Damit Sie unsere Internetseite optimal nutzen können, setzen wir nur technisch notwendige Cookies (kleine Textdateien, die auf Ihrem Rechner ablegt werden). Wir sammeln keine Daten zur statistischen Auswertung. Näheres finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Impuls

Fest Taufe des Herrn

VERTRAUEN

ist eine

Oase des Herzens,

die von der 

Karawane des Denkens

nie erreicht wird!

(Khalil Gibran)


(Bild: Glasmalerei
aus einer Dorfkirche in der Bretagne
© Christian Scheinost)

"Vertrauen ist eine Oase des Herzens, die von der Karawane des Denkens nie erreicht wird."
Vertrauen –
Kann ich grundlegend vertrauen meinem Partner, meinem Kind, der Politik, dem Staat, der Medizin und Wissenschaft, der Kirche, GOTT?

Die Erfahrung zeigt, dass Menschen einander vertrauen, obwohl alle Umstände dagegensprechen, und auf der anderen Seite spüren sie auch, dass eigentlich für sie vertrauenswürdige Menschen dieser Erwartung gar nicht entsprechen.

Woher kommt das?

Zum einen kann es sein, dass Menschen nie grundlegend gelernt haben zu vertrauen. Das Sichtbare und Leistbare in ihrer persönlichen menschlichen Entwicklungsgeschichte spielte eine größere Rolle als Gefühle wie Liebe und Vertrauen.
Zum anderen kann es sein, dass Vertrauen mehrmals enttäuscht wurde und die Angst vor weiteren Verletzungen und Schmerz Vertrauen verunmöglicht.
Darüber hinaus ist zu bedenken: Wenn Menschen Vertrauen gewinnen, dann geht die Beurteilung des anderen Menschen oft über die Ebene des Verstandes, es geht um objektive Kriterien wie Aussehen, Haltungen, Umgangsformen, Engagement u. ä. Doch das ist stets nur ein Teil der Wahrheit.

Es gibt Situationen im Leben, in denen der Verstand sagt: "Es geht nicht weiter!" und das Herz lässt mich erfahren: "Es gibt noch etwas dahinter!" und es gibt einen Weg dahin. Dieser Weg ist das irrationale Vertrauen.

Dieses Vertrauen ist eine Stärke, die nicht aus eigener Kraft erwächst, sondern in Beziehung zu anderen Menschen erahnt, erfahren, erlernt wird. Im gegenseitigen Vertrauen zeigen Menschen, dass sie sich einander akzeptieren und ihren Worten Glauben schenken, und das hilft dann wiederum, sich viel besser auf die Beziehungen einzulassen und zusammenzuwachsen.

Glauben heißt "sich verlassen auf …, offensein für Transzendentes", vor allem aber vertrauen. Gläubiges Vertrauen ist in diesem Sinne nicht wissen, sondern sich einlassen, fallen lassen, hören, immer an das Gute glauben, weil Gott uns akzeptiert und wir ihn. Dieser Glaube ist nicht erlernbar durch Worte, Glaubenswahrheiten, sondern er braucht Beziehung, die Beziehung zu Gott und zu den Menschen und sich selber.

Zu diesem Glauben will Markus seine Gemeinde damals und uns heute ermutigen und so beginnt er sein Evangelium nicht mit der Weihnachtsgeschichte, sondern mit dem erwachsenen Jesus und seiner Taufe quasi als Einladung, über die Bedeutung der eigenen Taufe nachzudenken und entsprechende Konsequenzen zu ziehen. Er beschreibt das Geschehen der Taufe Jesu nicht, sondern die Reaktion Gottes auf die Bereitschaft Jesu, sich hinzugeben, mit ihm in Beziehung zu leben, ihm grundlegend zu vertrauen: "Du bist mein geliebter Sohn!"

In der Taufe hat Gott zu uns allen gesagt: "Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter!" Und er hat den Himmel über uns aufgerissen, uns akzeptiert, angenommen, bejaht in allem, was da kommt. Selbst ein Austritt aus der Gemeinschaft der Kirche hebt seine Zusage nicht auf.

So steht die Einladung trotz so mancher unüberwindlicher Schwierigkeiten, in denen ich Gott mit dem Verstand nicht verstehen kann: Tanke immer von Neuem in der Oase des Herzens Kraft und Stärke. Vertrauen erlöst das Leben und lässt es bewusst glücken. Probiere es.

  • Lesen der Bibelstelle Mk 1,7-11

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    In jener Zeit trat Johannes in der Wüste auf

    7 und verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich;
    ich bin es nicht wert, mich zu bücken und ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.

    8 Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.

    9 Und es geschah in jenen Tagen,
    da kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen.

    10 Und sogleich, als er aus dem Wasser stieg, sah er,
    dass der Himmel aufriss und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam.

    11 Und eine Stimme aus dem Himmel sprach:
    Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.

Gebetsvorschlag

Uns liebender Gott, dem wir vertrauen,
als Jesus, dein Sohn,
   sich am Jordan in eine Reihe mit uns Menschen stellte,
   um sich taufen zu lassen,
   da hast du dich zu ihm bekannt.
Du hast zu ihm gesagt, dass er dein lieber Sohn ist,
an dem wir sehen können, was dir am Herzen liegt:
eine vertrauensvolle Beziehung zu dir und untereinander,
   in der wir spüren, dass wir jederzeit zu dir kommen dürfen,
   mit allem, was uns freut und was uns Sorgen macht,
und dass du uns nahe bist, auch dann,
   wenn wir dich scheinbar nicht verstehen.
Als Getaufte bitten wir dich, unseren Vater,
dass wir lernen zu vertrauen und zu lieben
und so das erlöste Leben finden und bewahren.
Amen.

Meditation

GOTT (zu) VERTRAUEN

lehrt,

das Leben mit den Augen Gottes zu sehen

und mit seinem Herzen zu fühlen:

Er sieht dich,

er weiß um dich,

er kennt deine Wünsche,

deine Stärken und deine Schwäche,

und trotz allem

bist und wirst du immer sein geliebtes Kind sein.


GOTT (zu) VERTRAUEN

lehrt,

einander zu vertrauen:

Anteil zu nehmen und zu geben,

in den Ängsten und Krankheiten des Lebens

und genauso in Freude und Glück;

im Lachen und Weinen,

im Blühen und Verwelken,

im Leben und den Todeserfahrungen

zu spüren: Ich bin gemeint,

genau ich, so wie ich bin.

Ich bin angenommen. – Das tut gut.


GOTT (zu) VERTRAUEN

lehrt,

sich selber zu vertrauen,

denn als geliebter Sohn, als geliebte Tochter

wohnt in mir – in der Tiefe meines Herzens –

das Gute, ein Stück Himmel,

Gott mit Leib und Seele: Ich bin erlöst!

(Fest Taufe des Herrn Lsj B – 13.01.2021 © Christian Scheinost)