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Impuls zum Hochfest Christi Himmelfahrt

"Halt an,

wo läufst du hin?

Der Himmel ist in dir!

Suchst du Gott

anderswo,

du (ver)fehlst ihn

für und für."

(Angelus Silesius)

 


(Bild:
Waldkapelle Rothe Kreuz   
© Christian Scheinost)

"Jeder Mensch ist auf mystische Gipfelerfahrungen hin angelegt." So sagt es der US-amerikanische Psychologe Abraham Maslow. Gipfelerfahrung, was ist das?

Das Lexikon spricht von Momenten, die von tiefer Ehrfurcht, intensiver Verzückung, von einem Seligsein erfüllt sind, Momente unbeschreiblichen Glücks. Für Maslow wiederum ist das wie ein Besuch im Himmel, Momente, in denen wir das alltägliche Raum- und Zeitgefühlt verlieren, alles, was uns von einem bewusst geglückten Leben trennen will, hinter uns lassen, unsere wahre Identität spüren, eine tiefe Stärke wahrnehmen, die uns zu einer liebenden Öffnung für Andere führt, und berührt sind von den guten Werten, die unser menschliches Sein ausmachen: Wahrheit, Gutheit, Lebendigkeit, Einzigartigkeit, Würde, Gerechtigkeit, … Also Momente, so möchte ich es ausdrücken, in denen wir uns so erfahren, wie wir von Gott gemeint sind. Wir fühlen uns vollständig, ganz. Maslow erklärt, dass diese Gipfelerfahrungen jedem Menschen überall im Alltag offen stehen: "Der Himmel ist überall um uns herum" und ich kann in ihn eintreten überall dort, wo Vollkommenheit passieren kann, in Momenten des Glücks in familiären und partnerschaftlichen Beziehungen, in Gemeinschaftserfahrungen in Staat, Gesellschaft und Kirche und dort, wo eine Aufgabe, ein Dienst, ein Job besonders gut gemacht wird. Und diese himmlischen Momente, Gipfelerfahrungen braucht es. Sie sind so wichtig in einer Welt, die uns immer öfter ihre hässliche Fratze zeigt: Krieg und Leid, Krankheiten und Viren, die Tausende von Menschen dahinraffen, Geltungssucht, Rechthaberei und Egoismus, die jedes menschlich-solidarische Miteinander vergiften und Menschen in den Raum des Unglaubens führen.


Gipfelerfahrungen, Himmelserfahrungen, die wünschen sich alle Menschen, jedoch ganz besonders christliche Menschen in ihrem Leben, um schon im Hier und Jetzt zu spüren und zu erahnen, was ihnen am Ende ihres Lebens geschenkt wird. Und um das zu erreichen, braucht es den Weg des Glaubens, es braucht Offenheit und Respekt für die Welt und die Menschen, eine gelungene und wohltuende Kommunikation, Furchtlosigkeit, gesunde von Liebe geprägte zwischenmenschliche Beziehungen.

Der Schlusstext aus dem Markusevangelium, der am Christi Himmelfahrtstag gelesen wird, wurde erst 100 Jahre später - in der Mitte des zweiten Jahrhunderts - an das Evangelium angefügt. Dahinter steckt, dass der Schluss des ältesten Evangeliums so abrupt war und die Gemeinde in dieser Zeit eine Anleitung brauchte, wie sie die Auferstehung, den Himmel auf Erden durch ihr Zeugnis spürbar machen konnte, um so der Kirche Jesu Christ Zukunft zu geben. Und der Autor dieser Verse lädt ein, den Weg des Glaubens, den Weg eines gelungenen, geglückten Lebens zu gehen, die Dämonen, die von Gott trennen wollen, zu vermeiden, eine wohltuende Sprache, gute Kommunikation zu gestalten, ohne Furcht, schadlos zu leben und zwischenmenschliche Störungen, Krankheiten zu heilen. Damit wird der Himmel auf Erden aufgerichtet, der uns allen durch unsere Taufe auf den Tod und die Auferstehung Jesu am Ende des Lebens verheißen ist.

Himmelfahrt ist die andere Seite von Ostern, das Ziel, zu dem wir alle unterwegs sind. Jesus lädt uns alle ein, daran zu glauben, dass wir für den Himmel bestimmt sind und uns zu freuen, denn er steht an unserer Seite im Himmel und auf Erden. Und er lädt uns ein, den Himmel auf Erden spürbar und erfahrbar zu machen.

  • Lesen der Bibelstelle Mk 16,15-20

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    15 Dann sagte er zu ihnen:
    Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung!

    16 Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet;
    wer aber nicht glaubt, wird verurteilt werden.

    17 Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen:
    In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden;

    18 wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden;
    und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden.

    19 Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte,
    wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes.

    20 Sie aber zogen aus und verkündeten überall.
    Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte das Wort durch die Zeichen, die es begleiteten.

Gebetsvorschlag

Gott des Lebens,
in der Erinnerung an die Himmelfahrt deines Sohnes danken wir dir,
weil du uns in IHM einen Weg zu einem erfüllten Leben gewiesen hast.
Gib, dass wir nicht nach oben schauen
und die Welt vergessen, in der wir leben.
Ermutige uns vielmehr dazu, Jesus nachzufolgen,
furchtlos für die Wahrheit einzutreten,
eine wohltuende Kommunikation zu gestalten
und so Zeugnis von deinem Reich zu geben,
den Himmel auf Erden spürbar zu machen. 
Dazu schenke mir, uns deine göttliche Kraft. Amen.

Meditation

HIMMEL

Wo ist er?

Was ist er?

Himmel,

der Raum ewig geglückten Lebens,

der Raum ewigen Geliebtseins,

ewige Glückseligkeit.


HIMMEL

Die Ewigkeit ist schon auf Erden,

spürbar, erfahrbar in deinem Leben,

nämlich dort, wo

   das Leben furchtlos gelebt wird,

   das Miteinander wohltuend, gelungen ist,

   Konflikte und Störungen in Liebe geheilt werden.


HIMMEL

Du kannst ihn besuchen,

dich freuen und glückselig sein,

jeden Tag,

jede Minute,

jede Sekunde deines Lebens,

in denen du dir bewusst bist:

   Ich bin auf ewig geliebt,

   angenommen, bejaht,

   von Gott, meinem Vater.


HIMMEL

Er öffnet sich im Gebet,

im offenen und wohltuenden Dialog mit deinem Gott.

Und in der Tiefe deines Herzens spürst du:

   Gott steht überall

   und immer an meiner Seite.


(Zum Hochfest Christi Himmelfahrt Lsj B – 10.05.2021 © Christian Scheinost)