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Impuls

Silvester / Neujahr - Hochfest der Gottesmutter

"Man sieht nur

mit dem Herzen gut,

das Wesentliche

ist für die Augen

unsichtbar!"

(Antoine de Saint-Exupéry)


(Bild: Rheinufer bei Rheinbrohl
© Christian Scheinost)

Das Leben – unser Leben – ist so vielschichtig, dass wir meist gar nicht all das erfassen können, was da in und um uns herum geschieht. Da sind Ideen, die uns zufliegen, Gefühle, die uns unvermittelt treffen, Emotionen, die in uns ausbrechen wie ein erloschener Vulkan und uns an die Grenzen unserer Körperlichkeit bringen. Damit verbunden ist die Frage: Wer bin ich denn eigentlich oder in wieviel tausenden Rollen lebe ich, die unterschiedliche Kräfte freisetzen. Manchmal spüre ich in mir das verletzte kleine Kind und dann bin ich wieder der Erwachsene, der in Perfektion seiner Arbeit nachgeht. Zuweilen bin ich der pubertierende Jugendliche, der mit dem Kopf durch die Wand geht und das Seine durchdrückt, und dann wieder der lebenserfahrene weise Mensch im vorgerückten Alter, der mit großer Freiheit und Gelassenheit das Leben gestaltet. "Das Leben ist einfach, aber wir bestehen darauf, es kompliziert zu machen", so sagt es der chinesische Philosoph Konfuzius, der im 6. Jahrhundert vor Christi Geburt lebte.

Komplexes, zuweilen kompliziertes und vielschichtiges Leben gehört seit Monaten zu unserer Wirklichkeit in der Coronapandemie. Lockdown, Kontaktbeschränkungen verbunden auch mit Ängstlichkeit vor Ansteckung. Zudem schwingt die Existenzfrage mit: Geschäftsaufgabe, Kurzarbeit bei gleichbleibenden Lebenshaltungskosten, und die Belastung von Homeoffice, Familie und Kindern im Fernunterricht ist nicht zu unterschätzen.

Komplexes, kompliziertes, vielschichtiges Leben zeigt sich in der Politik in Deutschland und in der Weltpolitik, gerade im Blick auf die zahlreichen Kriegs- und Krisenherde oder auch in dem so schweren Weg, den Klimawandel zu stoppen.

Vielschichtig erleben viele Christinnen und Christen – so meine Wahrnehmung – Kirche: auf der einen Seite eine scheinbar unglaubwürdige Doppelmoral, dann auch wieder einladend, offen, weiterdenkend, oder einerseits sexueller und geistiger Missbrauch, dann wieder vielfältig, geschwisterlich.

Die große Frage ist: Wie damit umgehen, um nicht in die Gefahr zu geraten, sich als Dauerjammerer frustrierend zurückzuziehen und der Frohen Botschaft die Kraft zu nehmen? 

Komplex und vielschichtig war auch schon das Leben der lukanischen Gemeinde, die am Ende des ersten Jahrhunderts vor die Aufgabe gestellt war, aus Heidenchristen und Judenchristen mit unterschiedlichsten Lebensentwürfen die Kirche entstehen zu lassen und im Leben kommender Generationen zu verankern.

Lukas weist auf Maria hin: Sie bewahrte alles, was geschehen war in ihrem Herzen und dachte darüber nach. Er weist darauf hin, dass Maria wachsam zuhört und wahrnimmt und das Wahrgenommene im Gedächtnis behält, beobachtet und zum anderen das Bewahrte zusammenwirft, vergleicht, folgert, deutet, begreift.

Dieser Text lädt uns ein, wie Maria bewusst zu leben und wahrzunehmen, was uns bewegt, was wirklich wichtig ist, achtsam auf das zu schauen, was vielleicht bisher eher unbemerkt an uns vorbeigegangen ist. Sich Zeit nehmen, das Positive des Lebens zu finden und ein Stück gelungenes Leben zu erfahren. "Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar", jedoch im Bedenken und Betrachten erlebbar in der Tiefe unserer Person. Und vielleicht, das wünsche ich uns allen, können wir beim "Bewahren" Jesus Christus als die Kraftquelle, als die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unseres Lebens im alten und im neuen Jahr neu entdecken.

  • Lesen der Bibelstelle Lk 2,16-21

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    16 So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag.

    17 Als sie es sahen, erzählten sie von dem Wort,
    das ihnen über dieses Kind gesagt worden war.

    18 Und alle, die es hörten, staunten über das, was ihnen von den Hirten erzählt wurde.

    19 Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen.

    20 Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für alles,
    was sie gehört und gesehen hatten, so wie es ihnen gesagt worden war.

    21 Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte,
    gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte,
    bevor das Kind im Mutterleib empfangen war.

Gebetsvorschlag

Gott, väterliche Mutter,
wir beginnen ein neues Jahr
und das vergangene liegt hinter uns wie ein dickes Buch.
Wir haben darin gern gelesen:
Einige Kapitel waren unverständlich, anstrengend,
anderes dagegen werden wir gern in Erinnerung behalten,
da haben wir Zusammenhänge erkannt und Freude erfahren.
Wir freuen uns nun auf eine neues Buch.
Seine Seiten sind noch unbeschrieben,
doch das wird sich ändern.
Für alles, was uns erwartet – Leichtes wie Schweres,
lass es uns bewahren und deuten in unserem Herzen
wie einst Maria und so das Wesentliche erkennen,
deinen Sohn Jesus, der uns rettet.
Amen.

Meditation

MIT GOTTES AUGEN,

mit Gefühl und Verstand

das Leben wahrzunehmen und zu betrachten,

dazu bin ich eingeladen,

im Rückblick auf das vergangene Jahr 2020

und im Vorausblick auf das neue Jahr 2021.


MIT GOTTES AUGEN,

mit seiner bedingungslosen Liebe,

mit seinem Sinn für Gerechtigkeit,

mit seiner Hoffnung, seinem Vertrauen,

dazu bin ich eingeladen

das Leben zu gestalten,

positiv denkend

dem Leben einen Hauch von Himmel zu geben.


MIT GOTTES AUGEN SEHEN,

mit seinen Ohren hören,

mit seinem Herzen fühlen,

lässt mich Sinnvolles erfahren

   in der Vielschichtigkeit,

   im Komplexen des Lebens:

Da ist Gott,

da ist Jesus Christus,

die Kraftquelle

meiner Vergangenheit,

meiner Gegenwart

und meiner Zukunft.


Mit Gott will ich aufbrechen in ein Neues Jahr,

und ich weiß: ALLES WIRD GUT.


(Zum Jahreswechsel – Hochfest der Gottesmutter Lsj B © Christian Scheinost)