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Impuls zum fünften Ostersonntag

"Es gibt

ein Bleiben

   im Gehen,

ein Gewinnen

   im Verlieren,

im Ende

   einen Neuanfang."

(Lebensweisheit aus Japan)


(Bild:
Scharbeutz/Ostsee 
© Christian Scheinost)

"Love it, change it or leave it!" Vielleicht kennen Sie dieses Zitat des US-amerikanischen Erfinders und Autopioniers Henry Ford. Es bezieht sich auf Situationen des Lebens wie die Arbeit, die Freund- und Partnerschaft, die Wohnsituation, die Freiheit, die körperliche Fitness, sogar auf den Umgang in der Corona Pandemie ist es anzuwenden, und auch auf die Kirche … Im ersten Moment klingt das sehr banal, aber egal, was im Leben ist - es bleiben nur diese drei Wege für Situationen, die uns stören: Die Sache und Situation zu lieben und zu bleiben ("love it") oder, wenn sie uns stören und belasten, zu verändern ("change it"), um sie zu lieben, oder, wenn Veränderungen nicht möglich sind, sie zu verlassen ("leave it"), sich Neuem zuzuwenden.

"Love it, change it or leave it!" oder anders ausgedrückt "bleiben oder gehen" - dahinter stehen Entscheidungen, die von Menschen in Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Kirche stetig, fast täglich getroffen werden. Z.B.: Stehe ich auf oder bleibe ich im Bett? Ist meine Arbeit erfüllend oder muss ich mich verändern? Bleibe ich in der Kirche oder trete ich aus? …

"Love it, change it or leave it?" Dabei ist es ganz wichtig, ehrlich zu sich selbst zu sein, sachlich und positiv das Leben und meine Umwelt wahrzunehmen, zu betrachten, also nicht nur zu meckern und ständig die Schuld bei anderen zu suchen, weil ich mit mir nicht zufrieden bin.

Manchmal gehen Menschen auch faule Kompromisse in ihrem Leben ein, um sich nicht verändern zu müssen. Es fehlt ihnen der Mut. Bleiben heißt "stark sein", Gehen heißt "schwach sein" und niemand will wohl jemand sein, der bei Problemen wegläuft. Andererseits: In einer unguten Situation zu verbleiben macht auch seelisch wie körperlich krank, aggressiv, depressiv, niedergeschlagen und letztendlich unglaubwürdig.

"Gehen oder bleiben?" Eine Fragestellung, die die Situation der johanneischen jungen Gemeinde beschreibt, die vor großen Schwierigkeiten und Herausforderungen steht, ihren Standpunkt in der damals bekannten Welt zu suchen und zu manifestieren. Eine Gemeinde, die von bedingungsloser Liebe spricht, sie aber zuweilen nicht lebt, Spaltung und Abtrennung von Gemeindemitgliedern, Verfolgung und ein "Verstecken hinter verschlossenen Türen" sind Thema. Und Johannes nimmt nun dieses Bild vom Weinstock und den Reben, um mit Nachdruck auf die notwendige Verbindung zu Jesus Christus hinzuweisen, aus der die Gemeinde lebt, gelungenes Leben findet und davon Zeugnis abgibt.

In diesem Bewusstsein zu leben kann bedeuten: Gott führt mich. Er trägt mich durch dieses Leben. Selbst dort, wo nach menschlichem Ermessen alles ans Ende kommt, sind Aufbrüche möglich. Selbst dort, wo menschliche Kräfte an ein Ende kommen, wird Gott noch weiterwirken. Diese österliche Verbundenheit führt zu einer Kraftquelle. Wenn wir unsere Lebenswurzeln in diese Kraftquelle hineintreiben, werden Neuanfänge möglich.

"Love it, change it or leave it!" Mit Gott kann ich das Leben lieben und es ist gut und bereichernd, auch wenn ich nicht alles verstehe und ich auch so manches Mal in den "Warum-Fragen" durchhänge. Doch für mich persönlich ist eine Veränderung oder ein Verlassen nie eine Option. Davon will ich zeugen und dazu lädt uns alle dieses Evangelium an diesem Sonntag ein.

  • Lesen der Bibelstelle Joh 15,1-8

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Winzer.

    2 Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab
    und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt.

    3 Ihr seid schon rein kraft des Wortes, das ich zu euch gesagt habe.

    4 Bleibt in mir und ich bleibe in euch.
    Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann,
    sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt,
    so auch ihr, wenn ihr nicht in mir bleibt.

    5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.
    Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht;
    denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.

    6 Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen und er verdorrt.
    Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer und sie verbrennen.

    7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben,
    dann bittet um alles, was ihr wollt:
    Ihr werdet es erhalten.

    8 Mein Vater wird dadurch verherrlicht,
    dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet. 

Gebetsvorschlag

Du Weinstock, Christus,
durch deinen Tod und deine Auferstehung
sind wir untrennbar mit dir verbunden.
In der Gemeinschaft mit dir
und mit denen, die an dich glauben,
erfahren wir immer wieder eine tiefe Kraft für unseren Alltag,
Vertrauen, das uns dich nicht verlassen lässt,
auch dann nicht, wenn wir unser Leben nicht lieben.
Hilf uns, österliche Menschen zu sein,
Zeugen und Zeuginnen deiner lebenspendenden Kraft,
die an jedem Ende einen Aufbruch möglich macht.
Amen

Meditation

Jesus Christus,

du der Weinstock,

wir deine Reben,

mit dir verbunden

das ist:  

kraftvolles Leben spüren,

   Aufbruch,

      Ewigkeit.


Jesus Christus

mit dir verbunden,

mit dem Quell des Lebens

ermöglicht:

   das Leben zu lieben,

   sich zu verändern

   und wenn notwendig neu zu beginnen.

 

Jesus Christus

verbunden mit dir

und deinem und unserem Vater

lässt be-Geist-ert leben,

   wie viele vor uns

   und auch nach uns,

und so Kirche sein,

vielfältige Gemeinschaft

auf dem Weg zu dem Ort,

an dem der Himmel die Erde berührt.


(5. Ostersonntag Lsj B – 29.04.2021 © Christian Scheinost)