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Impuls zum Pfingstfest - Pfingstsonntag

"Gott

geht immer hinaus,

weil er Vater ist,

weil er liebt.

Das muss

auch die Kirche tun:

Sie muss

immer hinausgehen."

(Papst Franziskus)

 


(Bild:
Blick aus der Dreifaltigkeitskirche
auf Regensburg   
© Christian Scheinost)

"Jesus hat das Reich Gottes verkündet, gekommen aber ist die Kirche." Was bei dem französischen Theologen Alfred Loisý eine rein sachliche Feststellung der Fakten war, beschreibt auf einer anderen Ebene ein "ewiges Problem" der Kirche, wenn sie sich vorwiegend selbst bespiegelt und immer weniger das widerspiegelt, wofür sie da ist: Sinn, Geschmack fürs Unendliche zu wecken, für eine Botschaft, die froh macht und darum weiß, dass das Leben gelingt.

Wenn ich heute auf meine Kirche sehe, erkenne ich engagierte Menschen, die dafür eintreten, dass Menschen sich begegnen können und in dieser Begegnung das Göttliche erahnen. Allerdings sind die Mittel, dieses Ziel zu erreichen, manchmal schon zu hinterfragen: Braucht es dazu wie "aus dem Ei gepellte" Kirchen, dicke Bankkonten? Braucht es dafür als "non-plus-ultra" eine "Komm-her-Kirche", die darauf wartet, dass die Christinnen und Christen ihre Pflicht erfüllen, zu Gottesdiensten und sakramentalen Feiern kommen oder wie selbstverständlich ihre Hilfe anbieten, wo sie gebraucht werden?

Zum anderen zeigt sich meine Kirche auch sehr zerbrechlich und hat Ecken und scharfe Kanten, an denen sich Menschen verletzen. Es ist eine Gemeinschaft geprägt von Glaubensschwund, Austritten, einem gewissen Reformstau zur Rolle der Frau in der Kirche oder der Ökumene. Und da gibt es den sexuellen und geistlichen Missbrauch und eine daraus resultierende Unglaubwürdigkeit. Und meine Kirche ist geprägt von "Jammerorgien" und "Klageparolen", den ungewollten Veränderungen entgegenzutreten und die "gute alte Zeit" wiederherzustellen.

Meine Kirche braucht, so meine Überzeugung, "Dennoch-Christen" bzw. "Trotzdem-Christen", Christen, die nicht blind sind für die gegenwärtige kirchliche Situation und trotzdem bleiben. Menschen, die mit der Kirche fühlen, vielleicht auch an ihr leiden, und die dennoch nicht gehen! Menschen, die trotz allem in der Kirche leben wollen, weil sie in der Gewissheit, "wo zwei oder drei im Namen und in der Haltung Jesus miteinander versammelt sind", Gott finden, der das Leben bewusst glücken lässt.

Wir alle können Gott in unserer Kirche finden, weil er gegenwärtig ist, im Heiligen Geist. Der Heilige Geist ist Gott selbst. Und er ist da, auch in uns, seit unserer Taufe. Gottes Geist ist ein Geist der Freiheit und grenzenloser Offenheit. Er wirkt in unserer Welt – auch außerhalb jeglicher Systeme und Mauern, auch außerhalb von Kirchen und Religionen, außerhalb vermeintlicher Wahrheiten und Ideologien.

Er wirkt, wo immer Menschen etwas wagen und sich auf die Begegnung mit dem Unbekannten und den Fremden einlassen. Dort eröffnen sich neue Horizonte und neue Freiheiten, dort geschieht Pfingsten – hier und jetzt.

Johannes schreibt an eine Gemeinde, die sich als Kirche Jesu Christi finden muss. Die Frage, die sie bewegt, ist: Was unterscheidet sie von den anderen Religionen? Was ist ihr genuines Profil? Mit der Geschichte von der Begegnung des Auferstandenen mit seinen Jüngern hinter verschlossenen Türen lädt er sie unmissverständlich ein. Euer Profil ist: Bleibt nicht hier, sondern geht hinaus! Seid eine Geh-hin-Kirche, missionarisch-diakonisch wie Jesus. Tretet hinaus aus euren sicheren Mauern ins Freie, ins Leben und hin zu den Menschen! Und ihr könnt das, denn Gott ist mit euch, alle Tage. Bringt seine Freude und das Leben zu den Menschen! Da ist und wird das Reich Gottes lebendig.

Lasst uns alle an diesem Pfingstfest in dieser Freude Kirche sein!

  • Lesen der Bibelstelle Joh 20,19-23

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    19 Am Abend dieses ersten Tages der Woche,
    als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren,
    kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!

    20 Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite.
    Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen.

    21 Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch!
    Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

    22 Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen:
    Empfangt den Heiligen Geist!

    23 Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen;
    denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.

Gebetsvorschlag

DU heilige Geisteskraft,
gegenwärtig, spürbar, kraftvoll,
erfahrbar im mütterlichen Vatergott
und in Jesus Christus, unserem Erlöser.
Am fünfzigsten Tag der Osterfeier,
der Vollendung von Ostern, dem Pfingstfest,
erinnern wir uns an Menschen, die erfüllt vom Geist Gottes
freudig und ohne Angst zu den Menschen gingen
und verkündeten: Jesus, ermordet am Kreuz, lebt wahrhaftig!
Stärke uns in deinem Geist,
damit auch wir ohne Angst und freudig hinausgehen zu den Menschen
und von Deiner Menschenfreundlichkeit erzählen.
Mache uns zu einer authentischen, geschwisterlichen Kirche.
Amen.

Meditation

DU, Mensch,

DU bist gesendet!

Geh hinaus zu den Menschen,

erzähle von einer Liebe,

die nicht rechnet, aufrechnet,

in der Kategorie von Leistung,

sondern annimmt, wertschätzt,

sich hingibt, einsetzt,

das Leben reich und erfüllt macht.


DU, Mensch,

DU bist gesendet!

Geh hinaus

und verkünde die Frohe Botschaft:

DU bist nicht allein,

niemals allein,

GOTT IST MIT DIR!


DU, Mensch,

DU bist gesendet!

Geh hinaus und lass andere spüren:

Verbunden mit der Heiligen Geisteskraft Gottes

und daraus kraftvoll lebend,

verändert sich das Leben.

Da sind

   Erlösung

   Freiheit,

   grenzenlose Offenheit,

   eine vielfältige Einheit,

die neue Horizonte eröffnen

und die Erde nach Himmel duften lassen.


(8. Ostersonntag – Pfingsten Lsj B – 19.05.2021 © Christian Scheinost)