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Impuls zum 16. Sonntag im Jahreskreis

Ein Unkraut

ist nichts anderes

als eine

ungeliebte Blume.

(Ella Wheeler Wilox)

"Das Gute - dieser Satz steht fest - ist stets das Böse, was man lässt." Das zumindest meint Wilhelm Busch am Ende seiner Bildergeschichte "Die fromme Helene". Aber was genau ist gut und was ist böse?

Eine allgemein gültige Definition, was gut ist und was böse, gibt es nicht. Trotzdem füllen alle Menschen innerhalb kürzester Zeit diese Begriffe mit Inhalten. So besteht recht schnell Einigkeit darüber, dass es besser ist, barmherzig zu sein und dem anderen zu helfen, als ihn seinem Leid zu überlassen. Auch die Wahrheit wird der Lüge vorgezogen, wenn es darum geht, das Gute zu benennen.

Und doch ist es auch eine Tatsache, dass nicht für alle alles gleich gut ist. Dazu ein ganz banales Beispiel: Während einige ständig Kuchen essen können, ohne davon dick oder gar krank zu werden, legen andere schon zu, wenn sie einen Keks nur sehen oder dürfen es nicht, weil sie an Diabetes oder an einer Weizenunverträglichkeit leiden.

Was für den einen gut ist, kann für einen anderen "böse", "schlecht" sein. Wenn die einen den Regenwald aus wirtschaftlicher Profitgier abholzen, ist es für die ganze Menschheit schlecht, weil damit das Klima zerstört wird. Mit Billiglöhnen zu produzieren, ist gut für Großunternehmer und die Endverbraucher, auf der anderen Seite werden Menschen ihrer Existenzgrundlage beraubt.

Das menschliche Gerechtigkeitsempfinden geht dann gerne den Weg, das, was der Mensch als "Schlechtes", als für ihn Böses benennt, auszumerzen, damit das Gute für alle Menschen hergestellt wird.

Das ist - so meine Wahrnehmung - der Weg, den die Kirche über Jahrhunderte gegangen ist und teilweise bis heute geht:  Auf der Grundlage der zehn Gebote und dem Hauptgebot Jesu "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst." werden Kriterien ausgemacht, kirchliche Gebote erlassen, die uns auf den Weg des Guten führen, um das Böse zu vermeiden und so Christus ähnlich das menschliche Miteinander in der kleinen und großen Welt gut zu gestalten.

Nun liegt in der Beurteilung von Gut und Böse aufgrund bestimmter Kriterien aber auch die Gefahr, dem einzelnen nicht gerecht zu werden. Wir beurteilen z. B. einen Kirchenaustritt als schlecht und bestrafen Menschen dahingehend, dass sie nicht mehr zu Kommunion gehen können oder ihnen ein kirchliches Begräbnis verwehrt bleibt, und doch bleibt die Frage: Ist derjenige wegen der Institution ausgetreten oder sagt ihm der Glaube nichts mehr? Und sind dann diese Folgen gerechtfertigt? Wer kann in einen anderen hineinsehen und sein Tun wahrhaftig beurteilen?

Matthäus nimmt in seiner Gemeinde übereifrige und ungeduldige Fromme wahr, die sich selbst für gerecht hielten und ihres Heiles so sicher waren, dass sie das endzeitliche Gericht herbeisehnten, um möglichst bald die vollendete Gottesherrschaft genießen zu können. Und dabei dachten sie nur an sich und kümmerten sich nicht um das Heil der Sünder.

Mit dem Gleichnis vom Unkraut im Weizen möchte er seine Gemeindemitglieder damals und uns heute anregen, dieses Trennungsverfahren zwischen gerecht und sündig in der Gegenwart zu unterlassen und für die Zukunft aufzuschieben, sie Gott zu überlassen. Gott ist barmherzig, liebevoll, er ist geduldig, und er schaut auf das Gute, das im Menschen vorhanden ist, auch wenn es zeitweise im "Unkraut" verborgen ist. Am Ende des Lebens, am Ende dieser Welt wird Gott seine Kirche, sein Reich gut zur Vollendung bringen.

Und wieder sind wir zu Vertrauen gegenüber Gott eingeladen, dass er alles zum Guten führen wird.

Also:Vertraue! – Lasse los von dir und deinen "Beurteilungen"! – Spüre den Himmel auf Erden und gestalte ihn mit!

  • Lesen der Bibelstelle Mt 13,24-30

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    24 Jesus legte ihnen ein anderes Gleichnis vor: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte.

    25 Während nun die Menschen schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging weg.

    26 Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein.

    27 Da gingen die Knechte zu dem Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut?

    28 Er antwortete: Das hat ein Feind getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen?

    29 Er entgegnete: Nein, damit ihr nicht zusammen mit dem Unkraut den Weizen ausreißt.

    30 Lasst beides wachsen bis zur Ernte und zur Zeit der Ernte werde ich den Schnittern sagen:
    Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune!

Gebetsvorschlag

Barmherziger Gott,
was für eine Zumutung, was für eine Herausforderung, was für eine Chance,
Kirche im Geiste Jesu Christi zu sein:
Offen sein für alle – nicht eng und eingegrenzt,
einladend – nicht abweisend,
Raum gebend für Suchende – nicht Ort für alles Wissende,
Platz für Gescheiterte – nicht Hort für Perfekte,
Unkraut zu sehen, zu tolerieren und wertzuschätzen
und so ein bunter Garten sein – keine Monokultur.
Lass uns so Kirche sein, immer das Gute sehen und sehen wollen.
Amen.

Meditation

Unkraut und Weizen - …

Lasst sie zusammen wachsen!

Kann ich das?
 

Hast du da nicht etwas falsch verstanden Gott?

Deine Kirche ist doch eine Gemeinschaft,

   in der die Menschen einander die Liebe leben,

   für den Frieden eintreten,

   Hass und das Böse überwinden,

das Unvollkommene versöhnend vollkommen machen.
 

Krieg und Frieden,

Unvollkommenes und Fülle,

Böses und Gutes,

Hass und Liebe – …

Lasst sie zusammen wachsen,

denn Gott sagt:

   Ich glaube immer an das Gute im Menschen.

   Ich glaube an dich.

   Du bist einzigartig und wertvoll!
 

In MEINER Kirche,

in der Gemeinschaft, die ich ins Leben gerufen habe

ist Platz für alle, sich zu entfalten und zu entwickeln;

ich gebe nie auf!
 

UND DU?
 

(16. Sonntag im Jahreskreis Lsj A – 13.07.2020 © Christian Scheinost)