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Impuls

5. Sonntag im Jahreskreis

Verstehen

heißt

heilen.


(Alfred Selacher,

Schweizer Lebenskünstler)


(Abteikirche Maria Laach
© Christian Scheinost)

Der deutsche Autor Kurt Tepperwein hat ein Buch geschrieben mit dem Titel "Du machst mich krank". Diese Aussage macht deutlich, wie sehr Menschen uns im Innersten aufwühlen können. Werden diese Gefühle unterdrückt, führt dies früher oder später auch zu körperlichen Symptomen. Der Zusammenhang von Körper und Geist-Psyche-Seele-Emotion ist schon seit der Antike bekannt und daher rührt auch die Lebensweisheit, die wir alle kennen: "In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist.", folglich "ein kranker Geist in einem kranken Körper".

Wir sprechen heute von psychosomatischen Erkrankungen, die uns erfahren lassen, dass gerade eben etwas schief läuft im Leben des Einzelnen mit Anderen.

Wer also unter einem schlechten Lebensklima im menschlichen Miteinander leidet, wer merkt und befürchtet, gemobbt, belächelt, missachtet zu werden, wer sich unverstanden fühlt, ständig sich als Opfer sieht und damit auch zum Täter wird, indem er seinem Gegenüber Schuld für die eigene Misere zuweist, wer unversöhnlich lebt und die Fehler ständig nachträgt, dessen Wohlbefinden ist beeinträchtigt. Die Psyche reagiert mit depressiven Verstimmungen, Ärger, Angstattacken, der Körper mit Schwindel, Schlafstörungen, Mager- oder Fresssucht u.ä.

Wie können sich Menschen aus diesem krankmachenden Zustand befreien?

Sicherlich braucht es professionellen Rat durch die Ärzte, die helfen die körperlichen und psychischen Symptome zu behandeln. Neben dem scheint mir aber viel wichtiger zu sein, Wege zu gehen, sein seelisches Gleichgewicht wieder zu gewinnen durch positives Denken, Aufmunterung, Hoffen wider alle Hoffnungslosigkeit.

In der wunderbaren Heilungsgeschichte der Schwiegermutter des Petrus (Mk 1,29-39) streckt Jesus seine Hand aus und von einer Sekunde zur nächsten ist die Frau gesund. Doch dieses Wunder kann auch auf einer anderen Ebene gesehen werden, die viel mehr mit unserem Leben zu tun hat, dem Jesus mit seiner Botschaft eine gesundmachende Richtung geben wollte. In der Geschichte lesen wir fast wie in einem Nebensatz "und sie sprachen mit Jesus über sie". Jesus wird hier zum Therapeuten. Er lässt sich die krankmachende Situation erklären und erklärt sie den Anwesenden.

Markus lädt die Christinnen und Christen seiner Gemeinde ein, wie Jesus zu dienen. Er fordert sie auf, quasi Jesu Worte, seine Wunder weitergeschehen zu lassen, damit das Reich Gottes, Gott selbst stets spürbar ist. Neben Heilmethoden sind noch ganz andere Faktoren wichtig, nämlich eine Einstellung zu den Menschen, die sie aufblicken lässt. Es braucht dazu, sie in den Blick zu nehmen, wahrzunehmen, hinzuhören, zu stärken und zu ermutigen, sie zu trösten, Vertrauen und Liebe zu schenken, Geduld zu haben und Hoffnung zu machen. In einer solchen Haltung können Kranke ihr wie auch immer geartetes Kranksein annehmen und damit "gut leben", Frust, partielle Ohnmacht und Depression verkleinern oder gar überwinden und so ein Stück Heilung erfahren. Gerade die vielen pflegenden Angehörige sind die Frauen und Männer, die auch heute Wunder wirken.

In einer solchen Haltung verändert sich die Gemeinschaft der Kirche und der Welt generell. Sie wird lebenswert, liebenswert und lässt die Erde nach Himmel riechen.

Wir sind eingeladen, in dieser Haltung zu leben und das Leben bewusst glücken zu lassen.

  • Lesen der Bibelstelle Mk 1,29-39

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    29 Sie verließen sogleich die Synagoge
    und gingen zusammen mit Jakobus und Johannes in das Haus des Simon und Andreas.

    30 Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett.
    Sie sprachen sogleich mit Jesus über sie

    31 und er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf.
    Da wich das Fieber von ihr und sie diente ihnen.


    32 Am Abend, als die Sonne untergegangen war,
    brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus.

    33 Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt

    34 und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten,
    und trieb viele Dämonen aus.
    Und er verbot den Dämonen zu sagen, dass sie wussten, wer er war.


    35 In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf
    und ging an einen einsamen Ort, um zu beten.

    36 Simon und seine Begleiter eilten ihm nach,

    37 und als sie ihn fanden, sagten sie zu ihm: Alle suchen dich.

    38 Er antwortete:
    Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer,
    damit ich auch dort verkünde; denn dazu bin ich gekommen.

    39 Und er zog durch ganz Galiläa, verkündete in ihren Synagogen
    und trieb die Dämonen aus.

Gebetsvorschlag

Uns heilen wollender Gott,
eines weiß ich ganz genau:
Wenn Du mich berührst mit deiner zärtlichen Hand,
mit deiner Güte und Barmherzigkeit, Liebe und Nähe,
dann gehen mir die Augen und Ohren des Herzens auf
und ich erfahre Erlösung,
ein Herausgelöstsein aus allem, was mich krank machen will.
Dafür danke ich dir.
Und was ich in der Begegnung mit dir erfahre,
will ich weitergeben, den Menschen dienen,
damit meine, unsere Welt ein Stück gesünder,
wärmer und bereichernder wird. Amen.

Meditation

Gott, Du heilst mich

mit deiner Liebe,

die mir Mut macht,

wenn ich mich enttäuscht und verletzt zurückziehen möchte.


Gott, Du gibst mir Halt

schenkst Rückhalt,

der mich stark macht,

wenn ich mich an den Rand gedrängt fühle.


Gott, DU nimmst mich wahr,

DU bist achtsam und aufmerksam:

das macht mich hoffnungsvoll,

wenn mich Sorgen niederdrücken,

Leid und Krankheit mir das Leben schwer machen.


Gott, DU zeigst mir Verständnis,

das mich unbeirrbar voranschreiten lässt

mit meinen Ecken und Kanten auf ungewohnten Wegen.


Gott, DU glaubst immer an mich,

Deine Nähe heilt mich,

lässt mich glauben und vertrauen,

und Berge versetzen

und Wunder wirken.


Und ich?


Ich kann dasselbe tun,

achtsam und verständnisvoll

das Miteinander heilen, verwandeln

und dein Reich anbrechen lassen.

 

(5. Sonntag im Jahreskreis Lsj B – 03.02.2021 © Christian Scheinost)