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Impuls zum 24. Sonntag im Jahreskreis

BARMHERZIGKEIT

ist der Schlüssel zum Himmelreich!

(Verfasser unbekannt)

 

 

 

 

IMPULS zum 24. Sonntag im Jahreskreis

Gott ist gnädig und barmherzig zum Nulltarif!

Eine Aussage, die – so meine Wahrnehmung - Christinnen und Christen bis heute in unsere Tage hinein nicht gut hören können. Stellt diese Aussage doch das geübte Lohn-Leistungsverhältnis, das über Jahrhunderte auch in Glaubensdingen in der Kirche galt, auf den Kopf und in Frage. Sind nicht Gebete, Kerzen entzünden, Spenden für einen guten Zweck, fasten, opfern auch heute geübte Handlungen in der Glaubenspraxis, um göttliche Hilfe, einen „himmlischen Lohn“ zu erhalten? Die Antwort darauf können Sie sich nur selber geben.

Gott ist gnädig und barmherzig zum Nulltarif!

Viele Kinder werden heute getauft und sie haben zunächst nichts vorzuweisen, nichts geleistet und Gott schenkt ihnen das Wertvollste, was er besitzt, die Erlösung im Wasser der Taufe. Sie werden hineingenommen in den Raum der erfüllten Hoffnung. Als Kinder Gottes, Söhne und Töchter haben sie Anteil am Himmel, sind wie Paulus es im Römerbrief ausdrückt „Mitbürger und Hausgenossen im Reich Gottes“.

Gott ist gnädig und barmherzig zum Nulltarif!

Papst Franziskus umschreibt sein Pontifikat mit „Barmherzigkeit“. Er sagt auf die Frage „Warum brauchen unsere Zeit und die heutigen Menschen gerade Barmherzigkeit?“ „Weil die Menschheit verletzt ist, ja tiefe Wunden trägt“. In der Enzyklika „Amoris laetitia“ eröffnet er den Weg der Barmherzigkeit Gottes. Er schreibt: „Deshalb erinnere ich daran, dass der Beichtstuhl keine Folterkammer sein darf, sondern ein Ort der Barmherzigkeit des Herrn. Gleichermaßen betone ich, dass die Eucharistie nicht eine Belohnung für die Vollkommenen, sondern ein großzügiges Heilmittel und eine Nahrung für die Schwachen ist.“ In diesem Sinn hat er „geschiedenen Wiederverheirateten“ nach einem Prozess der Entscheidungsfindung und der Gewissensbildung die Möglichkeit zum Kommunionempfang eröffnet.

Gott ist gnädig und barmherzig zum Nulltarif!

Gott ist barmherzig zu jedem, verzeiht einem Donald Trump, Kim Jong Un, einem Erdogan, wie allen anderen, wenn sie ihn bitten. Er ist ein Gott, der, wie es im Johannesevangelium heißt, die Welt nicht richtet, sondern retten will. Das zu hören

macht – so meine Hypothese - viele aggressiv, denn das passt überhaupt nicht in ihr Denken. Das kann nicht sein, das ist ungerecht. Das kann ich nicht glauben.

So muss es wohl auch der Gemeinde des Matthäus ergangen sein mit dem heutigen Evangelium. Gott vergibt nicht nur siebenmal, sondern unendlich. 10 000 Talente waren eine Summe, die sich kein Mensch damals vorstellen konnte. Matthäus unterstreicht mit der gleichgestalteten menschlichen Schuldnergeschichte die unendlich vergebende Barmherzigkeit Gottes. Und er macht mit dem Ende deutlich, das Unbarmherzigkeit, also nicht verzeihen können, immer einen selber trifft, Schmerz und Leid erzeugt. Nicht verzeihen hält immer fest am Schmerz. Ein nicht loslassen können ist - im Bild gesprochen - das Messer in der Wunde ständig umzudrehen.

Matthäus will seine Gemeinde und uns heute einladen in den Spiegel unseres Mensch- und Christseins zu sehen und dabei wahrzunehmen, dass uns allen „zum Nulltarif“ auf Golgotha vergeben wurde, dass wir Erlöste sind, von Gott unendlich in jeder Sekunde Geliebte. Von daher möchte er einladen, diese Vergebung und Barmherzigkeit weiterzuschenken und so die Welt nach Gott riechen zu lassen.

Gott ist gnädig und barmherzig zum Nulltarif! Und wir?

  • Lesen der Bibelstelle Mt 18, 21-35

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    21 Da trat Petrus hinzu und sprach zu ihm: Herr, wie oft muss ich denn meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben? Ist’s genug siebenmal?

    22 Jesus sprach zu ihm: Ich sage dir: nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal.

    23 Darum gleicht das Himmelreich einem König, der mit seinen Knechten abrechnen wollte.

    24 Und als er anfing abzurechnen, wurde einer vor ihn gebracht, der war ihm zehntausend Zentner Silber schuldig.

    25 Da er’s nun nicht bezahlen konnte, befahl der Herr, ihn und seine Frau und seine Kinder und alles, was er hatte, zu verkaufen und zu zahlen.

    26 Da fiel der Knecht nieder und flehte ihn an und sprach: Hab Geduld mit mir; ich will dir’s alles bezahlen.

    27 Da hatte der Herr Erbarmen mit diesem Knecht und ließ ihn frei und die Schuld erließ er ihm auch.

    28 Da ging dieser Knecht hinaus und traf einen seiner Mitknechte, der war ihm hundert Silbergroschen schuldig; und er packte und würgte ihn und sprach: Bezahle, was du schuldig bist!

    29 Da fiel sein Mitknecht nieder und bat ihn und sprach: Hab Geduld mit mir; ich will dir’s bezahlen.

    30 Er wollte aber nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis er bezahlt hätte, was er schuldig war.

    31 Als nun seine Mitknechte das sahen, wurden sie sehr betrübt und kamen und brachten bei ihrem Herrn alles vor, was sich begeben hatte.

    32 Da befahl ihn sein Herr zu sich und sprach zu ihm: Du böser Knecht! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich gebeten hast;

    33 hättest du dich da nicht auch erbarmen sollen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmt habe?

    34 Und sein Herr wurde zornig und überantwortete ihn den Peinigern,  bis er alles bezahlt hätte, was er schuldig war.

    35 So wird auch mein himmlischer Vater an euch tun, wenn ihr nicht von Herzen vergebt, ein jeder seinem Bruder.

     

     

     

Gebetsvorschlag

Barmherziger uns liebender Gott,
keine Schuld ist zu groß,
als dass du dich nicht wieder zuwendest.
Nimm uns die Angst,
zu oft und zu viel zu verzeihen.
Bleibe bei uns und mache uns Mut, zu handeln wie du –
großzügig und barmherzig,
auf dass eine Gemeinschaft entsteht,
in der er sich lohnt und uns freut zu leben.
Gewähre uns dies in der Kraft deines Geistes
durch deinen Sohn Christus, unseren Herrn. Amen.

Meditation

Gott ist dort,

wo die Güte und die Liebe,

die Barmherzigkeit,

die Gnade vor dem Recht gelebt wird.

 

Gott ist dort,

wo der Entrechtete und Hungrige,

der Arme und der an den Rand Gedrängte,

Wertschätzung und Heimat erfährt.

 

Gott ist dort,

wo Vergebung und Verzeihen ist,

denn dort spüren wir Erlösung,

Herausgelöst sein aus Kräften,

die mich selbst und andere ewig verwunden können.

 

Gott ist dort,

wo Menschen barmherzig und gnädig

ohne Vorleistungen, zum „Nulltarif“

miteinander leben und füreinander einstehen.

 

Gott ist dort,

wo Menschen einander Heimat schenken,

die nach Gott, nach dem Himmel riecht.

 

Gott ist dort,

hier bei uns,

barmherzig und gnädig!

 

(24. Sonntag im Jahreskreis – Lsj A – 09.09.2020 – ©Christian Scheinost)