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Impuls zum 22. Sonntag im Jahreskreis

„Hoffen auf den Herrn:

Dein Wille geschehe!“

Robert D. Hales

 

„2 mal 3 macht 4 – widdewiddewitt und 3 macht 9e! Ich mach‘ mir die Welt – widdewidde wie sie mir gefällt…“ Wir kennen sicherlich alle dieses Lied, die Titelmusik der 1969 verfilmten Pippi-Langstrumpf-Bücher. Sie handeln von einem „der Wirklichkeit ver- oder entrückten Mädchen“, das seinen Weg geht und sich sein Leben so zurecht macht und biegt, wie es ihr gefällt, wie sie es braucht.

Wenn ein Mensch unserer Tage einen solchen Weg geht, dann kann dies – so meine Hypothese - Faszination und Begeisterung, jedoch auch Ablehnung und Skepsis hervorrufen.

Jeder Mensch hat eine Geschichte, die erklärt, warum er so ist, wie er ist, und das ist das Schöne, das macht uns einzigartig. Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt, ich gestalte mein Leben aufgrund dessen, was ich erlernt habe und durch meine Lebenserfahrungen als existentiell, wichtig, wertvoll und zielführend ansehe. Und wenn ich das ernst nehme, dann gibt es keine objektive Wirklichkeit,
sondern die Gesamtheit der menschlichen Perspektiven stellt die Wirklichkeit dar. Es gibt somit nicht die eine Wahrheit als „harmonische Schnittmenge“ aller, sondern verschiedene Wahrnehmungen und daraus folgen unterschiedliche Lebenswege und Lebensentwürfe. Das ist im Grunde nichts Schlechtes, sondern zeigt nochmals die Einzigartigkeit des Menschen auf.

Weitaus schwieriger ist es, mit der Vielfalt der menschlichen Lebenswege umzugehen, sie anzuerkennen und nicht in die Gefahr zu geraten, sie von meinem Standpunkt aus als gut oder schlecht, richtig oder falsch zu bewerten.

Die Vielfalt in der Einheit des Glaubens an den dreifaltigen Gott zu leben und zu gestalten, das ist ein Anliegen des II. Vatikanischen Konzils. Diese Vielfalt, die damals schon vorherrschte, hat sich heute noch vervielfältigt: Wir leben in unterschiedlichen katholischen Ausdrucksformen von bewahrend über gewohnt bis verändernd und voranschreitend. Immer neu werden Vorbehalte geäußert und Konflikte entstehen.

Konflikte, Vorbehalte, Bewertungen von Lebenswegen, davon erzählt uns auch das heutige Evangelium: Petrus versteht den Weg Jesu nicht. Er kann nicht verstehen, dass es der Wille Gottes sein soll, dass Jesus jämmerlich am Kreuz endet. Dahinter zeigt sich eine wichtige Fragestellung der jungen Kirche: Ist es der Wille Gottes, für alle, die ihm nachfolgen, das Leben hinzugeben, sich zu opfern, für ihn zu
sterben?

In jedem Gottesdienst beten seit Beginn der Kirche die Christinnen und Christen das Vater unser, in dem es heißt „Dein Wille geschehe“. Ist es uns wirklich ernst damit oder gehen wir den Weg des Petrus? Dein Wille geschehe, Gott, ja – aber nur solange, wie dein Wille unserem eigenen Wollen und Wünschen nicht völlig zuwiderläuft!

Wer Jünger und Jüngerin Jesu sein will, der muss aufhören, um sich selbst zu kreisen und sich Gott zurechtzubiegen, wie es ihm passt. Denn Gott ist kein „Wunsch-erfüller“, der immer zur Stelle ist, wenn wir ihn brauchen, und sich ansonsten aus unserem Lebens heraushält. „Dein Wille geschehe“ ist die existentielle Haltung des Christen, Gott anzuerkennen, mein Herz ihm zu öffnen, gleichgültig, was da kommt. Wir dürfen darauf vertrauen, dass Sein Wille uns zum Leben führt, wie nach dem Tod die Auferstehung folgte. Wer bereit ist, sein Leben zu verlieren, wer nicht festhält, sondern sich öffnet, der wird das echte und wahre Leben gewinnen.

 

  • Lesen der Bibelstelle Mt 16,21-27

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    21 Seit der Zeit fing Jesus an, seinen Jüngern zu zeigen, dass er nach Jerusalem gehen und viel leiden müsse von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und am dritten Tage auferstehen.

    22 Und Petrus nahm ihn beiseite und fuhr ihn an und sprach: Gott bewahre dich, Herr! Das widerfahre dir nur nicht!

    23 Er aber wandte sich um und sprach zu Petrus: Geh weg von mir, Satan! Du bist mir ein Ärgernis; denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.

    24 Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir.

    25 Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's finden.

    26 Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse?

    27 Denn es wird geschehen, dass der Menschensohn kommt in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln, und dann wird er einem jeden vergelten nach seinem Tun.

     

Gebetsvorschlag

Du, unser selbstlos liebender Gott,
trag mich Dir nach, nur dann kann ich Dir nachfolgen.
Schenke mir Dein Herz, nur so kann ich Dich lieben.
Lass mich loslassen von mir, nur so kann ich Deinen Willen geschehen lassen.
Gib mir Dein Leben, dann werde ich für Dich sterben.
Nimm in Deine Auferstehung all meinen Tod
und sei Mein, Gott, damit ich Dein sei
von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Meditation

DEIN WILLE GESCHEHE!

Eine Haltung,

        die mich herausfordert,

eine Aussage,

       die „provoziert“

und ein ganzes Leben braucht,

um sie Wirklichkeit werden zu lassen,

mit Gottes Gnade.

 

DEIN WILLE GESCHEHE

das ist:

hinter Jesus hergehen,

nachfolgen

loslassen, „mein Leben“ verlieren

das Lebenskreuz annehmen,

um so den Hauptgewinn unseres Lebens

      zu gewinnen:

das göttliche Leben

im Hier und Jetzt und in Ewigkeit.

 

DEIN WILLE GESCHEHE!

Was bin ich bereit dafür zu geben?

 

(22. Sonntag im Jahreskreis – Lsj. A. – 27.08.2020 - ©Christian Scheinost)