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Impuls

4. Sonntag im Jahreskreis

"Die größte Entscheidung

deines Lebens liegt darin,

dass du dein Leben

ändern kannst,

indem du

deine Geisteshaltung

änderst."

(Albert Schweitzer)

(Steg am Chiemsee/Bayern 
© Christian Scheinost)

Die australische Palliativpflegerin Bronnie Ware betreute mehrere Jahre lang sterbende Menschen. In ihrem Buch "5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen" schrieb sie ihre Erkenntnisse nieder. Eines dieser fünf Dinge ist: "Ich wünschte ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu führen."

Viele, sehr viele Menschen verhalten sich so, als würden sie ewig leben: Sie vermeiden alles, was schiefgehen könnte, um Sicherheit zu besitzen. Doch Sicherheit ist eine Illusion.
Wer kann mir garantieren, dass ich morgen noch am Leben bin?

Deine Zeit ist begrenzt! Es gibt keinen Grund, nicht zu versuchen, das Beste aus deinem Leben zu machen, selbstbestimmt und frei dein Menschsein auszuleben.

Und doch ist es, so meine Wahrnehmung, anders. In einem Fremdbestimmt-Sein, in Unfreiheit, einem Beherrscht-Sein scheint das gegenwärtige Leben zu 90 % abzulaufen. Hineingeboren in eine Familie, Gesellschaft, aufgenommen in eine weltliche und religiöse Gemeinschaft, hineingewoben in positive und negative Lebenssituationen, all das fordert von uns Regeln zu befolgen, die allen ein Leben in Sicherheit und Frieden, in Gerechtigkeit und Wohlstand eröffnen.

Fremdbestimmung erfahren wir darüber hinaus durch unbewusste Triebregungen, "nicht Herr im eigenen Haus zu sein", so sagt es der Psychoanalytiker Siegmund Freud. So z.B. der Trieb Hunger: Hungrige Menschen kaufen im Supermarkt mehr ein als satte. Ängstliche Menschen unterschreiben leichter einen Versicherungsvertrag. Und auch Gewohnheiten oder Emotionen treiben uns zuweilen zu Taten, die wir mit klarem Verstand nie tun würden. Fremdbestimmt zu leben und leben zu müssen begegnet uns also mittels Menschen, Lebensumständen und persönlichen Eigenheiten. Und dabei ist die Gefahr nicht zu unterschätzen, dieses Leben als unveränderbar an- und hinzunehmen und so in der Haltung einer partiellen Ohnmächtigkeit zu leben.

Eine Lebenshaltung, die viele der Gemeindemitglieder, für die Markus sein Evangelium schrieb, kannten. Sie waren Heidenchristen, wurden verfolgt, sozial diskriminiert, abgelehnt. Sie sind "Dämonen", eine Macht, die das gewohnte Leben hinterfragt. Und Markus will ihnen Mut machen, sich des christlichen Glaubens zu vergewissern und damit auf dem richtigen Weg zu sein.

Mit dem Text von der Heilung des von unreinen Geistern besessenen Menschen zeigt er von Anfang an die Vollmacht Jesu. Mit ihm kommt eine neue Lehre, in der Dämonen und all das, was Menschen zerstören könnte, sie fremdbestimmt, beherrscht und unfrei macht, keinen Platz haben. Jesus ist der Anwalt menschlicher Freiheit und Selbstbestimmung. Er ist der Erlöser. Er führt den Kranken aus der Selbstentfremdung zur "Eigentlichkeit seines Wesens", zur Menschlichkeit. Er lädt ein, als Mensch zu leben, wie Gott den Menschen gemeint hat: Einer, der sich mitteilt, auf Gott und aufeinander bezogen lebt, in der Kraft der Liebe unterwegs ist und so das Leben gestaltet und den Himmel auf Erden anbrechen lässt.

Die Einladung geht an uns, dich und mich: Lass Dich von IHM befreien zu einem Menschsein, das den Himmel in sich trägt. LEBE dein Leben.

  • Lesen der Bibelstelle Mk 1,21-28

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    21 Sie kamen nach Kafarnaum. Am folgenden Sabbat ging er in die Synagoge und lehrte.

    22 Und die Menschen waren voll Staunen über seine Lehre;
    denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, nicht wie die Schriftgelehrten.

    23 In ihrer Synagoge war ein Mensch, der von einem unreinen Geist besessen war.
    Der begann zu schreien:

    24 Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret?
    Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen?
    Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes.

    25 Da drohte ihm Jesus: Schweig und verlass ihn!

    26 Der unreine Geist zerrte den Mann hin und her und verließ ihn mit lautem Geschrei.

    27 Da erschraken alle und einer fragte den andern:
    Was ist das?
    Eine neue Lehre mit Vollmacht: Sogar die unreinen Geister gehorchen seinem Befehl.

    28 Und sein Ruf verbreitete sich rasch im ganzen Gebiet von Galiläa.

Gebetsvorschlag

DU, lebensspendender Gott,
hast uns den Auftrag und die Vollmacht gegeben,
das Evangelium zu verkünden in aller Welt.
In dem, was wir sagen und tun, sollst DU zu erkennen sein,
DU, der unserem Leben einen Sinn und ein Ziel gibt,
DU, der uns befreit aus Angst und Not und vom Tod.
Und doch ist es manchmal ganz anders,
da sind wir wie besessen, fremdbestimmt, gefangen in unserem ICH,
in unseren Süchten, in den Eitelkeiten und in der Macht.
Da spüren die Menschen uns, aber nicht Dich.
Befreie uns von den Geistern, die uns besitzen,
   und die uns von dir trennen wollen.
Mache uns neu nach Deinem Bild,
so werden wir Deine Botschaft leben,
dort, wo wir Tag für Tag stehen.
Amen.

Meditation

LEBE

dein Leben,

das Gott dir geschenkt hat.


LEBE

nicht am Leben vorbei,

fremdbestimmt,

unfrei,

beherrscht vom "müssen" und "nicht dürfen".


LEBE

menschlich,

frei und selbstbestimmt

für und mit Gott,

deinem Erlöser.


LEBE

aus dem Glauben

und dem Vertrauen auf Gott,

und jeder "unreine Geist"

wird sich verwandeln,

dein Leben gesunden.


LEBE

und strahle aus:

Hoffnung,

Zuversicht,

Stärke,

Liebe.


LEBE!


(4. Sonntag im Jahreskreis Lsj B – 28.01.2021 © Christian Scheinost)