Damit Sie unsere Internetseite optimal nutzen können, setzen wir nur technisch notwendige Cookies (kleine Textdateien, die auf Ihrem Rechner ablegt werden). Wir sammeln keine Daten zur statistischen Auswertung. Näheres finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Impuls zum 18. Sonntag im Jahreskreis

Brot ist teilbar!

(Manfred Hinrich, 1926-2015)

Wir kennen alle das Märchen der Gebrüder Grimm "Tischlein deck dich". Und wie gern hätten nicht wenige so manches Mal und öfters ein so beschriebenes "Tischlein deck dich", einen stets gedeckten Tisch mit den Speisen, die sie sich wünschen. Wie gern hätten sie manches Mal einen "Esel streck dich", mit dem sie alles bezahlen könnten, was ihr Herz begehrt, und einen "Knüppel aus dem Sack", wenn es Not tut, schlagkräftig für Gerechtigkeit zu sorgen. Wie gerne hätten wir Menschen solche "Zauberdinge", um unser Leben nach unseren Wünschen und Überzeugungen gestalten zu können.

Ein Denken im Sinn von "Tischlein deck dich", "Esel streck dich", "Knüppel aus dem Sack" bestimmt - meiner Wahrnehmung nach - in unseren Tagen sehr stark kirchliches, gemeindliches, christliches Leben. "Kirchliche Dienstleistung" steht scheinbar höher als der Glaube an einen Gott, der selbst im Leid und in der Not uns einen Weg führt. Das ist erfahrbar in Jesu Tod und Auferstehung, begonnen am Ölberg in Gethsemane, wo er sagt: "Wenn dieser Kelch nicht an mir vorübergehen kann, dann geschehe dein Wille und nicht der meine." Gottes Willen war das Gehen seines Leidensweges und am Ende das Leben in Fülle, die erwirkte Erlösung für alle, die sich Ihm zuwenden.

In den beschriebenen "Zauberdingen" der Gebrüder Grimm, in diesen Wünschen schwingen menschliche Träume mit, die eine heile Welt in sich tragen und dies nicht negativ, sondern ganz positiv beurteilt. Es sind menschliche Träume, die existentielle Grundbedürfnisse des Menschen berühren, das Bedürfnis nach Liebe und Annahme, nach einem Heil-sein, nach Frieden und Zufriedenheit. Und das sind wiederum Ausdrucksformen für Gott und seine Welt, die außerhalb und über menschlichen Strukturen stehen und mein Leben glücken lassen können.

In der Corona-Pandemie, einer Not- und Leidenszeit für viele Menschen, nehme ich kirchlicherseits eine Fokussierung auf Gottesdienste und Sakramentenspendungen wahr, die allem anderen - so meine Hypothese - untergeordnet wird. Der Glaube, der uns alle erfüllt, ein Glaube, der Vertrauen schenkt, Vertrauen auf Gott, der mich niemals allein lässt und mich, auch durch Durstrecken, zu einem Stück bewusst geglückten Leben führt, dieser Glaube blieb und bleibt in Kinderschuhen stecken.

Die Erzählung von der Speisung der 5000, die wir an diesem Sonntag im Evangelium hören und lesen, zählt zu den sogenannten Geschenkwundern, die wohl kaum auf ein geschichtlich datierbares Ereignis Bezug nehmen. Im Hintergrund steht die Erfahrung der vielen Mahlfeiern Jesus mit den Armen und Geknechteten und das Herrenmahl, das die christlichen Gemeinden am ersten Tag der Woche miteinander in Erinnerung an Jesus gefeiert haben.

Der wichtigste Satz in der Erzählung ist der Satz "Gebt ihr ihnen zu essen!"

Im Vertrauen auf Gott, im Glauben zu leben bedeutet, Leib und Seele miteinander geschwisterlich zu teilen und sich so auf die Verheißung einzulassen, die in der Speisung durch den Auferstanden liegt. Eucharistie zu deutsch "Danksagung", die Speisung durch den Auferstanden braucht unsere Bereitschaft, geschwisterlich teilend unterwegs zu sein und jeder für sich selbst zu einem "Tischlein deck dich", "Esel streck dich", "Knüppel aus dem Sack" zu werden.

Es steht die Einladung an dich, mich, uns alle: "GEBT IHR IHNEN ZU ESSEN!"

  • Lesen der Bibelstelle Mt 14,13-21

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    13 Als Jesus das hörte, zog er sich allein von dort mit dem Boot in eine einsame Gegend zurück.
    Aber die Volksscharen hörten davon und folgten ihm zu Fuß aus den Städten nach.

    14 Als er ausstieg, sah er die vielen Menschen und hatte Mitleid mit ihnen und heilte ihre Kranken.

    15 Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu ihm und sagten:
    Der Ort ist abgelegen und es ist schon spät geworden.
    Schick die Leute weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen!

    16 Jesus aber antwortete: Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen!

    17 Sie sagten zu ihm: Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische hier.

    18 Er antwortete: Bringt sie mir her!

    19 Dann ordnete er an, die Leute sollten sich ins Gras setzen.
    Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf,
    sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern;
    die Jünger aber gaben sie den Leuten

    20 und alle aßen und wurden satt.
    Und sie sammelten die übrig gebliebenen Brotstücke ein, zwölf Körbe voll.

    21 Es waren etwa fünftausend Männer, die gegessen hatten, dazu noch Frauen und Kinder.

Gebetsvorschlag

Sich verschenkender Gott,
Jesu Leben, seine Heilungen und seine Wundertaten
   sind für uns Gabe und Aufgabe zugleich.
Du wünschst dir, dass wir so leben und handeln wie Jesus.
Du traust uns Menschen dabei zu,
   dass wir einander satt machen,
   dass wir einander gesund und glücklich machen können,
   dass wir einander gut sind.
Gib uns den Mut, anderen zu essen zu geben,
   geschwisterlich zu teilen und
so den Glauben an dich und unser Vertrauen auf dich spürbar zu machen.
Amen.
 

Meditation

DU GOTT,

Brot des Lebens,

Lebensbrot,

Lebensmittel,

Lebensmittelpunkt,

das ist

Glaube, der Hoffnung gibt,

Hoffnung, die allem standhält,

Liebe, die mich in Ewigkeit verwandelt.


DU GOTT,

Brot zum Leben,

Wein zur Freude,

Leib und Blut,

im Hier und Jetzt,

um Sinn zu geben,

Frieden zu schaffen,

Gerechtigkeit zu leben.


DU GOTT,

Brot, das Leben ist

für alle, die wollen;

Brot, das satt macht

für die, die sich auf dich einlassen,

und sich füllen lassen,

   damit sie anderen zu essen geben,

      selbst zu Brot werden,

   das nach Leben schmeckt

   und das geglücktes Leben schenkt.


DU MEIN GOTT,

mache mich zu einem Stücken Lebensbrot.


(18. Sonntag im Jahreskreis Lsj A – 09.07.2020 © Christian Scheinost)