Morgen.

Mit dir gelingt das Leben immer

und die Erde atmet den Himmel.

(4. Adventssonntag Lsj B – 17.12.2020 © Christian Scheinost)