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Impuls zum 19. Sonntag im Jahreskreis

Nur wer verzagend

das Steuer loslässt,

ist im Sturm verloren.

Emanuel Geibel

"Nur wer verzagend das Steuer loslässt, ist im Sturm verloren!“ So sagt es der deutsche Lyriker Emanuel Geibel. Stürme, die alles durch- und umwehen, das Potential von möglicher Zerstörung in sich tragen, ebenso Ängste, Ohnmacht und Hilflosigkeit hervorrufen, solche Stürme gibt es im übertragenen Sinn auch in unserem Leben, in der Gemeinschaft, in dieser Welt, in Staat, Kirche und Gesellschaft. Das Schiff der Menschheit schwankt auf dem Meer der Welt zeitweise gewaltig hin und her. Dauerhafte Kriege mit dem Potential möglicher "atomarer Zerstörung" bedrohen die Menschen. Der zunehmende "Populismus contra Demokratie" verunsichert und macht Angst, eine Weiterentwicklung von nicht wenigen Staaten hin zu "diktatorischen Gesellschaften", an deren Spitze Staatsmänner stehen, die immer nur zuerst ihr Land sehen und die internationale Gemeinschaft mit "Füßen treten", erzeugt Ohnmacht, Hilflosigkeit. Oft ist zu hören "Wohin geht nur diese Welt?" Die Corona-Pandemie, die noch nicht überwunden ist, zeigt dem Menschen Grenzen ungeahnten Ausmaßes auf. Es gilt, in unserem "Wohlstands-Deutschland" mit Einschränkungen wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Art umzugehen, mit einer "veränderten Freiheit". Und da und dort erleben wir "kindliches Verhalten", wenn Menschen ihren Willen nicht durchsetzen können, zeigen sie ein "trotziges Verhalten", demonstrieren und wollen mit Gewalt die Normalität zurückgewinnen.

Das Schiff, das sich Gemeinde nennt, wankt ebenfalls auf dem Meer der Zeit hin und her. Die Kirche, in der wir leben, zu der wir halten, hat sich grundlegend in der vergangenen Generation, den letzten 20 Jahren verändert. Eine geschlossene volkskirchliche Gemeinschaft hat sich weiterentwickelt in eine pluralistisch, individuelle Gemeinschaft. Im Blick auf den Einzelnen nehme ich wahr, dass es eine Vielzahl von Lebenssituationen und daraus resultierende Glaubenswege gibt, die unterschiedlich zu begleiten sind. Es gibt nicht die eine Wahrheit, die für alle gleichermaßen gilt, sondern die "eine Wahrheit" manifestiert sich in unterschiedlichen Seinsweisen. Diese Situation fordert heraus, andere Blickwinkel einzunehmen, um dem jeweilig "einzelnen" gerecht zu werden. Die große Gefahr dabei ist, dass Menschen ihren Blickwinkel als den einzig wahren sehen und andere von daher beurteilen und manchmal aburteilen.

In den Stürmen des Lebens der einzelnen, hervorgerufen durch die Welt, die Kirche und durch das eigene Leben - plötzliche Krankheiten, Trauer, Arbeitslosigkeit, Beziehungsbruch - suchen die Menschen Halt. Sie finden ihn in sich selber, bei den Menschen, die ihnen lieb und wertvoll sind, und sie finden ihn bei Gott.

Die neutestamentlichen Gemeinden am Ende des ersten Jahrhunderts erleben Veränderungen in der Gemeindestruktur und sie erleben Verfolgung, Not und Bedrängnis. Sie fragen "Warum lässt das Gott zu?" Und Matthäus macht ihnen durch die Geschichte vom Sturm auf dem See deutlich, wie es Emanuel Geibel ausdrückte: "Wer das Steuer loslässt," wer Christus loslässt und nur auf sich sieht, "der ist im Sturm des Leben verloren."

Jesus sagt: "Ich bin da! Fürchte dich nicht, ich rette dich." Mit Petrus stellt uns das Evangelium dieses Sonntags sehr realistisch einen Schüler vor, der in den Stürmen der Zeit einerseits auf Jesus vertraut, den aber dann doch wieder Ängste und Zweifel plagen. Und die Folge, so meine Hypothese, in den Ängsten und Zweifeln nur auf sich zu sehen, ist ein im wahrsten Sinne des Wortes "baden gehen".

Matthäus lädt seine Gemeinde und uns heute dazu ein, Vertrauen zu haben zu Jesus, der uns in den wie auch immer gearteten Stürmen unseres Lebens begleitet und rettet und uns einen guten Weg zu einem Stück gelungenen Lebens weist.

  • Lesen der Bibelstelle Mt 14,22-33

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    22 Gleich darauf drängte er die Jünger, ins Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren. Inzwischen wollte er die Leute nach Hause schicken.

    23 Nachdem er sie weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um für sich allein zu beten. Als es Abend wurde, war er allein dort.

    24 Das Boot aber war schon viele Stadien vom Land entfernt und wurde von den Wellen hin und her geworfen; denn sie hatten Gegenwind.

    25 In der vierten Nachtwache kam er zu ihnen; er ging auf dem See.

    26 Als ihn die Jünger über den See kommen sahen, erschraken sie, weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrien vor Angst.

    27 Doch sogleich sprach Jesus zu ihnen und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!

    28 Petrus erwiderte ihm und sagte: Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme!

    29 Jesus sagte: Komm! Da stieg Petrus aus dem Boot und kam über das Wasser zu Jesus.

    30 Als er aber den heftigen Wind bemerkte, bekam er Angst. Und als er begann unterzugehen, schrie er: Herr, rette mich!

    31 Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?

    32 Und als sie ins Boot gestiegen waren, legte sich der Wind.

    33 Die Jünger im Boot aber fielen vor Jesus nieder und sagten: Wahrhaftig, Gottes Sohn bist du.
     

Gebetsvorschlag

Gott, unser Retter,
wir rufen nach dir in den Stürmen des Lebens,
dann wenn unser Leben durchgewirbelt wird,
wenn die Hoffnung zugrunde zu gehen scheint.
Und du sagst:
Ändere deine Blickrichtung, lerne im Sturm zu tanzen,
denn ich bin bei dir, und das gilt für immer und ewig.
Schenke uns Mut, Zuversicht, Hoffnung
in allen Lebenslagen, dich nicht aus dem Blick zu verlieren
und baden zu gehen.
Amen.
 

Meditation

Die Stürme im Leben

bringen durcheinander

   das Miteinander der Menschen

   in Welt und Kirche.


Die Stürme im Leben

durchmischen das Leben neu,

fordern heraus,

   zur Veränderung

   zum Neubeginn,

   zu einem neuen Denken.


Stürme im Leben,

da gibt es Haltlosigkeit, Fragen, Zweifel …


dann:


Schau auf Christus!

Er ist dein Halt.

Er ist dein Fundament.

Er trägt dich durchs Wasser,

mit ihm gehst du über das Wasser,

wenn du dich Ihm anvertraust,

Ihm glaubst.
 

Habe keine Angst.

ER IST MIT DIR.


(19. Sonntag im Jahreskreis – Lsj A – 17.07.2020 - © Christian Scheinost)