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Impuls zum 5. Fastensonntag - "Misereor"

"Haltung haben

bedeutet,

anderen

Halt zu geben."

(Helmut Glaßl)


(Bild: Longleat Herrensitz
Südengland 
© Christian Scheinost)

"An der Haltung erkennst Du die Stärke eines Menschen!" Dieses Zitat stammt von der österreichischen Aphoristikerin Katharina Eisenlöffel.
Haltung!
Haben Sie eine Haltung, in der Sie in einer starken Hoffnung ihr Leben so gestalten, dass es für Sie und ihre Umwelt gut, gelungen, geglückt erlebt wird?

Haltung zeigen, Haltung bewahren, Haltung annehmen!
Viele hätten sie gerne, wenn da nur nicht dauernd die Sorge um das Kapital, das Geld oder das "richtige Handeln" wäre wie auch der Opportunismus, eine Haltung, nur das zu tun, was dem eigenen Vorteil nützt und dabei auch die eigene Meinung zu verleugnen.

In den letzten Tagen, Wochen und Monaten wurden wir mit verschiedensten Haltungen konfrontiert, z.B. der Regierungs- und Länderchefs zum Thema Umgang mit der Corona-Pandemie oder am vergangenen Freitag der Aufruf zum "Klimastreik", um eine das Leben gefährdende Klimakatastrophe abzuwenden. Die Kirche zeigt ihre Haltung in diesen Tagen im Umgang mit dem Thema "sexueller und geistiger Missbrauch" und im Umgang mit der Segnung von homosexuellen Paaren.

Haltung – was ist das überhaupt?
Im Lexikon sind darunter viele Begriffe subsumiert, von "inneres Gleichgewicht", Einstellung und Meinung bis zur Körperhaltung, auch Tierhaltung oder Fehlhaltung sind darunter zu finden. Das bringt uns jedoch wenig weiter, aber vielleicht das Statement eines freien Unternehmensberaters aus München: Hans-Peter Lauffs: "Haltung bestimmt unser Verhalten. Wichtiger ist aber wohl, dass sie in Halt gründen muss, also einen Haltepunkt haben muss, um fest und klar sein zu können. Den besten Halt überhaupt gibt meines Erachtens eine von Liebe geprägte, persönliche Beziehung. Aus der Sicht des glaubenden Christen ist Gott die Liebe per se."

Der Glaube an Gott, das Vertrauen in ihn gibt uns einen festen Halt in unserem Leben und lässt uns zu einer Haltung finden, in der wir stark und kraftvoll das Leben gestalten können, es gelingen wird trotz so mancher Enttäuschungen, Misserfolge, Leid, Schmerz und Not.

Das ist auch die Botschaft, die vom Text des Evangeliums an diesem Sonntag ausgeht. Im Hintergrund steht wohl die nachösterliche Heidenmission, Menschen, die nicht vertraut sind mit den jüdischen Traditionen, wollen Jesus sehen und dieses Sehen zielt auf ein mehr hin als das Äußere. "Es muss doch mehr als alles geben!" So drückt es eine der profiliertesten Theologinnen des 20. Jahrhunderts, Dorothee Sölle, aus.

Johannes gibt eine Antwort, eine Haltung von dem "mehr als alles" wieder, die vom ICH zum DU führt. Es ist die Haltung des Gottes Sohnes Jesus, der zeigt, wie Gott ist: einer, der sich herschenkt und dient. Und das lebt Jesus vor: Er gibt sich - im Bild gesprochen - als Weizenkorn in den Acker der Welt und seine Saat ist wahrhaftig aufgegangen, und bringt vielfältige Frucht. Aus seinem unscheinbaren Leben, gestorben als Verbrecher am Kreuz, ist eine Bewegung hervorgegangen: die Kirche, eine Gemeinschaft von Glaubenden, die ihm nachfolgen. Die Christinnen und Christen besitzen Hoffnung und können mit Stärke den kleinen und großen Todeserfahrungen des Lebens die Stirn bieten.

In der Haltung Jesu geht die Welt anders. Es ist der Weg, nicht allein auf sich zu schauen, sich zum Mittelpunkt zu machen, sondern die Haltung der Liebe, die sich einsetzt für ein gelungenes, wahrhaft erlöstes Leben.

Leben wir in dieser Haltung in der Kirche oben und unten und für die Ärmsten der Armen hier bei uns und auf der ganzen Welt.

  • Lesen der Bibelstelle Joh 12,20-33

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    20 Unter den Pilgern, die beim Fest Gott anbeten wollten, gab es auch einige Griechen.

    21 Diese traten an Philippus heran, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und baten ihn:
    Herr, wir möchten Jesus sehen.

    22 Philippus ging und sagte es Andreas; Andreas und Philippus gingen und sagten es Jesus.

    23 Jesus aber antwortete ihnen:
    Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird.

    24 Amen, amen, ich sage euch:
    Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein;
    wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.

    25 Wer sein Leben liebt, verliert es;
    wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben.

    26 Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach;
    und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein.
    Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren.

    27 Jetzt ist meine Seele erschüttert.
    Was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde?
    Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen.

    28 Vater, verherrliche deinen Namen!
    Da kam eine Stimme vom Himmel:
    Ich habe ihn schon verherrlicht und werde ihn wieder verherrlichen.

    29 Die Menge, die dabeistand und das hörte, sagte: Es hat gedonnert.
    Andere sagten: Ein Engel hat zu ihm geredet.

    30 Jesus antwortete und sagte: Nicht mir galt diese Stimme, sondern euch.

    31 Jetzt wird Gericht gehalten über diese Welt;
    jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden.

    32 Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.

    33 Das sagte er, um anzudeuten, auf welche Weise er sterben werde. 

Gebetsvorschlag

Gott, des erlösten Lebens,

Jesus ist das Weizenkorn, das für uns starb

und uns dadurch Glück, Hoffnung, sinnerfülltes Leben schenkte.

In seiner Lebenshaltung wurde er für uns alle zum Brot des Lebens.

Belebe uns durch deinen Geist in unserer Mitte,

damit wir füreinander leben als Menschen,

die sich gegenseitig achten und füreinander einsetzen

und so füreinander Brot sind.

Amen.

Meditation

In der Haltung Jesu

geht das Leben anders.

Da ist ein fester Halt,

der Mut macht,

Hoffnung und Zuversicht schenkt,

selbst im Tod Leben zu erfahren.


In der Haltung Jesu

geht das Leben anders.

Menschen reichen einander die Hand,

damit der Schuld die Vergebung weicht.


In der Haltung Jesu

geht das Leben anders.

Die Ärmsten der Armen sind reich.

Die Entrechteten bekommen Gerechtigkeit.

Die Leidenden erfahren Heilung.

Alle sind Gesegnete. 

Gott ist mit ihnen.
 

In der Haltung Jesu

geht das Leben anders.

Der Himmel berührt die Erde

und die Erde den Himmel:

Die Frucht der Erlösung

ist uns im Hier und Jetzt

und für die Ewigkeit geschenkt.


(5. Fastensonntag Lsj B – 19.03.2021 © Christian Scheinost)