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Impuls zu Fronleichnam

"Jemanden lieben

heißt,

ein für die anderen

unsichtbares Wunder

zu sehen."

(François Mauriac)


(Bild:
Rosengarten Regensburg   
© Christian Scheinost)

Ein Streicheln und Massieren des Körpers erzeugt bei vielen Menschen ein Wohlgefühl. Ein Streicheln kann Kinder trösten und Erwachsene beruhigen, selbst Wütende manchmal besänftigen. In unserem kirchlichen Leben erfahren wir Segensgesten im wahrsten Sinne des Wortes als "berührende Gesten", die beruhigen, aufbauen, Kraft schenken, Hoffnung schöpfen lassen.

Im Bereich von Medizin und Psychologie ist es schon lange offenkundig: Berührungen bewirken, dass sich der Herzschlag beruhigt, der Blutdruck sinkt, der Pegel an Stresshormonen fällt, das Immunsystem besser funktioniert. In wissenschaftlichen Studien wurde sogar herausgefunden, dass durch "heilsame Berührungen" bei Verletzungen das Schmerzempfinden sinkt und Wunden besser heilen. Berührung ist also eine wichtige Handlung, um das Leben als gelungen und geglückt zu erfahren.

Nun gibt es nicht nur ein körperliches Berühren, sondern auch ein "kommunikatives Berühren". Ein gutes Wort, ein wohltuender Gesichtsausdruck, ruhiges Sprechen und Zuhören, ein Gefühl der Wertschätzung und des Verständnisses: "Ich bin gemeint." und "Ich bin gewollt." Dieses kommunikative Berühren möchte ich als Vertiefung des uns allen bekannten Zitates aus "Der kleine Prinz" des Schriftstellers Antoine de Saint-Exupéry verstehen: "Wir sehen nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar." Saint-Exupéry setzte sich zeitlebens mit dem Leben der Menschen auseinander. Er schreibt an anderer Stelle: "Man kann nicht mehr leben von Eisschränken, von Politik, von Bilanzen … Man kann es nicht mehr. Man kann nicht mehr leben ohne Poesie, ohne Farbe, ohne Liebe."

Die Liebe ist ein über das Berühren hinausgehendes Geschehen. "Sie sieht den Menschen wie er war, ist und sein wird." Liebe "ereifert sich nicht, prahlt nicht, sucht nicht ihren Vorteil; sie glaubt alles, hofft alles, hält allem stand." (1 Kor 13)

Liebe, bedingungslose Liebe ist der Kern des Fronleichnamsfestes. Gebrochenes Brot, ein Schluck Wein lassen uns Gottes Liebe, die sich hingibt für den Anderen, erfahren. Jesu Leib für uns aus Liebe zermartert, sein Blut für uns vergossen, damit wir das Leben haben und es in Fülle haben.

Die Liebe als Haltung, als existentielle Lebensweise ist in mir zu finden. Es ist nicht etwas Drittes, das entsteht, wenn zwei Menschen sich lieben. Diese Haltung, die den anderen in seinem So-sein in den Blick nimmt, nichts einfordert, sondern das Gegenüber auf seinem Lebensweg in aller Freiheit begleitet, ist das Wesentliche im menschlichen Miteinander, in der Kirche, im Glauben, in Gott.

Der Evangelist Markus nimmt uns in seinem Evangelium auf eine Entdeckungsreise mit. Er lädt seine Gemeinde damals und uns heute ein, das Wesentliche, das, was zum Leben dient, in der Passionsgeschichte zu sehen. Da wird der Weg zum gelungenen Leben vorgezeichnet, in einer besonderen Haltung, der Haltung des sich Hingebens für einen anderen: "Das ist mein Leib und mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird." Brot und Wein, äußere Zeichen einer inneren Wirklichkeit, die mich spüren lässt, was im Leben letztlich zählt: die Güte, die ich weiter schenke; die Zeit, die ich dem Nächsten widme; die Liebe, die gleichsam das Leben in den schönsten Farben erstrahlen und es gelingen lässt. Davon leben wir täglich. Die Einladung des Fronleichnamsfestes ist es, der Liebe nicht nur Beine und Füße, sondern ein Herz zu geben, die das Wesentliche erfahren und den Himmel auf Erden anbrechen lässt.

  • Lesen der Bibelstelle Mt 14,12-16.22-26

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    12 Am ersten Tag des Festes der Ungesäuerten Brote,
    an dem man das Paschalamm zu schlachten pflegte, sagten die Jünger zu Jesus:
    Wo sollen wir das Paschamahl für dich vorbereiten?

    13 Da schickte er zwei seiner Jünger voraus und sagte zu ihnen:
    Geht in die Stadt; dort wird euch ein Mensch begegnen, der einen Wasserkrug trägt.
    Folgt ihm,

    14 bis er in ein Haus hineingeht; dann sagt zu dem Herrn des Hauses:
    Der Meister lässt dich fragen:
    Wo ist der Raum, in dem ich mit meinen Jüngern das Paschalamm essen kann?

    15 Und der Hausherr wird euch einen großen Raum im Obergeschoss zeigen,
    der schon für das Festmahl hergerichtet und mit Polstern ausgestattet ist.
    Dort bereitet alles für uns vor!

    16 Die Jünger machten sich auf den Weg und kamen in die Stadt.
    Sie fanden alles so, wie er es ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Paschamahl vor.
     

    22 Während des Mahls nahm er das Brot und sprach den Lobpreis;
    dann brach er das Brot, reichte es ihnen und sagte: Nehmt, das ist mein Leib.

    23 Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, gab ihn den Jüngern
    und sie tranken alle daraus.

    24 Und er sagte zu ihnen: Das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.

    25 Amen, ich sage euch:
    Ich werde nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken bis zu dem Tag,
    an dem ich von Neuem davon trinke im Reich Gottes.


    26 Nach dem Lobgesang gingen sie zum Ölberg hinaus.

Gebetsvorschlag

Sich an uns verschenkender Gott,
du berührst uns, wenn uns ein kleines Stückchen
   des Leibes Christi in die Hand gelegt wird.
Wir spüren, schmecken und erahnen darin
   deine Liebe, die Nähe und die Zeit, die du uns schenkst,
Wir glauben, dass du da bist in deinem Sohn,
   ein Gott, der sich für uns hingibt,
   damit wir das Leben haben und dieses in Fülle.
Geleite uns von der Ahnung zur Klarheit,
vom Zeichen zur Wahrheit, vom Mahl zum Leben.
Und sende uns in unsere kleine und große Welt,
deine Liebe zu leben, die dem Leben dient.
Amen.

Meditation

DU, mein Gott,

in deiner Liebe

und mit deiner Liebe

blickst du mich an,

berührst mich,

schenkst mir den Himmel auf Erden.


DU, mein Gott,

in deiner Liebe

kann ich mit dem Herzen sehen,

das Wesentliche, das für die Augen unsichtbar ist:

eine Liebe, die den Tod besiegt,

eine Liebe, die allem standhält,

eine Liebe, die verwandelt, erlöst und befreit.


DU, mein Gott,

mit deiner Liebe

verwandelst du das Brot

in den Leib deines Sohnes

und den Wein

in das Blut deines Sohnes,

und du lässt mich erfahren,

bedingungslos geliebt zu sein,

getragen und gehalten zu sein

im Leben und im Tod.


DU, mein Gott,

ich staune über deine Liebe.

Ich bete dich an,

und dankbar will ich einstimmen in das Lob des Himmels:

Großer Gott, wir loben dich.


(Zum Fronleichnamsfest Lsj. B – 01.06.2021 – © Christian Scheinost)