Damit Sie unsere Internetseite optimal nutzen können, setzen wir nur technisch notwendige Cookies. Wir sammeln keine Daten zur statistischen Auswertung. Näheres finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Impuls zum 19. Sonntag im Jahreskreis

"Gottes Liebe

ist der wahre Schatz

der Menschen!"

(Papst Franziskus)


(Bild: im Rosengarten / Regensburg
© Christian Scheinost)

Ein Karikaturist unserer Tage vergleicht die Kirche mit einem Bild von einem brennenden Haus und die Kardinäle gießen sorglos Geranien. Dass die Kirche ein im übertragenen Sinn brennendes Haus ist, getroffen von vielen Erschütterungen, das wissen wir alle. Die Kirche ist multikomplex geworden, eine vielfältige Gemeinschaft, in der Menschen ihre je eigene individuelle Lebensform und Lebensweise oft zum obersten Ziel machen. Das "geschlossene System" der Volkskirche ist aufgebrochen in ein "Kirche leben" an vielen kirchlichen und nichtkirchlichen Orten, in kleinen Gruppen unterschiedlichster thematischer Zielsetzung. Gerade der inhaltliche Prozess der Synode in unserem Bistum hat sich mit dieser Situation auseinandergesetzt und sieht nicht in einem Gesundschrumpfen unter gleichen strukturellen Bedingungen eine Lösung, sondern in der Weite pastoralen Handelns. Es geht um den Glauben, die Einheit im Glauben in den vielfältigsten Formen, gewohnt und ungewohnt, neu.

Auch katholische Bischöfe und Laien in Deutschland beraten seit Dezember 2019 beim Reformprozess Synodaler Weg über Wege aus der Kirchenkrise, die durch den Missbrauchsskandal mit ausgelöst wurde. Sie spüren - wenn auch nicht alle - dass die von ihnen benannten Probleme und Fragen weltweit ähnlich sind. Und sie suchen Antworten für die Zukunft kirchlichen Lebens in der heutigen Welt und das durch den Missbrauchsskandal verlorene Vertrauen zurückzugewinnen.

Der Glaube an Gott, so meine Überzeugung, ist das Entscheidende, und Glauben ist, wie der Hebräerbrief sagt, ein Feststehen in dem, was man erhofft. Jedoch: Was ist das, was wir erhoffen: Den Himmel, das sind irdische geglückte Momente zu einer immerwährenden Lebenssituation verwandelt. Gott, der als guter Freund, als verständnisvoller mütterlicher Vater kommt und uns bedient, statt aufzurechnen, vergibt wie ein barmherziger Vater und nicht bestraft. Diesen positiven göttlichen Zuspruch, der Kraft, Mut, Sinn gibt in allen scheinbaren Sinnlosigkeiten dieser Welt, wollen wir erreichen und anderen Menschen mit auf den Weg geben. Das ist der größte Schatz, so spüren wir es, der unser Leben reich macht.

Doch wie geht das? Wie können wir diesen Schatz weitergeben, spürbar machen?

Lukas nimmt in seiner Gemeinde wahr, dass sie das Warten auf die Wiederkunft Christi eingestellt haben und nun die Kirche zur Institution werden lassen. Ein Planen und Verplanen, Gegenwart und Zukunft zu gestalten, ist wichtig geworden, in dem das menschliche Denken und Handeln zum obersten Prinzip gemacht wird.

Und so ruft er sie auf zur Wachsamkeit, die über das Gewohnte, Planbare hinausdenkt und das Unerwartete und plötzliche Kommen und Wirken Christi im Hier und Jetzt miteinbezieht. Wer wach für Christus lebt, macht ihn, Gott, spürbar, erfahrbar in der Welt. Es ist ein Ausgestrecktsein nach unserer Hoffnung.

Die Frage, die Lukas damals seiner Gemeinde und uns heute mitgibt, ist: Wo ist dein Schatz? Denn dort ist dein Herz, deine Lebenskraft.

Wenn dein Herz erfüllt ist von der göttlichen Gegenwart, dann hast du den größten Schatz deines Lebens gefunden und du kannst ihn weitergeben, von ihm erzählen. Du kannst glaubwürdiger Zeuge, glaubwürdige Zeugin Jesu Christi sein. Zeuge sein, Zeugin sein kommt vom Bezeugen, von einer Lebenshaltung, die uns allen ins Stammbuch geschrieben ist, dem Glauben. Wir sind eingeladen, Gott als den Schatz unseres Lebens zu finden und mit herzlichen Herzen anziehend zu sein und andere zu be-Geist-ern.

  • Lesen der Bibelstelle Lk 12,32-48

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    32 Fürchte dich nicht, du kleine Herde!
    Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben.

    33 Verkauft euren Besitz und gebt Almosen!
    Macht euch Geldbeutel, die nicht alt werden!
    Verschafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt, im Himmel,
    wo kein Dieb ihn findet und keine Motte ihn frisst!

    34 Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.


    35 Eure Hüften sollen gegürtet sein und eure Lampen brennen!

    36 Seid wie Menschen, die auf ihren Herrn warten, der von einer Hochzeit zurückkehrt,
    damit sie ihm sogleich öffnen, wenn er kommt und anklopft!

    37 Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt!
    Amen, ich sage euch:
    Er wird sich gürten, sie am Tisch Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen.

    38 Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache und findet sie wach
    - selig sind sie.

    39 Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, in welcher Stunde der Dieb kommt,
    so würde er verhindern, dass man in sein Haus einbricht.

    40 Haltet auch ihr euch bereit!
    Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.

    41 Da sagte Petrus: Herr, sagst du dieses Gleichnis nur zu uns oder auch zu allen?

    42 Der Herr antwortete:
    Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr über sein Gesinde einsetzen wird,
    damit er ihnen zur rechten Zeit die Tagesration gibt?

    43 Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt!

    44 Wahrhaftig, ich sage euch:
    Er wird ihn über sein ganzes Vermögen einsetzen.

    45 Wenn aber der Knecht in seinem Herzen sagt: 
    Mein Herr verspätet sich zu kommen!
    und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen,
    auch zu essen und zu trinken und sich zu berauschen,

    46 dann wird der Herr jenes Knechtes an einem Tag kommen,
    an dem er es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt;
    und der Herr wird ihn in Stücke hauen
    und ihm seinen Platz unter den Ungläubigen zuweisen.

    47 Der Knecht, der den Willen seines Herrn kennt,
    sich aber nicht darum kümmert und nicht danach handelt,
    der wird viele Schläge bekommen.

    48 Wer aber, ohne den Willen des Herrn zu kennen,
    etwas tut, was Schläge verdient, der wird wenig Schläge bekommen.
    Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert werden,
    und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man umso mehr verlangen.

Gebetsvorschlag

Uns liebender Gott,
Menschen haben von dir gehört,
dich kennengelernt, deine Nähe erfahren
und anderen davon in Worten, Zeichen und Gesten erzählt.
Hilf auch uns weiterzugeben,
was wir mit dir, Gott, erlebt haben,
wie du uns begleitet hast auf unseren Wegen
und was es für uns bedeutet,
darauf zu vertrauen, dass du für uns da bist.
Hilf uns, denen, die nach uns kommen, Mut zu machen,
sich auf dich, den größten Schatz ihres Lebens, einzulassen,
Dir in Ihrem Leben einen festen Platz einzuräumen.
Amen.

Meditation

GOTT, DU BIST MEIN SCHATZ -

bei dir finde ich

Perlen der Liebe,

   die uns mit dir und untereinander verbinden,

Diamanten der Hoffnung,

   die für uns in den Dunkelheiten des Lebens funkeln,

Goldstücke des Glaubens,

   die uns Heimat geben.

Und dazu gehört eine Krone,

die du mir als Mensch aufs Haupt setzt,

weil ich dein Ebenbild bin.
 

GOTT, DU BIST MEIN SCHATZ -

und dort, wo mein Schatz ist,

ist mein Herz, mein Herzblut,

die Mitte meines Lebens;

da ist Glück und Freude und Sinn

und Zukunft und Hoffnung;

da ist ein Stück himmlisches Leben;

da geht es mir gut.
 

GOTT, DU BIST MEIN SCHATZ.

Ich glaube an dich.

Ich hoffe auf dich.

Ich liebe dich.


(19. Sonntag im Jahreskreis – Lsj C – 25.07.2022 – © Christian Scheinost)