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Impuls zum Hochfest Hl. Petrus und Hl. Paulus

Hl. Petrus und Hl. Paulus

 

Christsein

zwischen JA und ABER?!

Ich denke, den Satzanfang "Ja, aber …" kennt jeder und jede. Diese Formulierung steht für ein verstecktes "Nein!" in der menschlichen Kommunikation. Es bedeutet, sich einem offenen Konflikt, einer Meinungsverschiedenheit entziehen zu wollen.

Ja, ich will schon glauben, aber die Kirche - gerade als Institution - macht es mir schon schwer oder hindert mich daran. Und im selben Atemzug beginnen Christinnen und Christen ihrem "aber" Namen zu geben: "Missbrauch von Macht und Menschen, Geldverschwendung, mangelnde Reformbedürftigkeit, hoher unrealistischer moralischer Anspruch …"

Ja, ich möchte Dich, Gott, so gerne lieben, aber ich verstehe nicht, warum Du Leid, unheilbare Krankheiten, Terror, Gewalt, Krieg zulässt. Ich verstehe auch nicht: Warum musste mein Kind, meine Ehefrau, Partnerin, mein Vater so "unmenschlich" sterben, die haben doch niemandem etwas zuleide getan …?

Zuweilen höre ich in Gesprächen mit Menschen, die ihren Glauben festmachen durch einen regelmäßigen, sonntäglichen oder werktäglichen Gottesdienstbesuch, dass diese Formulierung "ja, ich glaube, aber" eine Aussage darüber ist, dass sie nichts glauben. Denn wer glaubt, muss doch "vertrauen und hoffen und aushalten …" Ist das wirklich so? Haben wir nicht eine "Frohe Botschaft", die Zusage eines Lebens in Fülle im Diesseits und Jenseits, für das Jesus Leiden und Tod auf sich genommen, für alle gelitten hat?“ In den Worten der Wandlung hören wir: "Das ist mein Blut, das für alle vergossen wurde zur Vergebung der Sünden."

"Ja, aber" bezeichnet, so meine Wahrnehmung, zwei Wirklichkeiten: Auf der einen Seite eine Sehnsucht nach einem Stück bewusst geglückten Lebens und auf der anderen Seite die Erfahrung der je eigenen Wirklichkeit, die geprägt ist von Unvollkommenheit, Bedenken, Fragen, Schwächen, Fehlern, Ecken und Kanten.

Die erste und zweite Generation der christlichen Gemeinde mussten den Glauben im Alltag buchstabieren, ins alltägliche Leben übersetzen: Zum einen hatten sie die Zusage: "Ich bin bei euch alle Tage!" Auf der anderen Seite fühlten sie sich verfolgt und bedrängt von den eigenen Schwächen, die sie so ganz und gar "unchristlich" empfanden.

Und so zeigt ihnen der Apostel Johannes einen, der Scheitern und Neuanfang menschlich erlebt hat: Petrus. Er hat sehnsuchtsvoll JA gesagt zu Jesus und dann, als sein Leben selbst bedroht war, ABER - und ihn dreimal verleugnet. Doch Jesus ist nicht strafend, nachtragend, sondern nachgehend. Er liebt Petrus, nimmt ihn so an, wie er ist und überträgt ihm die liebende Leitung der Gemeinde. Ähnliches erlebt auch Paulus: Erst Christenhasser, dann glühendster Verkünder der Botschaft Jesu Christi. Auch Paulus eröffnet Gott einen Neuanfang.

Dieser Neuanfang ist begründet in der Liebe Gottes. Sie schenkt Vergebung und lässt den Menschen, der sich auf Ihn einlässt, selbst lieben und vertrauen.

JA, ABER - ist die Haltung des Christen: Lernen Gott zu vertrauen, Ihn zu lieben, weil er mich liebt und mir vertraut, und zum anderen sich seiner immer wiederkehrenden Schwächen und Fehler bewusst zu sein und sie anzunehmen.

Petrus wie Paulus zeigen uns den Weg in der Krise, im "Unnormalen", im Leid nicht unterzugehen, sondern genau dort Gott zu spüren und zufrieden und erlöst zu leben.

  • Lesen der Bibelstelle Joh 21,1.15-19

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    1 Danach offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal, am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise.

    15 Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese?
    Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer!

    16 Zum zweiten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?
    Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!

    17 Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?
    Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte: Liebst du mich?
    Er gab ihm zur Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!

    18 Amen, amen, ich sage dir: Als du jünger warst, hast du dich selbst gegürtet und gingst, wohin du wolltest.
    Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst.

    19 Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen werde.
    Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach!

Gebetsvorschlag

Gott der unbegrenzten Möglichkeiten,
ich will jetzt Deine Gegenwart spüren,
eine Kraft, die mich bewegt, scheinbar Unmögliches möglich werden lässt.
Ich blicke zudem auf Petrus und Paulus:
Sie haben Taten gesetzt,
in einer Haltung des "JA, aber …" gelebt,
und so der Kirche Zukunft gegeben bis heute und noch darüber hinaus.
Schenke Deiner Kirche stets Frauen und Männer,
die sich an den Aposteln Petrus und Paulus ausrichten
und so lebendige und glaubwürdige Zeuginnen und Zeugen sind.
Sende mich und lehre mich den Weg des "JA, aber …".
AMEN.
 

Meditation

Petrus und Paulus

Menschen mit brennenden Herzen,

mit beiden Beinen im alltäglichen Leben,

die andere begeisterten,

den Weg der Frohen Botschaft zu gehen.


Petrus und Paulus,

zwei Menschen dieser Welt

zwischen JA und ABER.


Petrus und Paulus

Männer mit Stärken und Schwächen,

glaubwürdige und überzeugte Christen,

die hitzig, cholerisch und feige

die Frohe Botschaft spürbar machen,

eine Kirche, in der es menschelt.


Petrus und Paulus

laden mich, dich, uns ein,

mit Gottvertrauen Unmögliches zu denken:

Gott ist da, gerade auch dort,

wo Leben gebrochen und fehlerhaft,

schwach und leidvoll ist.

Und: Gott ist nachgehend und nicht nachtragend.


Petrus und Paulus,

Menschen wie sie

machen die Kirche

menschlich, einladend, genießbar

und lassen sie nach Himmel riechen.

 

(Zum Hochfest Peter und Paul, Kirmes Bad Hönningen – 23.06.2020 © Christian Scheinost)