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Impuls zum 2. Ostersonntag / Weißer Sonntag (2020)

Sonntag der Barmherzigkeit

 

"Das ist das Ende.

Für mich der Beginn des Lebens."

(Dietrich Bonhoeffer)

DU Mensch, ja DU bist mir willkommen.
Ich berge dich in meiner Hand!

"Ich kann nicht mehr sehen, trau nicht mehr meinen Augen,
kann kaum noch glauben, Gefühle haben sich gedreht.
Ich bin viel zu träge, um aufzugeben.
Es wäre auch zu früh, weil immer was geht."
So beginnt das Lied "Der Weg" von Herbert Grönemeyer. Der Liedtext spiegelt seine "Trauer-Erfahrung" wider über den Verlust seiner an Krebs verstorbenen Frau. Eine Erfahrung, die ihm den Boden unter den Füßen fortzieht und seinen Glauben auf eine harte Probe stellt.

Eine Erfahrung, - so meine Annahme - die auch wir alle schon einmal so oder weniger intensiv gemacht haben. Krankheiten, Schicksalsschläge, zerbrochene Freundschaften oder Partnerschaften, der Verlust der Arbeit, der Tod eines geliebten Menschen und vieles andere verändern unser gewohntes Leben, stellen es auf den Kopf: Was mir gestern noch sicher und wertvoll war, ist heute ganz anders. In diesen Lebenssituationen "den Kopf hoch zu halten" gestaltet sich mitunter sehr schwierig.

In einer solchen Situation befinden wir uns alle auf dieser Welt zurzeit mit dem Virus Covid19, der die Welt – trotz "Lockerungen" – weiterhin fest im Griff hat. Die Zahl der Geheilten steigt zwar, aber auch die Zahl der Infizierten und der Todesfälle. Wir alle haben diese Krise noch lange nicht überstanden.

In einer Krise stecken auch die Christinnen und Christen der Gemeinde des Johannes am Ende des ersten Jahrhunderts bzw. am Anfang des zweiten Jahrhunderts. Verfolgt werden sie vom Römischen Reich und von den Juden. Als Christ zu leben, ist gefährlich geworden. Und die Frage steht da im Raum: Wie ist das mit Auferstehung? Wo und wie kann ich den lebendigen Jesus Christus spüren und seine Barmherzigkeit? Wo ist der barmherzige Gott, der sein Herz öffnet, um die Not der Menschen wahrzunehmen und entsprechend zu handeln?

All das spiegelt das Evangelium zu diesem Sonntag wieder (Joh 20,19-31):
Da wird erzählt von verängstigten und in sich verschlossenen Jüngern. Vom Phänomen des Zweifelns wird berichtet. Und der Text eröffnet Wege daraus: Ein sich Einlassen auf Gott, der als Auferstandener auch der Gekreuzigte ist. Der Weg der Nachfolge ist nicht eine "Urlaubskreuzfahrt in den Himmel". Zum Geschehen der Erlösung gehört das Leid und die Not, die Begrenzungen des Lebens. Das wird deutlich im eucharistischen Brot, im Leib Christi, in der Kommunion, an deren Erstempfang sich an diesem Sonntag viele erinnern. Jesus lässt sich brechen. Er stirbt am Kreuz. Er erleidet Schmerzen, Leid und den Tod, und der Vatergott verhindert es nicht. Und doch steht am Ende ein Anfang, die Erfahrung Jesu, ich weiß mich getragen von Ihm.

Dieser Sonntag lädt uns ein, im Blick auf den "zweifelnden Thomas" Schritte des Glaubens zu gehen.

Wir alle sind eingeladen uns auf Gott einzulassen und Ihn zu spüren.
Wir spüren: Ich bin willkommen bei Gott, und ER birgt mich in seiner Hand.

Gebetsvorschlag

(Kerze entzünden und miteinander Brot brechen.)

Lebensspendender Gott und Vater,
Auferstehung feiern wir in diesen Tagen,
Deinen Sohn, der lebendig unter uns ist.
Das zu glauben fällt uns in glücklichen Tagen des Lebens leicht,
in Not und Leid, in den Grenzerfahrungen ist es schwer.

Auf unserem Glaubensweg tauchen immer wieder Fragen
und Zweifel auf, wir hinterfragen das Leben.
Alte Sicherheiten gehen zu Bruch,
neue Gewissheiten sind noch nicht in Sicht.

Schenke uns einen wachen Verstand,
ein verständiges Herz, das sich auf dich einlässt,
damit wir in den "Warum-Fragen" des Lebens und im Zweifeln
den Glauben als Quelle der Kraft erfahren
und spüren: Du birgst mich in deinen Händen.
Amen.

Meditation

Glauben -

das ist - das kann sein:

   Geborgenheit,

   ein Stück bewusst geglücktes Leben,

   Stärke und Kraft,

   Mut und Hoffnung,

   sich willkommen fühlen,

   angenommen und bejaht zu sein.

 

Glauben

eröffnet einen LEBENS-raum,

   in dem ich da sein kann wie ich bin,

   mit meinen Warum-Fragen,

   mit meinem Zweifel,

   mit meinen Begrenzungen

   und mit meiner Fehlerhaftigkeit.

 

Glauben

verwandelt mich und mein Leben:

   Im Tod steckt ein neuer Anfang,

   im Leid ist Heilung verborgen,

   in der scheinbaren Sinnlosigkeit steckt Sinn,

   denn:

   Christus öffnet mir und dir,

   uns allen seine Hände,

   in denen ich geborgen und willkommen bin.

 

(2. Ostersonntag Lsj A – 17.04.2020 - © Christian Scheinost)