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5. Ostersonntag

"Gott ist nahe,

wo die Menschen 

einander Liebe zeigen."

(Johann Heinrich Pestalozzi)


(Bild: Gipfelkreuz am „Bärenkopp“ /
Blick ins Wiedtal
© Christian Scheinost)

"Einem psychischen Erdbeben komme es gleich, sich von wichtigen Zielen, Menschen oder Orten trennen zu müssen.", sagt der amerikanische Evolutionspsychologe Eric Klinger. In der Tat ist Abschied ein schwieriges Thema, denn meistens bedeutet "Abschied nehmen", dass sich etwas oder jemand Wichtiges und Positives aus dem Leben verabschiedet. Das kann sich auf bestimmte Lebensphasen beziehen, auf Haltungen und Einstellungen oder konkrete "gegenständliche Dinge". Vielleicht ziehen die Kinder aus, die Familienphase verändert sich, Eltern müssen sich neu als Partner finden. Veränderte Haltungen und Einstellungen, die über Jahrzehnte Halt und Sicherheit vermittelten, fordern ebenso heraus, z. B. eine körperliche "Abnehmphase", ein nicht mehr alles in sich "hineinzufressen" gehört dazu wie auch persönliche "Feindbilder" zu verändern, einen jahrelangen Streit in Familie oder Nachbarschaft beizulegen.

Abschied ist bis heute und darüber hinaus ein Thema in der Kirche, da scheinbar eine geliebte und gewohnte volkskirchliche Struktur ausläuft.

Abschied nehmen bedeutet nicht nur Verlust, sondern immer auch Neuanfang. Und vielleicht ist es gerade dieses, was dabei Ängste auslöst. Denn auch wenn wir mit unserer Situation im Heute nicht zufrieden sind, so denken wir Menschen, bei "Veränderung" eher daran, dass es noch schlechter wird, als daran, dass sich unsere Situation verbessert. Wenn wir mal ganz banal zurückdenken an die Momente, in denen wir als Kinder endlich laufen, schreiben, Rad fahren konnten und durften, später Geld verdienten, den Partner fürs Leben fanden und Eltern wurden. In allen diesen Lebensphasen war Veränderung ein großer Schritt nach vorne, begleitet von Glück und Freude, von einem Zugewinn von Leben.

Jeder Abschied und die damit verbundene Veränderung hat stets zwei Seiten, eine positiv und eine negativ empfundene Wirklichkeit. Es gilt beide bewusst und ehrlich wahrzunehmen und sie nicht gegeneinander aufzuheben,

Veränderung war eine großes Thema in der johanneischen Gemeinde. Als Judenchristen, sie waren zugleich Juden und getaufte Christen, hatten sie immer noch eine Beheimatung in der Synagogengemeinde. Mit der Zerstörung des Jerusalemer Tempels bildeten sich neue Führungsschichten und die christliche Gemeinde war gefordert, ihre eigene Identität zu finden, Kirche Jesu Christi zu sein. Der Text aus dem Johannesevangelium an diesem Sonntag spiegelt diese Situation indirekt wider. Jesus nimmt Abschied, er wird sterben. Alles bisherig gelungen Erfahrene scheint vor dem Aus zu stehen. Und doch beginnt damit etwas ganz Neues, die Herrlichkeit Gottes wird offenbar. Die Wucht der Auferstehung Jesu zeigt, dass Gott uns liebt. Diese Liebe sagt: Jesus lebt!

Johannes will seiner Gemeinde helfen, ihre Identität zu finden, indem er sie ermutigt, Zeuginnen und Zeugen der Liebe zu sein, die Jesus vorgelebt hat und lehrte. Eine Liebe, die darauf abzielt, was Menschen verbindet: Menschen teilen, was sie haben, auch ihr Leid und ihre Sorgen. Sie sind einander zugetan, füreinander verantwortlich. Und er sagt ihnen zu: Wenn diese Liebe gelebt wird, dann kann kein Leid, keine Trauer, keine Schmerz ohne göttlichen Glanz bleiben, dann spüren wir in allem Jesus, Gott selbst, der uns begleitet und letztlich alles zum Guten führt.

  • Lesen der Bibelstelle Joh 13,31-33a.34-35

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    31 Als Judas hinausgegangen war, sagte Jesus: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht und Gott ist in ihm verherrlicht.

    32 Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, wird auch Gott ihn in sich verherrlichen und er wird ihn bald verherrlichen.

    33a Meine Kinder, ich bin nur noch kurze Zeit bei euch. 
     

    34 Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.

    35 Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt. 

Gebetsvorschlag

Gott, des Lebens und der Liebe,
du lädst uns ein, einander zu lieben,
aufeinander zuzugehen, füreinander einzustehen,
zueinanderzuhalten, miteinander zu leben und zu glauben,
Zeugen und Zeuginnen deiner göttlichen Liebe zu sein.
In dieser Liebe bist du gegenwärtig.
Kein Leid, keine Trauer, kein Schmerz
bleibt mehr ohne deinen göttlichen Glanz.
Lass uns im Hören auf dein Wort
und in der Mahlgemeinschaft erkennen,
wie sehr diese Zeit deine Liebe, Hoffnung und Solidarität braucht.
Lass uns zu Menschen werden, die aus deiner Liebe leben.
Amen.

Meditation

L    wie Leben, gelungenes Leben,

I     wie Identität,

E    wie Einigkeit, eins sein in Vielfalt,

B   wie Bote, Zeuge, Zeugin,

E    wie Einander zugetan.
 

L - I - E - B - E

   das sind

   die Buchstaben der Erlösung,

eine LIEBE,

   die mich herauslöst

   aus all dem, was das Leben behindert,

   vernichtet, zu keinem guten Ende führt.
 

LIEBE gibt

dem Leid, der Trauer, dem Schmerz

   einen göttlichen Glanz.

Dort ist Gott!

Und wo Gott ist,

da ist

Hoffnung,

Zukunft.

Der Himmel auf Erden beginnt.


(5. Ostersonntag Lsj C – 13.05.2022 © Christian Scheinost)