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Impuls zum vierten Ostersonntag

Dein Ort ist,

wo Augen

dich ansehen.

Wo sich

die Augen treffen,

entstehst du!

(Hilde Domin)


(Bild:
Regensburg Dom St. Peter – Glasmalerei:
Maria begegnet Elisabeth  
© Christian Scheinost)

"Dein Ort ist, wo Augen dich ansehen. Wo sich die Augen treffen, entstehst du. Von einem Ruf gehalten, immer die gleiche Stimme, es scheint nur eine zu geben, mit der alle rufen. Es gibt dich, weil Augen dich wollen, dich ansehen und sagen, dass es dich gibt."

Mit diesen Strophen des Gedichts "Es gibt Dich" beschreibt die im Jahre 2006 verstorbene deutsche Schriftstellerin jüdischen Glaubens Hilde Domin das "Angesehen-Werden" und "Angesprochen-Werden", durch das wir entstehen und wachsen. Gerade für uns Christinnen und Christen ist das "Ansehen" bzw. "Ansprechen", das wahrhaftig den anderen meint und seine Lebens- und Glaubenssituation im Blick hat, ein wichtiger Pfeiler der Nächstenliebe, die uns aufbrechen lässt, aufeinander zuzugehen und eine gelungene Gemeinschaft aufzubauen. Auch die Lehren und Ergebnisse der heutigen Neurobiologie und Genetik bestätigen, wie "Liebe" oder "Sorge" Motor der menschlichen Entwicklung sind.

Jedoch bei diesem Motor scheint es einen ernst zu nehmenden Motorschaden zu geben: z. B. ein Virus. In immer neuen Mutationen hält es uns auf der ganzen Welt in Atem und verändert das "Ansehen" und "Ansprechen". Menschen fühlen sich allein gelassen, und das belastet die Psyche: Folgen sind statt Weiterentwicklung Isolation, Existenzängste, Perspektivlosigkeit.

Oder: Eine Weiterentwicklung zu einem gesünderen Weltklima scheint Fehlanzeige zu sein, solange die Regierungen unserer einen Welt zwischen Ignoranz und ökologischem Amoklauf gefangen sind und der Profit stetig über den Erhalt des Lebensraums der Menschen gestellt wird.

Oder: Das Leben in der Kirche in Deutschland, in den Bistümern und Gemeinden scheint von einer immer ängstlicheren Weiterentwicklung geprägt zu sein, ein "um sich selbst kreisen" und die Suche nach Wegen, sich selbst zu erhalten.

Unser Bistum hat mit der Synode den Kurs zu einer missionarisch-diakonischen Kirchenentwicklung eingeschlagen: Sie weiß sich an die Ränder geschickt, dort, wo die Armen und Entrechteten leben und die, die viele gerne als "Ungläubige", "Kirchenferne" bezeichnen. Im Grunde geht es darum, sich dem Anderen in seiner eigenen Lebenssituation zuzuwenden, sich für ihn zu interessieren, zuzuhören, sich von ihm berühren zu lassen, weiterzudenken und letztlich sich vom Geist Gottes, vom Geist und der Haltung Jesu Christi verändern zu lassen.

Johannes will mit dem Text des Evangeliums an diesem vierten Ostersonntag seiner Gemeinde damals "ähnliches" vermitteln. Er schreibt an und für eine Gemeinde, die geprägt ist von Judenchristen und Heidenchristen mit unterschiedlicher Nähe und Ferne zum Glauben an Jesus Christus. Wie gehen sie damit um, damit die Lehre nicht verfälscht wird, ist die Frage. Johannes antwortet mit dem Blick auf Jesus Christus, der der gute Hirte ist, der Auferstandene, der sein Leben für alle Menschen hingibt und dabei nicht fragt, ob sie das verdient hätten oder seinen Einsatz würdigen. Er fragt nach allen Menschen und will ihnen durch seine ganze Existenz eindringlich Gottes befreiende und helfende Liebe verdeutlichen.

Der gute Hirte ist ein starkes Bild für das Handeln Gottes an den Menschen und lädt uns alle ein, selbst Hirt und Hirtin zu sein, Jesus nachzufolgen, damit sich der Glaube in den Herzen der Menschen verankert. Machen wir etwas daraus!

  • Lesen der Bibelstelle Joh 10,11-18

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    11 Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.

    12 Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören,
    sieht den Wolf kommen, lässt die Schafe im Stich und flieht;
    und der Wolf reißt sie und zerstreut sie. Er flieht,

    13 weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt.

    14 Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich,

    15 wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne;
    und ich gebe mein Leben hin für die Schafe.

    16 Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind;
    auch sie muss ich führen und sie werden auf meine Stimme hören;
    dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten.

    17 Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen.

    18 Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es von mir aus hin.
    Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen.
    Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen. 

Gebetsvorschlag

Auferstandener Christus, du guter Hirte,
wir sehnen uns nach einem erfüllten Leben,
nach einem "Angesehen-Werden“ und "Angesprochen-Werden",
nach Wertschätzung, nach gelungenen Beziehungen.
Und doch oft genug sind wir auch gefangen
in den Sorgen und Mühen des Glaubensalltags,
festgehalten von Wünschen und unerfüllten Sehnsüchten.
Deine Vision eines Lebens in Achtung, Freiheit und Liebe
für jeden einzelnen Menschen,
macht Mut aufzubrechen, Neues zu wagen, Ostern zu erspüren,
das Leben im Tod, dich den Auferstandenen,
der mich niemals aufgibt, mich annimmt, gleichgültig wie ich bin.
Schenke uns Vertrauen, uns von dir führen zu lassen.
Amen.

Meditation

Du bist Gottes Kind,

du bist sein Sohn, seine Tochter,

nicht ein Produkt des Zufalls, eine Nummer,

vielmehr: einzigartig, einmalig,

besonders, unverwechselbar.


Du bist Gottes Tochter, Gottes Sohn

und ER ist dein mütterlicher Vater,

deine väterliche Mutter,

der gute Hirt,

der dich mit deinem Namen anspricht

dir Wertschätzung und Ansehen gibt,

dir nachläuft und entgegenläuft,

der sich hingibt für dich,

ohne Leistung und Verdienst zu erwarten.

Denn: ER liebt dich

   grenzenlos,

   bedingungslos.


Du bist Gottes Sohn, Gottes Tochter,

angesehen und wertgeschätzt!

Und: Er lädt dich ein,

selbst Hirte und Hirtin zu sein,

das Leben in Fülle spürbar werden zu lassen.


(4. Ostersonntag Lsj B – 21.04.2021 © Christian Scheinost)