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Impuls zum siebten Ostersonntag

"Freude

hast du erst,

wenn du

die Freude bist!"

(Michael Marie Jung *1940)

 


(Bild:
Brunnen vor der Glashütte in Bodenmais/Bayern   
© Christian Scheinost)

"Du kannst dir nicht aussuchen, wie du stirbst. Oder wann. Du kannst nur entscheiden, wie du lebst. Jetzt!" (US-amerikanische Folk-Sängerin, Joan Baez).

Im Hier und Jetzt zu leben: Die Gegenwart ist der einzige Zeitpunkt, in der Leben stattfindet. Viele Menschen, so meine Wahrnehmung, leben aus der Vergangenheit, aus der so genannten "guten alten Zeit" und verklären sie. Dabei ist es wichtig zu bedenken, in dieser gesellschaftlichen, familiären oder auch kirchlichen Vergangenheit gab es genauso wie heute menschliche Konflikte, Probleme und Leid, die vergessen sind, denn das Schlechte vergessen Menschen ganz schnell. Daneben gibt es Menschen und Gruppen, die ewig die Zukunft im Blick haben, wie sich das Leben entwickeln wird und die Gegenwart, das Hier und Jetzt aus den Augen verlieren.

Wer in der Gegenwart, im Hier und Jetzt lebt, der kann die philosophische Wahrheit erfahren, dass wir geboren werden, um zu sterben. Jeder Tag ist ein Neubeginn, ein Aufwachen zu neuem Leben und auch ein Sterben, ein Einschlafen in der Nacht, ein Tag, der uns näher dem Himmel bringt.

Jeder Tag ist erfüllt von Veränderung. Veränderung ist ein Zustand, mit dem sich Menschen sehr schwertun, weil dabei ihre Macht, das Leben selbst so zu gestalten, wie sie das für richtig halten eingeschränkt wird. Das geht einher mit einem gewissen Verlust an Sicherheit. Deshalb scheuen wir Menschen Veränderungen. Je nachdem, wie ein Mensch Veränderung verkraftet, in sein Leben integriert, davon hängt sein jetziges und sein zukünftiges Leben ab. In der Regel gibt es hier zwei Varianten: entweder wird ein Mensch weiser, gelassener, steigt auf in eine neue spirituelle Ebene oder er akzeptiert die Situation nicht, wird schwermütig, depressiv, pessimistisch, vorwurfsvoll, nachtragend, ungerecht usw.

Das Johannesevangelium ist an eine Gemeinde am Ende des 1. Jahrhunderts geschrieben. Die Gemeindemitglieder sind Judenchristen, die immer noch an den Synagogengottesdiensten und Wallfahrten teilnahmen und um 85 n. Chr. nun aber aus der Synagoge ausgestoßen werden. In dieser großen Veränderung ist es ihre Aufgabe, ihre Identität als Kirche Jesu Christi zu finden. Es gibt zudem Spaltungen, Menschen verlassen die Gemeinde. Die Situation ist nicht einfach. Johannes lädt mit seinem Evangelium die Christinnen und Christen ein, auf Jesus Christus zu sehen. In ihm ist die Liebe Gottes sichtbar erschienen. Bei aller Veränderung ist es wichtig, sich darauf zu besinnen, was bleibt: Gott bleibt, Gottes Wort und Gottes Wahrheit bleiben. Im Geschehen von Tod und Auferstehung Jesu zeigt er, wie er ist: Gott liebt mich bedingungslos. Er gibt sich für mich hin, damit ich leben kann, in Fülle leben kann, ewiges Leben habe. Diese Botschaft erzeugt Freude, die jeden Tod besiegt.

Freude, das ist das zentrale Wort im Ehvangelium dieses Sonntages. Die Freude darüber, dass Gott da ist und bleibt. In der Gemeinschaft mit ihm, in der Einheit mit Gott leben, schenkt Hoffnung, übermenschliche Kraft, ein Stück Himmel auf Erden im Hier und Jetzt.

Wähle Gott in deinem Jetzt. Bleib in seiner Liebe und finde Freude.

  • Lesen der Bibelstelle Joh 17,6a.11b-19

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sprach:

    6a Vater, ich habe deinen Namen den Menschen offenbart,
    die du mir aus der Welt gegeben hast.


    11b Heiliger Vater,
    bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast,
    damit sie eins sind wie wir!

    12 Solange ich bei ihnen war,
    bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast.
    Und ich habe sie behütet und keiner von ihnen ging verloren,
    außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllte.

    13 Aber jetzt komme ich zu dir und rede dies noch in der Welt,
    damit sie meine Freude in Fülle in sich haben.

    14 Ich habe ihnen dein Wort gegeben und die Welt hat sie gehasst,
    weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin.

    15 Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst,
    sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst.

    16 Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin.

    17 Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit.

    18 Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt.

    19 Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.

Gebetsvorschlag

Das Leben bereichernder Gott,
Dein Sohn Jesus, der den Tod besiegt hat und ewig lebt,
ist das untrügliche Zeichen der Wahrheit,
   dass wir auf dich bauen können,
   dass du da bleibst in guten wie in schweren Zeiten,
   dass du uns bedingungslos liebst,
   dass du treu zu uns stehst.
Lass uns erkennen und eine tiefe Freude erfahren,
wie gut es tut, von dir, Gott getragen, geliebt, erlöst zu sein.
Lass uns aus dir, unserer Lebensquelle, leben,
aufdass die Welt lebenswert wird,
weil wir Menschen liebenswert leben.
Amen.

Meditation

Freue dich

und sei Freude!


Freue dich,

du bist erlöst,

der Himmel ist in dir.

Gott ist mit dir!


Freue dich

und sei Freude,

spüre Stärke

und sei Stärke,

eine Quelle hoffnungsvoller Kraft,

die Unmögliches möglich werden lässt.


Freue dich,

nichts kann dir schaden,

denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in dein Herz,

eine Liebe, die jeden Tod besiegt.


Freue dich,

und sei Freude!

Öffne den himmlischen Lebensraum

für dich, für mich, für uns alle,

atme die Ewigkeit,

die das Leben

in ein ewiges Geglücktsein verwandelt.


(7. Ostersonntag Lsj B –14.05.2021 © Christian Scheinost)