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Erntedankfest

Impuls zum 29. Sonntag im Jahreskreis

"Gebt Gott,

was Gott gehört!"

(Mt 22,21b)

 

(Bild: © Christian Scheinost)

"Glauben und Wissen verhalten sich wie zwei Schalen einer Waage: in dem Maße, als die eine steigt, sinkt die andere," so sagte es der dt. Philosoph Arthur Schoppenhauer.

Glauben heißt nicht wissen, sondern vertrauen, sein Herz und sein Leben Gott hinhalten und IHN an mir, in mir wirken lassen. Demnach sind Glaubensinhalte erlernbar, der Glaube als "Seinsweise" aber nicht. Und je mehr wir Menschen im Glauben vertrauen, umso weiter weg ist uns das Wissen. Und wer – so meine Hypothese – im Wissen, im Beweisen lebt, im allein Sichtbaren, menschlich Erreichbaren braucht den Glauben, die göttliche Dimension immer weniger.

Der Glaube hat zum Inhalt eine Hoffnung, eine Liebe, die sich Menschen nicht selber sagen können, also in den Kräften der Welt nicht finden: Das ist ein Herausgelöst sein aus allen lebenszerstörerischen Kräften.

Der heilige, charismatische Papst Johannes der XXIII. hat den Begriff des "Aggiornamento" geprägt und wollte ein "verHEUTigen", eine Öffnung der Kirche hin zur gegenwärtigen Welt, was Thema des II. Vatikanischen Konzils war.
50 Jahre danach hat sich unsere "Synode" im Bistum Trier inhaltlich ebenfalls damit auseinandergesetzt: Wie geht glauben im 3. Jahrtausend?

Für die einen mag das eine Relativierung, eine "Verwässerung" der Glaubensinhalte sein, die Hoffnung, die sich die Menschen nicht selber sagen können, von Menschen sagen zu lassen? Für andere ist es vielmehr Gott in der Welt von heute auf die Spur zu kommen! Der verst. Kapuziner Walbert Bühlmann hat Folgendes gesagt: "Wir reden zu viel von den Krisen der Kirche und zu wenig von ihren Chancen." Es ist wichtig, "uns für eine lebendige Kirche zu mobilisieren und engagieren, aber bei all dem bewusst bleiben, das letztlich nicht wir die Kirche unserer Träume verwirklichen, sondern der Heilige Geist."

In der Haltung zu leben, dass der Heilige Geist Gottes uns führt und drängt und er die Kirche am Leben erhält und ihr Zukunft schenkt, kann Freiheit schenken und motivieren, auch ungewohnte, auf den ersten Blick "unkirchliche, unchristliche" Wege zu gehen. In dieser Haltung – so meine Wahrnehmung – löst sich die Gegensätzlichkeit von Welt und Kirche auf, es braucht kein sich gegeneinander und voreinander schützen müssen.

Die Christen und Christinnen der Gemeinde, an die Matthäus sein Evangelium schreibt, beschäftigt die Frage, wie geht die Kirche weiter, wenn Jesus nicht zurückkommt und die Verantwortung bei ihnen liegt. Müssen sie sich der Umgebung, dem römischen Staat, den anderen Religionen angleichen, um nicht unterzugehen?

Ja, zum einen schon, sagt Matthäus, und allein wichtig dabei ist, dass sie den Willen Gottes in allen Lebensbereichen entdecken und versuchen, ihn zu erfüllen. Gott ist der Herr über ihr Leben und niemand anders. Es kann eine große weite Öffnung zur Welt geben bei gleichzeitigem Gehorsam gegen Gott vor allen anderen Verpflichtungen.

Ein Öffnung der Kirche zur Welt hin ist – so meine Überzeugung – sehr wichtig und notwendig und doch braucht es in alledem, Gott das zu geben, was ihm gehört: Glaube, Hingabe, den Heiligen Geist wirken lassen, hören auf ihn.

Zum Nachdenken und Weiterdenken steht darüber hinaus die Frage im Raum: Was möchte GOTT von dir? Und was bin ich bereit, ihm zu geben?

  • Lesen der Bibelstelle Mt 22,15-21

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    15 Damals kamen die Pharisäer zusammen und beschlossen,
    Jesus mit einer Frage eine Falle zu stellen.

    16 Sie veranlassten ihre Jünger,
    zusammen mit den Anhängern des Herodes zu ihm zu gehen und zu sagen:
    Meister, wir wissen, dass du die Wahrheit sagst und wahrhaftig den Weg Gottes lehrst
    und auf niemanden Rücksicht nimmst, denn du siehst nicht auf die Person.

    17 Sag uns also: Was meinst du? Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht?

    18 Jesus aber erkannte ihre böse Absicht und sagte: Ihr Heuchler, warum versucht ihr mich?

    19 Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern bezahlt! Da hielten sie ihm einen Denar hin.

    20 Er fragte sie: Wessen Bild und Aufschrift ist das?

    21 Sie antworteten ihm: Des Kaisers.
    Darauf sagte er zu ihnen:
    So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!

Gebetsvorschlag

Menschenfreundlicher Gott,
in den Texten der Evangelien und in den Sakramenten der Kirche
und auch in den Taten der Nächstenliebe
hören und empfangen wir,
was Trost gibt, Hoffnung und Mut macht,
und was zum Leben hilft.
Lass uns aus und in deiner Gegenwart leben,
um der Welt zu geben, was der Welt gehört
und DIR zu geben, was DIR gehört,
damit wir überall Zeuginnen und Zeugen der Wahrheit sind.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Meditation

Gebt dem Staat, was dem Staat gehört:

Das Einhalten von Grundrechten und Gesetzen,

das Eintreten für Gerechtigkeit und Frieden,

die Abgabe von Steuern und Solidaritätszuschlägen,

Partei und Stimme.


Gebt der Gesellschaft, was der Gesellschaft gehört:

Würde und Einzigartigkeit jedem Menschen,

ein solidarisches Miteinander und Füreinander,

Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen,

zwischen der jüngeren und älteren Generation.
 

Gebt der Familie, was der Familie gehört:

Liebe, Zusammenhalt, Heimat, ein Zuhause,

Väter und Mütter,

Kinder und Enkel,

Eltern und Großeltern.
 

Gebt der Kirche, was der Kirche gehört:

Gottesdienste und Sakramente,

Gebet und Taten der Nächstenliebe,

Kirchenbauten und Versammlungsorte, …
 

GEBT GOTT, WAS GOTT GEHÖRT:

EUER HERZ,

Euer Leben,

Glaube, Liebe und Hoffnung.
 

(29. Sonntag im Jahreskreis Lsj A – 14.10.2020 © Christian Scheinost)