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Impuls zum Fronleichnamsfest

"Hände,

die teilen,

erzählen von Gott!"

(unbekannt)


(Bild: Wandgemälde "Brotvermehrung"
Pfarrkirche Zeitlarn/Regensburg
© Christian Scheinost)

Teilen kann man fast alles! Wissen, Sorgen, Geld, Freunde und Freude, Tisch und Bett, Kuchen, Facebook Posts, Verantwortung, Glauben, Werte, Leben, Liebe, …

Teilen ist nicht angeboren, sondern erlernt. Bei kleinen Kindern ist zu beobachten, dass sie selten teilen wollen. Das liegt nicht daran, dass sie egoistisch sind, sondern, dass sie es noch nicht erlernt haben. Zum Teilen braucht es Empathie, Einfühlungsvermögen, sich in den anderen hineinzuversetzen und zu begreifen, was ihm wichtig ist, und das entwickelt sich erst mit den Jahren. Und zum Lernen von Teilen, um empathisch unterwegs zu sein, sind Vorbilder, Leitfiguren, Orientierung notwendig. Und da sind die Eltern unerlässlich.

Doch ehrlich gefragt: Warum soll ich teilen, wenn ich alles haben kann?

Vielleicht, weil das Teilen Vorteile bringt. Wer anderen hin und wieder etwas abgibt, macht sich beliebt und findet Freunde oder Verbündete, auf die er zählen kann. So ein Zusammenhalt war schon für unsere Vorfahren sehr wichtig. Nur wenn es gerecht zuging, konnte jeder überleben. Erlegte Beute verteilten sie deshalb schon vor über 500.000 Jahren auf Sammelplätzen. Jeder, der dabei war, wollte zeigen: Seht her, ich teile mein Essen mit euch. Nehmt mich mit, wenn ihr morgen wieder jagen geht.

Vielleicht, weil ich sehe, dass es anderen besser geht und sie ihr Leben wieder leichter leben können. Dazu passt der Ausspruch: "Geteiltes Leid ist halbes Leid!“ In diesem Sinn helfen Menschen in Katastrophen, wie bei Flutkatastrophe an der Ahr, deren Folgen bis heute spürbar sind, oder im Ukraine-Krieg oder auch ganz persönlich in Krankheit, Trennung und Tod. Wir sagen auch: "Geteilte Freude ist doppelte Freude!" Mit dem anderen sich freuen, an seinem Leben Anteil nehmen, erfüllt auch mich selbst mit Freude.

Gerade als Christinnen und Christen ist uns mit der Frohen Botschaft Jesu Christi das Teilen ins Stammbuch geschrieben. Und darum nimmt Lukas die "wunderbare Brotvermehrung" in sein Evangelium auf, um auf das miteinander Teilen als christliche Profilierung hinzuweisen. Das Wunder der "Brotvermehrung" können wir auch so verstehen, dass Jesus es erreicht hat, dass alle Menschen das miteinander teilen, was sie hatten. Der Ursprung und das Ziel, das Fundament und die Vision liegt in Jesus Christus, der sich hingegeben hat, sein Leben eingesetzt hat, geteilt, verteilt hat. Als Christen feiern wir dies in der Eucharistie. Der Benediktiner Anselm Grün sagt: "Als Christen feiern wir die Eucharistie nicht zum Gedächtnis an das letzte Abendmahl Jesu, sondern zum Gedenken an alles, was Gott in Jesus Christus getan hat, wie er durch ihn zu den Menschen gesprochen, Krankheit geheilt, Mutlose aufgerichtet, Sünder zu Umkehr gerufen und allen die Frohe Botschaft verkündet hat." In Tod und Auferstehung, im geteilten Brot und Wein zeigt sich zudem Jesu Haltung der bedingungslosen Liebe, die ewiges geglücktes Leben schenkt.

An Fronleichnam sehen wir auf ihn, der sich uns zeigt im gebrochenen Brot leibhaftig und der mit uns geht dorthin, wo unser Leben stattfindet, in unserem Ort, in unseren Häusern, Familien und Gemeinschaften. Und er will uns einladen das Leid und die Freude miteinander zu teilen, Brot füreinander zu werden und zu erfahren, dass teilen nicht ärmer, sondern reicher macht. So wird Himmel auf Erden spürbar.

  • Lesen der Bibelstelle Lk 9,11b-17

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    11b In jener Zeit redete Jesus zum Volk vom Reich Gottes
    und machte gesund, die der Heilung bedurften.

    12 Als der Tag zur Neige ging, kamen die Zwölf und sagten zu ihm:
    Schick die Leute weg, damit sie in die umliegenden Dörfer und Gehöfte gehen,
    dort Unterkunft finden und etwas zu essen bekommen;
    denn wir sind hier an einem abgelegenen Ort.

    13 Er antwortete ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen!
    Sie sagten: Wir haben nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische;
    wir müssten erst weggehen und für dieses ganze Volk etwas zu essen kaufen.

    14 Es waren nämlich etwa fünftausend Männer.
    Er aber sagte zu seinen Jüngern: Lasst sie sich in Gruppen zu ungefähr fünfzig lagern!

    15 Die Jünger taten so und veranlassten, dass sich alle lagerten.

    16 Jesus aber nahm die fünf Brote und die zwei Fische,
    blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis und brach sie;
    dann gab er sie den Jüngern, damit sie diese an die Leute austeilten.

    17 Und alle aßen und wurden satt.
    Als man die übrig gebliebenen Brotstücke einsammelte, waren es zwölf Körbe voll.

Gebetsvorschlag

Du Gott unseres Lebens,
gegenwärtig, mit uns teilend, hingebend, erlösend,
im dem kleinen Stückchen Brot, dem Leib Christi,
schickst du uns in die Welt mit dem Auftrag:
Gib auch du essen,
ein Stück Brot des Lebens
für ein heilvolles, friedvolles Leben aller Menschen.
Mache uns lebendig und wohltuend,
empfindsam und verständnisvoll,
menschenfreundlich und barmherzig,
gemeinschaftsstiftend und miteinander teilend,
damit alle satt werden, gelungenes, erlöstes Leben erfahren.
Amen.

Meditation

MACH ES WIE JESUS,

TEILE DEIN LEBEN

mit denen, die nach Liebe hungern,

   die sich einsam und unverstanden fühlen,

und dein Leben wird wie Brot sein,

das den Hunger stillt.
 

MACH ES WIE JESUS,

TEILE DEIN HABEN UND SEIN

mit denen, die arm sind an Leib und Seele,

   die sich verletzt und verwundet fühlen,

und dein Leben wird wie Medizin sein,

die jede Krankheit heilen kann.
 

MACH ES WIE JESUS,

TEILE DEINEN GLAUBEN

mit denen, die keine Hoffnung mehr haben,

   die zweifeln und enttäuscht sind

      von Gott und der Welt und den Menschen

und dein Leben wird wie ein Aufatmen sein,

ein Neubeginn voll Mut und Zuversicht.
 

TEILE -

und Jesus ist da, gegenwärtig,

für dich, für mich, für uns alle,

dort, wo du lebst und wirkst,

und alle werden satt sein

und die alltäglichen Körbe mit Ewigkeit füllen.


(Fronleichnam Lsj C – 2022 - © Christian Scheinost)