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Impuls zum 15. Sonntag im Jahreskreis

Sofern in Gott

es ruht,

ist alles gut!

(Friedrich Rückert)

Unser Dasein ist ein Balanceakt zwischen "möchten und können", dieser lebens-philosophische "Gedankensplitter" stammt von dem Aphoristiker Fred Ammon.

In unserem herausfordernden Alltag ist es nicht immer leicht "möchten und können", Wünsche und die konkret machbare Wirklichkeit in ein ausgleichendes Miteinander zu bringen, körperlich, geistig und seelisch in Balance zu bleiben! Da heißt es, hin und wieder und öfter zu "entschleunigen" und sich selber wichtig zu nehmen. Der "harte Lockdown" in der Corona Pandemie war und ist immer noch, mit mittlerweile vielen Lockerungen, eine Zeit der Entschleunigung, es ist und war eine Zeitspanne, in der sich zeigt, wovon und woraus Menschen leben und leben wollen.

In meiner Wahrnehmung der Wirklichkeit mache ich die Erfahrung, dass Menschen darin nicht geübt sind, sich selbst und ihr Tun zu reflektieren, sie können immer weniger, so meine Hypothese, mit sich selbst etwas anfangen. Eigenverantwortliches Tun zum Schutz für mich und andere ist ein "Fremdwort" geworden, weil staatliche und gesellschaftspolitische Fremdbestimmung zur Normalität geworden sind. Und so fangen Menschen in den Lockerungsmaßnahmen wieder dort an, wo sie aufgehört haben, in einem "egozentrisch leistungsorientierten Miteinander", in einem Dienstleistungsdenken, in einem Haben-wollen, weil es ihnen doch zusteht, in einem Gerechtigkeitsempfinden, das allen das gleiche zugesteht. Doch all das hat nicht wenige überfordert und krank gemacht.

Auch in der Kirche scheint es weithin "nur" um Selbsterhalt zu gehen. Die Fragen lauten da: Sind wir noch gefragt? Wie bekommen wir mehr Leute in die Kirche, damit sie Zukunft hat? Wie erhalten wir unsere Kirchen? Wo kommt das Geld her?

Ähnliche Frage stellten die jungen neutestamentlichen Gemeinden: Was bedeutet es, dass viele seiner eigenen Volkgenossen Jesus abgelehnt haben? Wie geht es mit den Gemeinden jetzt 50 Jahre nach dem Tod Jesu weiter, da nicht wenige, die Gemeinschaft verlassen, verfolgt und getötet werden? Lässt das Gottes Heilsplan scheitern?

Matthäus will die Christinnen und Christen zu einer Antwort führen, indem er in sein Evangelium das Gleichnis vom Sämann aufnimmt. Es geht ihm dabei weniger um eine Ermahnung als vielmehr um einen Zuspruch: Die Lebenskraft Gottes, Seine Erlösung für alle Menschen guten Willens, die mit dem Tod und der Auferstehung Jesu gesetzt ist, gilt es, in alle Welt weiterzutragen. Dazu braucht es Vertrauen in und Glauben an die Kraft Gottes. Gott ist Mittelpunkt, Grund und Inhalt christlichen Lebens, Seiner Kirche und viel weniger unser eigener Selbsterhalt.

Wir könnten uns fragen:
Wie geht es Menschen in unserer Umgebung?
Was bewegt sie?
Was suchen sie?
Was brauchen sie?
Was hat das, was sie suchen, mit dem Evangelium zu tun?
Wenn wir so bei den Menschen sind, brauchen wir uns keine Sorgen um die Zukunft zu machen. Menschen werden dann ganz von selbst spüren, dass das, wofür die Kirche steht, wichtig ist.

Matthäus lädt die jungen Gemeinden damals und uns heute ein, mit den Augen des Glauben und des Vertrauens zu sehen. Das bedeutet auch zu lernen, nicht mehr über alles verfügen zu können, sondern darauf zu schauen, was Gott tut für mich, für dich, für uns alle.

Wenn wir diesen Weg gehen, dann fällt der Samen auf guten Boden und bringt reiche Frucht, wie Gott sie will, dem Menschen zum Guten, zur Erlösung.

Die Einladung Gottes steht: Vertraue mir und glaube an mich.

  • Lesen der Bibelstelle Mt 13,1-9

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    1 An jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Ufer des Sees. 

    2 Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich. Und alle Menschen standen am Ufer. 

    3 Und er sprach lange zu ihnen in Gleichnissen. Er sagte: Siehe, ein Sämann ging hinaus, um zu säen. 

    4 Als er säte, fiel ein Teil auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen es. 

    5 Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; 

    6 als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte. 

    7 Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat. 

    8 Ein anderer Teil aber fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach. 

    9 Wer Ohren hat, der höre!
     

Gebetsvorschlag

Jesus Christus,
Du schenkst erlösende Lebenskraft
und lässt dein Reich, die Kirche, wie ein Samenkorn wachsen,
auch unter den Dornen, auf dem Weg, auf Felsen
und auf gut vorbereitetem Boden,
und erntest mehr oder weniger Frucht.
Alles ist gut und wird gut und hat Sinn,
wenn wir uns ganz auf Dich, unseren Gott, einlassen.
Lass uns im Vertrauen auf Deine Kraft leben, gut leben und Frucht bringen.
Amen.
 

Meditation

GOTT VERTRAUEN,

sich Ihm blindlings anzuvertrauen,

seinem Wort bedingungslos zu glauben,

braucht Mut,

braucht eine Be-Geist-erung,

von sich zu lassen,

ihn zuzulassen.

 

GOTT VERTRAUEN

eröffnete neue Blickwinkel:

Er ist gerade auch dort,

wo IHN

- unsere menschliche Wahrnehmung und Überzeugung -

nicht vermutet.

Er ist mit den Menschen

   auf ihren Wegen der Ignoranz,

   auf den Felsen der Angst

   in und unter den Dornen der Sorgen.

 

GOTT

lädt dich und mich, uns alle, ein,

   zu VERTRAUEN,

und sich verwandeln zu lassen von IHM.

Dann wird sein Wort

zu unserem Wort

und in uns wachsen, groß werden,

   Frucht bringen,

uns mit Gelassenheit und Zuversicht

in die nahe und ferne Zukunft gehen lassen.
 

(15. Sonntag im Jahreskreis Lsj A – 08.07.2020 © Christian Scheinost)