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Impuls zum Dreifaltigkeitssonntag

"Freude und Zweifel

gehören

zu einem

gelungenen Leben"

(Papst Franziskus)


(Bild:
Kirchturm St. Peter und Paul
Bad Hönningen   
© Christian Scheinost)

"Zweifel ist zwar kein angenehmer geistiger Zustand, aber Gewissheit ist ein lächerlicher." (französischer Philosoph und Aufklärer François-Marie Voltaire)

Für mich ist, ohne Frage, Zweifeln heute wichtiger denn je. In einer Welt, in der sich Fake News und Verschwörungstheorien in Windeseile über die Medien, Internet, Twitter und Facebook oder durch die Klatschspalten der Illustrierten verbreiten und von vielen wahrheitsgemäß geglaubt werden, ist es dringend notwendig, innezuhalten und zu überprüfen, ob das alles überhaupt stimmen kann. Zudem leben wir in einer Weltenzeit, in der alles machbar zu sein scheint und daher Zweifler als Miesepeter, Bremser und Nörgler wahrgenommen werden.

Die aktuelle Krise der Pandemie, die nicht vorbei ist, rüttelt seit 14 Monaten an unseren menschlichen Grundbedürfnissen nach Kontrolle, Gewissheit, Struktur und Sicherheit, gerade auch für uns Christinnen und Christen im Blick auf das so gewohnte kirchliche Leben. Die Reaktionen darauf sind vielfältig, von Schockstarre, über ein Kämpfen ums eigene Überleben, bis hin zu völlig neuen Wegen in die Zukunft. Jetzt richtig entscheiden …! Und was ist richtig?

Im kirchlichen Kontext wird zudem bis heute Zweifeln als "schlecht", als kontraproduktiv beurteilt, das in jedem Fall zu überwinden ist, um ein "frommer Christ" zu sein! Und: Ist das wirklich so?

Ohne Zweifeln würde es keinen Fortschritt geben und auch keine das Leben positiv verändernde, bahnbrechende Erfindungen: Die Emanzipation der Frauen hätte es nie gegeben, wenn nicht Menschen die männliche Ordnung angezweifelt, hinterfragt hätten. Ohne Hinterfragen, Reflektieren der eigenen, zuweilen auch absolut gesetzten, Position gibt es keine Annäherung im Sinn eines kompromissvollen Gebens und Nehmens in Konflikten.

Zweifel haben die Kraft, meinen Glauben zu stärken! Wie soll das gehen?

Zweifel bringen Farbe in mein Schwarz-Weiß-Denken, durchbrechen die Oberfläche, nehmen Schwachstellen, Defizite, Fehlinformationen wahr und führen in die Tiefe, zu einer eigenen Meinung, mit der ich authentisch Zeugnis geben kann. Und Zweifel machen mich demütig für andere Meinungen und Einstellungen.

Matthäus formuliert mit dem Schlusskapitel seines Evangeliums den Auftrag, den Jesus jedem einzelnen Mitglied seiner Kirche gegeben hat, damit die Frohe Botschaft weiterwirkt, die ganze Welt durchwirkt wie ein Sauerteig: Eine Geh-hin-Kirche, die alle Menschen in den Blick nimmt, sie begleitet und das gegenwärtig, alltägliche Leben christlich deutet. Einander begleiten, fair miteinander leben, gerecht, beschenkend, vergebend, das ist der Urstoff der Frohen Botschaft, die die Welt verändert, menschlicher, lebenswerter, liebenswerter macht. Es geht nicht um ein Belehren von Glaubenswahrheiten, sondern das Leben immer neu wahrnehmen und im Blick auf Jesu Botschaft deuten.

Kann ich das? Bin ich dazu fähig? Das waren die Fragen der Menschen in den christlichen Gemeinden damals und sie sind es bis heute geblieben. Für Matthäus ist es wichtig, seine Gemeinde zu ermutigen, diese Fragen und Zweifel zuzulassen, und er lädt sie ein, im Bewusstsein von Gott, dem mütterlichen Vater, liebenden Sohn und der schwesterlichen Geisteskraft zu leben und so glaubwürdig, authentisch zu verkünden.

Wir sind eingeladen, uns senden zu lassen mit unseren Fragen und Zweifeln.

  • Lesen der Bibelstelle Mt 28,16-20

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    16 Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte.

    17 Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder, einige aber hatten Zweifel.

    18 Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen:
    Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde.

    19 Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern;
    tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes

    20 und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.
    Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

Gebetsvorschlag

Du Gott, einer,
in den drei Personen Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Das Geheimnis deines Wesens erahnen wir
in deiner Liebe, deinem Erbarmen, deiner Freude und Anteilnahme,
deiner vorurteilslosen Gerechtigkeit, deiner gelungenen Gemeinschaft.
Und doch zweifeln wir auch und hinterfragen dich,
weil wir nicht begreifen, weil wir wissen wollen,
weil die Welt, in der wir leben, oft so hart, kalt, ungeschwisterlich ist.
Stärke uns durch dein Mitsein,
den Weg des Zweifelns, des Hinterfragens anzunehmen,
um dich tiefer kennenzulernen und deine frohmachende Botschaft
authentisch, glaubwürdig zu verkünden.
Amen.

Meditation

DU Gott,

Vater, Sohn und Geist,

du liebst mich

   bedingungslos,

vergibst mir

   bedingungslos,

schenkst mir deine Nähe

   alle Tage bis zum Ende der Welt.


DU Gott,

mütterlicher Vater,

bedingungslos liebender Sohn,

lebenspendender Geist,

du umarmst mich,

umfängst mein Leben,

   in meiner Freude

   und in meinem Nicht-Verstehen,

   mit meinen Zweifeln und Fragen.


DU Gott,

zu dir gehöre ich:

Ich bin getauft auf dich, den Dreifaltigen,

und gesandt in diese Welt,

jedes Leben wertzuschätzen,

jeden Menschen anzunehmen,

ihn zu begleiten und

sein Leben im Licht der Frohen Botschaft zu deuten.


DU Gott,

dreifaltig einer,

du lässt mich erfahren:

   Ich bin einzigartig und auf ewig geliebt.


(Zum Dreifaltigkeitssonntag Lsj. B – 27.05.2021 – © Christian Scheinost)