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Impuls

Christkönigssonntag

"Christus,

unser König,

glaubwürdig,

hoffnungsvoll,

erlösend."


(Christus Pantokrator –
Der thronende Christus
am Kreuz –
Kirche St. Jakob Regensburg
© Christian Scheinost)

 

"Es heißt, dass wir Könige auf Erden die Ebenbilder Gottes seien. Ich habe mich daraufhin im Spiegel betrachtet. Sehr schmeichelhaft für den lieben Gott ist das nicht." So sagte es ein König, Friedrich der Große (1712-1786).

Wenig schmeichelhaft, vielleicht gerade deshalb, so meine Hypothese, weil seine Vorstellung von Gott wenig zu seiner persönlichen menschlichen Lebensweise vom Königsein passte. Auf der einen Seite der glorifizierende, bedingungslos liebende, gütige, gerechte Gott und auf der anderen Seite, selbstkritisch betrachtet, ein "ins Alter gekommener", mächtiger, aber auch fehlerhafter Mensch.

Es gibt nicht wenige Menschen in dieser Welt, die König und Königin sein wollen, die Macht ausüben gegenüber anderen, bestimmen wollen, wie es zu laufen hat. Selbst wir Christinnen und Christen sind in der Taufe - nach dem Vorbild Christi - zu Königen und Königinnen mit Chrisam gesalbt worden.

Ein Synonym für König ist Herrscher sein. Der Wunsch, das Leben "beherrschen" zu können, steckt in jedem Menschen. Es ist die Macht des Stärkeren, die Sehnsucht nach Sicherheit und die Fähigkeit, etwas besonders gut bzw. besser zu können. Dieses Beherrschen wird in der Bibel beschrieben. Die ersten Bücher des Alten Testaments sind weniger Tatsachenberichte als Beschreibungen des Wesens des Menschen: Er will Gott sein, und trägt in sich die Gefahr, andere dadurch zunichte zu machen, um selbst gut dazustehen. Herrschen und Beherrschen sind die Themen der Politik in unserem Land und in der Welt in Bezug auf die Maßnahmen im Umgang mit dem Coronavirus oder dem Erreichen der Klimaziele zum Erhalt der Schöpfung für kommende Generationen. Um Herrschaft und Macht geht es auch im Flüchtlingsdrama jetzt zwischen Belarus und Polen und den Staaten der EU. Daneben kennen wir alle die Herrschaft der Wissenschaft, des Fortschritts und der Medizin. Auch in der Kirche von heute, oben an der Leitung und unten an der Basis in den unterschiedlichsten Gremien und Gruppen spüren Menschen zuweilen Macht, Herrschaft und ein Beherrschen, das den Einzelnen in seiner je eigenen unheilen Lebenssituation scheinbar aus dem Blick verliert.

Der Evangelist Johannes nimmt am Ende des 1. Jahrhunderts wahr, dass es Strömungen gibt, die das Menschsein Jesu ausklammern, ihn nur als Gott bekennen und so die Menschen in ihrer Lebenssituation nicht verstehen können. Sein Evangelium wendet sich dagegen. Gerade in der Passionsgeschichte zeigt er Jesus als den leidenden Menschen, der von Pilatus aus dessen Sicht als politischer Unruhestifter, der sich zum König erklärt und gegen die römische Herrschaft erhebt, zum Tode verurteilt worden ist. Zugleich ist er Gott, denn sein Königsein unterscheidet sich von den Herrschern dieser Welt. Das Fundament der Macht seines Königseins ist die Wahrheit, gemeint ist die Wahrheit, die von Gott kommt und die Gott selbst letztlich ist.

Christus der König lädt uns, seine Kirche, ein, wie er, gleichfalls königlich zu leben im Verständnis für die Menschen und in der Bereitschaft Ihm auf seinem Weg zu folgen, also dafür auch Nachteile in Kauf zu nehmen. Doch nicht verzagen, wir sind dann in der guten Gesellschaft mit Christus.

Wir sind eingeladen darüber nachzudenken und glaubwürdige Wege zu gehen.

  • Lesen der Bibelstelle Joh 18,33b-37

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    In jener Zeit
    33b fragte Pilatus Jesus: Bist du der König der Juden?

    34 Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus oder haben es dir andere über mich gesagt?

    35 Pilatus entgegnete: Bin ich denn ein Jude?
    Dein Volk und die Hohepriester haben dich an mich ausgeliefert. Was hast du getan?

    36 Jesus antwortete: Mein Königtum ist nicht von dieser Welt.
    Wenn mein Königtum von dieser Welt wäre,
    würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde.
    Nun aber ist mein Königtum nicht von hier.

    37 Da sagte Pilatus zu ihm: Also bist du doch ein König?
    Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König.
    Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen,
    dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege.
    Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme. 

Gebetsvorschlag

Uns liebender Gott,
du hast uns alle in der Taufe zu Königen und Königinnen gesalbt
und berufen, Jesus Christus glaubwürdig nachzufolgen.
Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben,
unser König mitfühlend und nahe im Leben
und der leidende Erlöser am Kreuz.
Das Vertrauen auf dein Mitsein macht uns stark,
selbst Zeugnis zu geben für unseren Glauben
und solidarisch an der Seite der Menschen zu stehen,
die unseren Beistand brauchen, selbst wenn es für uns unbequem ist.
Begleite uns mit deiner Gnade
und lass uns nicht müde werden,
die Verantwortung für deine Wahrheit in dieser Welt wahrzunehmen.
Amen.

Meditation

CHRISTUS

KÖNIG,

göttlicher Mensch,

an meiner Seite stehst du,

siehst mich,

fühlst mit mir.

Deine Nähe macht mir Hoffnung,

schenkt mir Mut,

gibt mir Zuversicht und Stärke,

denn ich kann nicht tiefer fallen

als in deine Hände.
 

CHRISTUS

KÖNIG,

menschlicher Gott,

du leidest mit mir und für mich,

du stirbst mit mir und für mich,

du erlöst mich.

Mit DIR

ist der Tod lebenswert,

die Dunkelheit erhellt,

das Leid sinnvoll.
 

CHRISTUS

KÖNIG,

Gott und Mensch,

mit dir bin ich königlich

und lebe glaubwürdig,

hoffnungsvoll,

erlösend.


(Christkönigssonntag Lsj B – 19.11.2021 © Christian Scheinost)